PORT Patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung

Calw

Die Kleinstadt im Nordschwarzwald denkt bei der Gesundheitsversorgung groß: Auf ihrem geplanten Gesundheitscampus soll neben einem neuen Krankenhaus auch ein PORT-Zentrum entstehen. Damit möchte Calw ein starkes Netzwerk zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, Pflege und Prävention schaffen.
 
PORT-Standort

Auf dem hellen Kopfsteinpflaster der Nikolausbrücke in Calw steht Herman Hesse. Die rechte Hand steckt lässig in der Hosentasche, in der Linken hält er seinen Hut. Der Blick geht Richtung Altstadt mit ihren denkmalgeschützten Fachwerkhäusern und verwinkelten Gassen. Die Kleinstadt Calw im Nordschwarzwald, etwa 33 Kilometer westlich von Stuttgart, hat die Bronzestatue ihres berühmtesten Sohns genau dort errichtet, wo der am 2. Juli 1877 geborene Schriftsteller gerne stand – auf der mittelalterlichen Brücke über den Fluss Nagold. Für Hesse war Calw „die schönste Stadt von allen“.

Auch heute ist das Schwarzwaldstädtchen bei seinen Bewohnern beliebt. Als einer der wenigen Landkreise Deutschlands zählt man laut Prognosen zu den Zuzugsgebieten im ländlichen Raum. Damit das auch so bleibt, muss Calw einiges tun. Denn von den derzeit etwa 23.230 Einwohnern sind 35 Prozent älter als 60 Jahre, Tendenz stark steigend. Das gleiche gilt auch für die niedergelassenen Ärzte. Mehr als jeder Dritte ist wenige Jahre vom Rentenalter entfernt. Die Praxen sind bereits jetzt voll. Und Nachwuchsärzte stehen nicht gerade Schlange.

Um die Attraktivität der Stadt für Gesundheitsdienstleister und die Bevölkerung zu steigern, plant Calw einen Gesundheitscampus – mit einem neuen Krankenhaus, einem Zentrum für Psychiatrie, einem Nephrologischen Zentrum mit Dialyseplätzen und einem Haus der Gesundheit. In letzterem sollen unter anderem ein PORT-Gesundheitszentrum und Fachärzte einziehen sowie Pflegeplätze entstehen.
PORT-Zentrum

Calw denkt in der Gesundheitsversorgung groß: Der Landkreis wird bis 2020 am Rand der Stadt nicht nur ein neues Krankenhaus errichten, sondern gleich einen ganzen Gesundheitscampus. Dort soll auch ein PORT-Gesundheitszentrum mit Hausärzten und weiteren Anbietern von Gesundheitsleistungen entstehen. Mit der räumlichen Nähe und einem zentralen Eingang möchten die Initiatoren gut abgestimmte, sektorenübergreifende Versorgungspfade zwischen ambulanter Behandlung und Prävention, Klinik und Pflege ermöglichen.

Calw plant bis zur Eröffnung des Campus mindestens ein PORT-Zentrum aufzubauen, so dass es gleich voll funktionsfähiger Baustein der Leistungskette sein kann. Dafür sucht der Landkreis gerade Hausärzte, die ihre vorhandene Praxis in ein Gesundheitszentrum weiterentwickeln möchten. Dort sollen Arbeitsgruppen aus allen Mitarbeitern optimale Versorgungspfade aufzeigen und umsetzen. Als ersten Schritt wird dann ein Case Manager angestellt, der die Patienten befragt, in Zusammenarbeit mit den Ärzten und dem therapeutischen Team deren Bedarfe feststellt, die Patienten entsprechend weiterleitet und mit Informationen versorgt. Entscheidend soll zudem die Zusammenarbeit zwischen dem Case Manager, dem örtlichen Krankenhaus und der Sozialarbeit sein. Hier erhofft man sich, dass zum Beispiel bei geplanten Krankenhausaufenthalten im Vorfeld viel geklärt werden kann, um einen optimalen Ablauf für den Patienten nach der Entlassung zu erreichen.

Zugleich sollen in dem Gesundheitszentrum interprofessionelle Fallbesprechungen stattfinden, an denen auch die weiteren behandelnden Fachkräfte teilnehmen – wie Physiotherapeuten, Ernährungsberater, Heilpraktiker, Sozialarbeiter oder Kursleiter.

Bis PORT auf den Gesundheitscampus zieht, hofft der Landkreis erste Erfahrungen mit einer digitalen Patientenakte gesammelt zu haben, auf der zumindest die Kerninformationen gespeichert werden können. Dafür müssen die Versicherten natürlich bereit sein, bei PORT mitzumachen. Die Initiatoren in Calw sind da optimistisch eingestellt, da sie vom Gewinn der neuen PORT-Gesundheitsversorgung – gerade auch für chronisch Kranke – überzeugt sind. Erklärtes Ziel ist die Verbesserung der Gesundheit, ein effektiverer Nutzen der Ressourcen und nicht zuletzt auch die Arbeitszufriedenheit aller Professionen.

Darum machen wir mit:

Fotos: Reiner Pfisterer 
Albrecht Reusch, Dezernent und Kämmerer des Landkreises Calw
Er möchte etwas für das Gemeinwohl leisten, lautet ein Ziel von Albrecht Reusch, dem Kämmerer für die Finanzen des Kreises Calw. Dazu gehört für ihn auch eine gute Gesundheitsversorgung, die das Leben in Calw attraktiv macht. „Ich bin davon überzeugt, dass PORT-Gesundheitszentren die Zukunft sein werden, insbesondere im ländlichen Raum“, sagt Reusch. Mit Blick auf das Gemeinwohl möchte er, dass am Ende bei PORT eine ganzheitliche Betrachtung und Betreuung steht. „Der Mensch ist eben nicht wie ein Motor, an dem mal eine Schraube locker ist. Da kommt viel mehr zusammen, was das Wohlbefinden ausmacht.“