Grenzgänger

Philip Scheffner:

Philip Scheffner, geb. 1966 in Homburg/Saar, lebt und arbeitet als Künstler und Filmemacher in Berlin. Zusammen mit Merle Kröger, Alex Gerbaulet und Caroline Kirberg betreibt er die Produktionsplattform pong.

Im Forum der Berlinale mit „Havarie“ (2016), „And-Ek Ghes…“ (2016), „Revision“ (2012), „Der Tag des Spatzen“ (2010) und „The Halfmoon Files“ (2007).

Filme (Auswahl)

  • 2016: Havarie
  • 2016: And-Ek Ghes…
  • 2012: Revision
  • 2010: Der Tag des Spatzen
  • 2007: The Halfmoon Files
  • 2003: A/C.
  • Zwischen 1990 - 2000 zahlreiche Kurz- und Langfilme mit der Berliner Autorengruppe dogfilm

Preise und Nominierungen

  • Nominierung Grimme Preis 2016 für „And-Ek Ghes…“
  • Nominierung Preis der deutschen Filmkritik 2016 „Bester Dokumentarfilm“ für „And-Ek Ghes…“
  • Nominierung Preis der deutschen Filmkritik 2016 „Beste Kamera“ für „And-Ek Ghes…“
  • Nominierung Preis der deutschen Filmkritik 2016 „Bester Experimentalfilm“ für „Havarie“
  • Nominierung Preis der deutschen Filmkritik 2013 für „Revision“
  • Vorauswahl zum Deutschen Filmpreis 2013 für „Revision“
  • ARTE-Dokumentarfilmpreis 2016 für „Havarie“, Duisburger Filmwoche
  • „Best International Feature Film“ für „Havarie“, L‘Alternativa – Festival de Cinema Independente Barcelona
  • „Best Editing in an International Feature“ für „Havarie“, Rencentre International du Documentaire Montreal (RIDM)
  • „Special Mention – Prix Georges de Beauregard International“ für „Havarie“, FID Marseille
  • Bild-Kunst Schnittpreis 2013 für „Revision“
  • 'Award of Excellence' 2013 für „Revision“, Yamagata Film Festival, Japan
  • Fritz-Gerlich-Filmpreis 2012 für „Revision“, Film Fest München
  • Hauptpreis Dokumentarfilm 2012 für „Revision“, GoEast Film Festival
  • Preis der Stadt Ludwigsburg, Deutscher Dokumentarfilmpreis 2011 für „Der Tag des Spatzen“
  • Klaus Wildenhahn-Preis 2010 für „Der Tag des Spatzen“, 7. Dokumentarfilmwoche Hamburg
  • Dokumentarfilmpreis des Goethe Instituts 2007 für „The Halfmoon Files“, 31. Duisburger Filmwoche 2007
  • Förderpreis der Stadt Duisburg 2007 für „The Halfmoon Files“, 31. Duisburger Filmwoche 2007
  • Bester Dokumentarfilm 2007 für „The Halfmoon Files“, International Independent Filmfestival of Mar del Plata (Argentinien)
  • „Prix des Mediathèques“ 2007 für „The Halfmoon Files“, FID Marseille
  • „Award for best documentation and research work“ 2008 für „The Halfmoon Files“, Memorimage Film Festival Reus
  • „Audience Award“ 1995 für das Video „Juristische Körper“, Freiburger Videoforum 1995
  • Internationaler Videokunstpreis ZKM Karlsruhe 1995
  • 1.Preis Bester Kurzfilm 1995 für „Soap“, Stuttgarter Filmwinter
Havarie

Am 14.09.2012 um 14:56 Uhr meldet das Kreuzfahrtschiff „Adventure of the Seas“ der spanischen Seenotrettung die Sichtung eines havarierten Schlauchbootes mit 13 Personen an Bord. Aus einem Youtube-Clip und biografischen Szenen entsteht eine Choreografie, in der sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Reisenden auf dem Mittelmeer spiegeln.

Die Koordinaten 37°28.6'N und 0°3.8'E markieren einen Punkt im Mittelmeer – 38 Seemeilen vor der Hafenstadt Cartagena in Spanien oder 100 Seemeilen von der algerischen Hafenstadt Oran entfernt – je nach Perspektive der Erzählung. Von diesem Punkt im Meer aus betrachtet, besteht die ganze Welt aus Wasser, Himmel und einem grenzenlosen Horizont. Ein „Meer der Möglichkeiten“, aufgeladen mit Hoffnungen, Ängsten und Träumen von Reisenden.

In Sichtweite.

90 Minuten.

Winken.

Warten.

Der Funkverkehr zwischen dem Kreuzfahrtschiff, der Zentrale im Hafen von Cartagena, dem Seenotrettungskreuzer „Salvamar Mimosa" und dem Helikopter „Helimer 211“ strukturiert den akustischen Raum des Films. Auf der Bildebene zieht sich der filmische Raum zu einer einzigen, ungeschnittenen Sequenz zusammen, die sich über die gesamte Laufzeit des Films wölbt. Es ist ein kurzer Youtube-Clip, der uns heute wie die Essenz, die Verdichtung der Situation auf dem Mittelmeer erscheint. In Einzelbildern wird das Schlauchboot mit 13 Gestalten an Bord zur Ikone der täglichen Nachrichtenbilder, wir sind gezwungen hinzusehen.

Aus Aufnahmen mit Touristen und Offizieren auf dem Cruise Liner, mit der Besatzung eines Containerschiffes, mit den „Harraga“, „bruleurs“ oder „die ihre Pässe verbrennen" und ihren Familien werden die biografischen Fluchtlinien des dokumentarischen Materials in eine filmische Imagination hinein verlängert.

Es entsteht eine Choreografie, in der sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Reisenden spiegeln: Wird ein anderer, ein neuer Möglichkeitsraum sichtbar, wenn sie sich erneut – im filmischen Raum – begegnen?

Weitere Informationen

Bildergalerie

Algerien, Spanien, Frankreich, Nord-Irland
Zeitraum der Recherche: 2014/2015

Die beiden Recherchereisen nach Algerien, ermöglicht durch das Grenzgänger-Programm der Robert Bosch Stiftung, haben erheblich zum Erfolg des Projektes „Havarie“ beigetragen. Die erste Recherchereise stand für den Stipendiaten und die übersetzende Begleiterin unter dem Eindruck der ungeheuren Gastfreundschaft und Aufgeschlossenheit, die ihnen in Algerien von allen Projektmitarbeitern und ihren Familien entgegengebracht wurde. Dieser Eindruck setzte sich während der zweiten Reise fort, jedoch stand diese stark unter dem äußeren Einfluss der sich täglich verschärfenden Sicherheitslage. Insofern wurde von allen beteiligten eine starke Diskrepanz zwischen der projektinternen Stimmung (Gastfreundschaft, Professionalität, Verbindlichkeit, Offenheit) und den externen Umständen („aufgeheizte“ Stimmung, reale oder durch die algerischen Sicherheitsbehörden vermutete Bedrohungslage, bürokratische Hindernisse) empfunden.