Pressemeldungen 2017
Pressemitteilung

Herausforderung Demenz im Klinikalltag - Krankenhäuser entwickeln mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung neue Konzepte

  • Fünf weitere Kliniken aus Arnsberg, Berlin, Bremervörde, Göppingen und Magdeburg in Förderprogramm aufgenommen
  • 40 Prozent der älteren Patienten in Allgemeinkrankenhäusern weisen kognitive Störungen auf, fast jeder Fünfte leidet an Demenz

Stuttgart, 27. Juni 2017 - Die Robert Bosch Stiftung hat fünf weitere Kliniken in ihr Förderprogramm "Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus" aufgenommen. In den kommenden drei Jahren werden die ausgewählten Krankenhäuser in Arnsberg, Berlin, Bremervörde, Göppingen und Magdeburg neue Konzepte für Patienten mit der Nebendiagnose Demenz in der Praxis umsetzen. Die Stiftung unterstützt sie dabei mit insgesamt über 450.000 Euro.

"Mehr als 8 Millionen ältere Menschen werden in Deutschland jährlich stationär behandelt. Sie kommen mit Knochenbrüchen, Lungenentzündungen oder Harnwegsinfektionen ins Krankenhaus, benötigen aber häufig viel mehr als die übliche Behandlung", erklärt Dr. Bernadette Klapper, Leiterin des Bereichs Gesundheit der Robert Bosch Stiftung. Laut der im vergangenen Jahr von der Stiftung geförderten GHoSt-Studie (Link zur PM) weisen insgesamt 40 Prozent aller über 65-jährigen Patienten in Allgemeinkrankenhäusern kognitive Störungen auf, fast jeder Fünfte leidet an Demenz.

Bei der Aufnahme ins Krankenhaus werde die Nebendiagnose Demenz oft gar nicht erkannt, so Klapper. Dabei belaste die Krankenhaussituation die Betroffenen zusätzlich, da sie die fremde Umgebung und die unbekannten Abläufe nicht einordnen können. Auch die Klinikbelegschaft stelle dies vor besondere Herausforderungen: "Insgesamt nimmt die Versorgung von Patienten mit Demenz deutlich mehr Zeit in Anspruch und ist mit zahlreichen Anforderungen an Pflege und Therapie verbunden", so Klapper.

Deshalb hat die Robert Bosch Stiftung 2012 das Programm "Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus" ins Leben gerufen. Rund 500 Krankenhäuser haben sich in den drei bisher erfolgten Ausschreibungsrunden um eine Förderung beworben. Mit den fünf neu hinzugekommenen Krankenhäusern wurden seit dem Start insgesamt 17 Projekte in das Programm aufgenommen. Die jetzt startende dritte Programmrunde wird aus Mitteln der unselbstständigen Otto und Edith Mühlschlegel Stiftung finanziert, die von der Robert Bosch Stiftung verwaltet wird.

Ergänzend fördert die Bosch Stiftung bis 2018 insgesamt drei Studienreisen, die auch für weitere professionelle Akteure aus dem Gesundheitswesen offen stehen. Sie ermöglichen den Blick in die Gesundheitssysteme anderer Länder, die das Thema Demenz bereits auf die nationale Agenda gesetzt haben oder beispielhaft in der Versorgung von Menschen mit Demenz sind. Die erste Studienreise nach Großbritannien fand 2016 statt, die zweite führte die Teilnehmer in diesem Jahr nach Norwegen. Die nächste Studienreise wird voraussichtlich im April 2018 stattfinden.

Die Projekte der dritten Programmrunde im Überblick:

  • Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R., WOHIN? Entscheidungspfad zur Entlassungsplanung bei Patienten mit der Nebendiagnose Demenz im Akutkrankenhaus: zurück in die eigene Wohnung oder Umzug in eine Pflegeeinrichtung?
  • Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Verbesserung der Identifizierung und Betreuung von Patienten mit Demenz und Delir in der Notaufnahme
  • Klinikum Arnsberg, Sektorenübergreifende Delirprävention im Einzugsgebiet
  • Geriatrischer Schwerpunkt Göppingen (Alb-Fils-Kliniken, Klinikum Christophsbad), Interdisziplinäres und multiprofessionelles Medikations-/Polypharmazie-Management bei Menschen mit Demenz
  • Ostemed Kliniken und Pflege GmbH, Bremervörde, Screening und Therapie von Malnutrition bei Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus

Kontakt

Michael Herm
Telefon 0711 46084-290