Grenzgänger

Andrea Rehmsmeier:

Andrea Rehmsmeier ist Journalistin für Hörfunk und Print, u.a. mit Schwerpunkt Osteuropa. Studium der Slawistik (M.A.) in Bielefeld, Aufbaustudiengang Fachjournalismus am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung (Dipl.-Journ.) in Hannover. Seit 2003 freiberuflich tätig im Redaktionsbüro „Medien am Markt“ in Hannover. Publiziert u.a. in den Zeitungen und Zeitschriften Spiegel, Frankfurter Allgemeine, Zeit sowie im öffentlich-rechtlichen Hörfunk (Deutschlandfunk, DeutschlandRadio Kultur, NDR, WDR etc.).
Unter dem Brennglas: Die Ureinwohner der russischen Arktis im Kampf gegen Klimawandel und Industrialisierung

Die Arktis gilt als El Dorado der Rohstoffkonzerne und als Fieberthermometer der Erde. Ihre tauenden Permafrostböden sind Schatzkammer und Büchse der Pandora zugleich. Sie bergen Quecksilber, Krankheitserreger, beängstigende Mengen an Treibhausgasen – und riesige Lagerstätten an Erdöl und Erdgas. Die Arktis wandelt sich in atemberaubendem Tempo, die Folgen bekommt niemand unmittelbarer zu spüren als die Rentiernomaden, die hier seit Menschengedenken hinter ihren Herden herziehen. Momentaufnahmen einer untergehenden Welt.

"Unter dem Brennglas: Ureinwohner der russischen Arktis. Im Kampf gegen Klimawandel und Konzerne“
Deutschlandfunk
Erstausstrahlung: „Das Feature“, 08.11.2016
Länge: 45:00

„Permafrost – Auf dünnem Eis“
Deutschlandfunk
Erstausstrahlung: „Wissenschaft im Brennpunkt“, 07.08.2016
Länge: 28:00

„Schwarzes Eis – Ein Lebensraum in Sibirien schwindet“
Deutschlandradio Kultur
Erstausstrahlung: „WeltZeit“, 19.07.2016
Länge: 18:00

Bildergalerie

Gemeinschaftsprojekt mit dem Fotografen Jan Lieske
Was war rückblickend wichtig an der Recherche für die Entstehung des Features?

Russische Föderation, 20.03. bis 06.05.2016

Den Zusammenprall der archaischen Welt der Ureinwohner mit der staatlich forcierten Industrialisierung zu dokumentieren, war das Ziel unserer Recherchereise. Zwischen dem 20.3. und 6.5.2016 haben wir die Halbinsel Jamal und weitere arktische und subarktische Regionen Westsibiriens bereist. Überraschend und besonders erfreulich war eine offizielle Einladung des russischen Erdgas-Konzerns Novatek auf die strategisch wichtige arktische Großbaustelle „Port Sabetta“, die bislang nur wenige ausländische Journalisten erhalten hatten.

Während der Reise erwiesen sich die Folgen des Klimawandels, über die wir berichten wollten, auch für uns selbst als durchgehendes Problem: Das Tauwetter, das gut drei Wochen früher als erwartet eingesetzt hatte, machte die An- und Abreise zu abgelegenen Orten über die kaum noch befahrbaren Winterstraßen immer wieder zum Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Unser wichtigstes Reiseziel, die arktische Halbinsel Jamal, konnten wir bereisen. Einen weiteren Schauplatz in einem Naturschutzgebiet aber mussten wir schweren Herzens aufgeben: Flüsse mit Treibeis sind im Frühjahr ein unüberwindbares Hindernis.

Insgesamt war die Reise für uns ein einmaliges Erlebnis: Die vergleichsweise großzügige Recherchezeit und das finanzielle Budget ermöglichten uns eine Recherche jenseits eines straff durchgeplanten Terminkalenders. Wir konnten Wege gehen, die sich kurzfristig vor Ort aufgetan hatten und in besonderem Maße persönliche Kontakte suchen und pflegen. Ohne diese Rahmenbedingungen wäre eine Recherche in einer solch abgelegenen Weltgegend nicht realisierbar gewesen.