PORT Patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung

Willingen-Diemelsee

Die Region um Willingen und Diemelsee im Norden Hessens hat in Sachen Gesundheit bereits einiges zu bieten: Es gibt Ärzte, Pflege- und Therapieeinrichtungen und heilklimatische Bedingungen. Mit ihrem PORT-Zentrum möchten die beiden Gemeinden nun alles sinn- und effektvoll miteinander verbinden und dabei den Menschen in den Mittelpunkt stellen.
 
PORT-Standort

Betrachtet man die große Deutschlandkarte liegen Willingen und Diemelsee eigentlich relativ mittendrin. Schaut man aber näher auf die geographischen Gegebenheiten, befinden sich die beiden Gemeinden mit ihren etwa 5000 und 4500 Einwohnern ziemlich abgelegen im nordwestlichen Zipfel Hessens zwischen den Ausläufern des Rothaargebirges. Mit ihrem Umland bilden sie das Upland, wie der nordöstliche Teil des Sauerlands auch genannt wird.

Alle zwei Stunden fährt der Zug vom kleinen Bahnhof in Willingen über das mehr als 100 Jahre alte Viadukt, das Wahrzeichen der Gemeinde, in Richtung Marburg – oder nach Norden in Richtung Brilon. Mit dem Auto geht es über Berge und durch Wälder hinunter in die Täler der kleinen Orte mit ihren Schieferhäusern. Obwohl die Anreise selten kurz und einfach ist, kommen jährlich etwa eine Millionen Übernachtungsgäste in die Region. In Willingen sagt man gerne scherzhaft, es gäbe hier mehr Hotels und Pensionen als Einwohner. Das stimmt nicht. Aber auf jeden Willinger kommen etwa zwei Gästebetten. Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig. Was macht die Gegend so attraktiv?

Willingen und Diemelsee sind sportlich: Im Winter verausgaben sich hier Skifahrer, Langläufer und Skispringer, denen beim jährlichen Skisprung Weltcup auf der Mühlenkopfschanze tausende Fans zujubeln. Liegt kein Schnee, wandern und radeln die Menschen über Berge, um Seen und Talsperren und durch die Wälder. Dazu ist die Region im Landkreis Waldeck-Frankenberg sehr erholsam: Willingen ist „Heilklimatischer Kurort“ und Kneippheilbad mit klassischen Kuranwendungen und vielen Wellnessangeboten.

Insgesamt ist die Region in Sachen Gesundheitsversorgung gut aufgestellt. Bislang gibt es in Willingen und Diemelsee ausreichend Ärzte, eine hohe Dichte an Pflegeeinrichtungen, Therapie- und Kurangeboten. Aber die Einrichtungen sind oftmals ausgelastet, sogar überlastet. Mit Hinblick auf eine immer älter werdende Bevölkerung, die gesundheitlich versorgt werden muss, möchten beide Gemeinden ihre Zukunft sichern. Mit der Internetplattform www.landarzt-werden.de hat man bereits erste Versuche unternommen, Nachwuchsärzte in die Region zu locken. Aber für eine langfristige Sicherstellung der Gesundheitsversorgung ist man auf eine Vielzahl von Fachkräften aus Gesundheits- und Sozialberufen angewiesen. Mit PORT möchten Willingen und Diemelsee diese Kompetenzen bündeln und vernetzen. Damit es in Zukunft auch heißt: Willingen und Diemelsee sind gesund.
PORT-Zentrum

Von der hausärztlichen Gemeinschaftspraxis im Zentrum von Willingen sind es nur wenige Meter zum Pflegehotel, einer Einrichtung für Kurzzeit-, Rehabilitations- und Tagespflege, die gerade umgebaut und erweitert wird. Praxis und Pflegehotel bilden den bereits bestehenden Kern des PORT-Projekts in Willingen-Diemelsee. Dazu entsteht derzeit gleich neben dem Pflegehotel ein Schulungs- und Beratungszentrum, in dem Interessierte über Prävention und Gesundheitsvorsorge informiert und zu sämtlichen Fragen rund um das Thema Gesundheit beraten werden sollen. Auf den Pfaden zwischen Praxis, Krankenhaus, Pflegeeinrichtung, Therapie, Prävention und sozialer Unterstützung sollen Patienten in Zukunft durch einen Case Manager begleitet werden.

Zusammen sollen alle Beteiligten aus dem Gesundheitsumfeld passgenaue Angebote schaffen, nicht nur für akut und chronisch Kranke, sondern für die gesamte Bevölkerung. Dafür setzt man auf einen regen Austausch zwischen den Fachleuten aus dem Gesundheitswesen, den Bürgern, Patienten, Familienangehörigen und Ehrenamtlichen – durch regelmäßige Fallbesprechungen und offene Diskussionen. Aber auch durch die Einführung einer digitalen Patientenakte oder einer App, die gerade erprobt wird. Zunächst soll die App Patienten mit einem Smartphone ihre Medikamentenliste übermitteln, mit der individuellen Angabe, wann und wie welche Medizin einzunehmen und wann ein neues Rezept nötig ist.

Insgesamt möchte man in Willingen-Diemelsee mit PORT den Umgang mit der Gesundheit verbessern und Strukturen schaffen, die allen ihre Arbeit erleichtern. Ziel ist es, die Ganzheitlichkeit der Gesundheitssituation noch stärker in den Blick zu nehmen, um den Patienten von allen Seiten individuell und umfassend zu betreuen und zu versorgen.

Darum machen wir mit:

Fotos: Tobias Bohm 
Dirk Bender, Allgemeinmediziner, Kur- und Badearzt
Der Willinger Hausarzt mag an seiner Arbeit die Nähe zu den Patienten, die er oft durch viele Lebensabschnitte begleitet. Für die Zukunft als PORT-Projekt erhofft er sich, eine noch stärkere Entlastung, um mehr Zeit für die Menschen zu haben – die aus seiner Sicht aber auch stärker integriert werden sollen, zum Beispiel mit Hilfe von Apps, Vorträgen oder Workshops. „Wir Ärzte sind endlich. Um unsere Patienten gut zu versorgen, müssen wir andere Gruppen einbinden, die patientenzentriert im Gesundheitswesen arbeiten und auf die Mithilfe der Menschen setzen.“