Wissenschafts-Journalismus heute

Oda Lambrecht

Die Erwartungen an die Landwirte sind hoch. Milch und Fleisch sollen günstig sein und immer verfügbar. Die Verbraucher wünschen sich qualitativ hochwertige und zugleich nachhaltig produzierte Lebenmittel. Dabei soll es den Tieren in den Ställen gut gehen und die Umwelt geschont werden. Ist das zu schaffen?

Die Idee des Projekts ist, dass die Nutzer ihre Perspektive wechseln und selbst versuchen müssen, als Landwirte Geld zu verdienen. Dabei können sie als Spieler selbst entscheiden, wie sie ihre Tiere halten möchten. Wollen sie ihren Schweinen viel Platz bieten oder mehr in einem Stallabteil halten, als gesetzlich erlaubt ist. Wollen sie ihre Milchkühe bestmöglich ärztlich versorgen oder lieber das Geld sparen? Die Entscheidungen haben immer unmittelbar Auswirkungen auf den Spiele-Kontostand, denn eine tiergerechte Haltung kostet Geld.

Die Herausforderung des Spiels war, dass es Spaß machen und gleichzeitig sorgfältig recherchiertes Wissen über die moderne Tierhaltung vermitteln soll. Inhalte sollen die Realität abbilden, müssen für die Spielform aber zwangsläufig vereinfacht werden und technisch umsetzbar sein.

Zum Projekt

SchlauerBauer_200.PNG
Oda Lambrecht arbeitet als freie Journalistin für den Norddeutschen Rundfunk - vor allem als Autorin für die Fernsehsendung "Panorama - die Reporter", aber auch für das Ressort Investigation, das ARD-Magazin Panorama sowie für die Onlineangebote tagesschau.de und NDR.de. Zuvor gehörte sie zum Autorenteam des ARD-Magazins Report Mainz. Von 2006 bis 2011 war sie Redakteurin bei ARD-aktuell für die Tagesschau - nach einem Volontariat beim Südwestrundfunk und einem Studium der Politikwissenschaft in Hamburg und Leipzig.

Oda Lambrecht arbeitet vor allem zu Landwirtschaftsthemen. Sie beschäftigt sich unter anderem mit der Haltung von Nutztieren, mit den Folgen des Antibiotikaeinsatzes, mit Tierschutz- und Umweltfragen. Sie geht der Frage nach, ob Agrarsubventionen sinnvoll verteilt sind und stellt immer wieder fest, dass die Gesellschaft viel von Landwirten verlangt, ohne allzu viel für Lebensmittel zahlen zu wollen.

2015 war sie Teilnehmerin des Journalistenkollegs Landwirtschaft von Robert Bosch Stiftung und Nationaler Akademie der Wissenschaften. Außerdem interessiert sie sich für Glaubensfragen und die Bewegung evangelikaler Christen. Mit der Reportage "Die Schwulenheiler" berichtete sie zusammen mit Christian Deker über strenggläubige Ärzte, die Homosexualität für therapierbar halten. Gemeinsam mit Christian Baars schrieb sie das Buch "Mission Gottesreich - fundamentalistische Christen in Deutschland".

Zum Projekt

SchlauerBauer_200.PNG
  • Wie ist die Idee des Projekts entstanden?

In der Redaktion von "Panorama - die Reporter" hatten wir schon mehrfach darüber nachgedacht, parallel zu einer Fernsehreportage ein Onlinespiel zu entwickeln. Die Ausschreibung der Masterclass für neue Erzählformen hat dann den letzten Anstoß gegeben, die Idee in die Realität umzusetzen. Mit meinen Recherchen möchte ich zeigen, wie unsere Lebensmittel entstehen. Das Spieleprojekt bietet die Chance, einmal anders als bisher das Interesse für Landwirtschaft zu wecken und neue Zielgruppen für das Thema zu erreichen.

  • Welche unerwarteten Hürden gab es?

Die echte Welt ist komplex, während ein Spiel vereinfachen muss. Die Probleme und Zwänge der Tierhaltung mit einem unterhaltsamen Angebot zu vermitteln, war deshalb eine Herausforderung.

  • Was können Sie heute besser als vor dem Projekt?

So ein kleines Projekt macht natürlich niemanden zum Spieleentwickler, aber wir haben in der Redaktion viel darüber gelernt, wie man Inhalte auch spielerisch erzählen kann. Man muss anders denken, um das Thema zu vermitteln.

  • Was hat am meisten Freude bereitet?

Ganz klar der spannende Austausch zwischen allen Beteiligten: Die ganze Entwicklung war ein ständiger Diskussions- und Lernprozess mit Redaktion, Spieledesigner, Grafikerin, den technisch verantwortlichen Mitarbeitern bei NDR.de, aber auch mit Experten, die sich mit Tierhaltung auskennen.

  • Was würden Sie einem Kollegen raten, der sich ein größeres (multimediales) Projekt vorgenommen hat?

Spaß an Teamarbeit und sehr viel Kommunikation. Hilfreich ist sicher, wenn man so früh wie möglich die finanziellen und technischen Rahmenbedingungen klärt, damit man später in der Produktionsphase den Kopf möglichst frei hat für inhaltliche und kreative Fragen.

  • Was haben Sie über die Zukunft des Wissenschaftsjournalismus gelernt?

Ich habe vor allem gelernt, dass es Spaß macht, Neues auszuprobieren und hoffe, dass die NDR-Nutzer das teilen.

Zum Projekt

SchlauerBauer_200.PNG