Wissenschafts-Journalismus heute

Ralf Krauter: Technik gegen Terror - Wie uns Forscher vor Anschlägen schützen wollen

Nach Terroranschlägen wird schnell der Ruf nach mehr Befugnissen für die Sicherheitsbehörden laut - und nach besserer Ausrüstung: Das Bundeskriminalamt möchte flüchtige Attentäter mit intelligenter Videoüberwachung aufspüren. Die Bundespolizei hätte gern zuverlässige Körperscanner für die Passagierkontrollen an Flughäfen. Zollfahnder benötigen effiziente Scanner, um Frachtcontainer mit gefährlichem Inhalt zu erkennen. Katastrophenschützer brauchen portable Analysegeräte, um Briefe mit einem weißen Pulver darin auf Anthrax-Spuren zu untersuchen.

In der Initiative "Forschung für die zivile Sicherheit", die die Bundesregierung seit 2007 mit über 500 Millionen Euro gefördert hat, entwickeln Naturwissenschaftler, Ingenieure, Informatiker, Soziologen und Ethiker gemeinsam Technologien, die diese Wünsche adressieren. Welche Terrorszenarien stehen im Fokus? Welche Ansätze sind zielführend? In einer 10-teiligen Sendereihe in "Forschung Aktuell", dem täglichen Wissenschaftsmagazin im Deutschlandfunk, geht Ralf Krauter diesen Fragen auf den Grund.

Ergänzend dazu liefert die Webseite "technik-gegen-terror" weitere Zahlen und Hintergründe. Welche Forschungsvorhaben wurden gefördert? Wer war beteiligt? Welche Summen sind geflossen? Eine interaktive Infografik veranschaulicht die Eckdaten von über 100 Teilprojekten und macht die Protagonisten und Profiteure des Booms der Sicherheitsforschung transparent.
Ralf Krauter ist Wissenschaftsjournalist mit Schwerpunkt Hörfunk. Seine Beiträge, Features und Reportagen laufen im Deutschlandfunk, WDR, SWR und ORF. Nach 8 Jahren als freier "Science Reporter" wurde er 2013 Redakteur und Moderator bei "Forschung Aktuell", der täglichen Wissenschaftssendung im Deutschlandfunk. Nach Physikdiplom mit Auszeichnung absolvierte Ralf Krauter, Jahrgang 1972, ein wissenschaftsjournalistisches Volontariat beim Deutschlandfunk. 2004 machte er sich als freier Journalist und Moderator selbstständig. Zu seinen Auftraggebern zählten lange auch überregionale Printmedien wie Die ZEIT, Technology Review und die Financial Times Deutschland.

Sein inhaltlicher Fokus liegt auf den Gebieten Physik, Technik, Sicherheitsforschung. Für Qualität und Originalität seiner journalistischen Arbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet: 2005 mit dem Georg-von-Holtzbrinck-Preis für Wissenschaftsjournalismus, 2006 mit dem Ludwig-Bölkow-Journalistenpreis, 2010 mit dem Journalistenpreis für Informatik des Saarlandes, 2011 mit dem Conrad-Matschoß-Preis für Technikgeschichte des VDI.

2005 wählte das Medium-Magazin Ralf Krauter unter die Top 10 der deutschen Wissenschaftsjournalisten. Begründung: "Ralf Krauter setzt im Hörfunkbereich Maßstäbe für Wissenschaftsjournalismus. Bei ihm hört jeder hin."
  • Wie ist die Idee des Projekts entstanden?

Die BMBF-Sicherheitsforschungsinitiative verfolge ich seit ihrem Beginn im Jahr 2007. Seitdem habe ich regelmäßig über die Ziele und Ergebnisse verschiedener Projekte berichtet, die in diesem Rahmen gefördert wurden. Die Frage, ob Technik wirklich helfen kann, die Bevölkerung vor den Gefahren und Folgen von Terroranschlägen zu schützen, hat mich dabei ebenso beschäftigt wie die gesellschaftlichen Implikationen neuer Sicherheitstechnologien. Welche ihrer Versprechen konnten Wissenschaftler und Ingenieure wirklich einlösen? Und wie verändern die Ergebnisse ihrer Arbeit unseren Alltag? Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der BMBF-Sicherheitsforschungsinitiative wollte ich diesen Fragen auf den Grund gehen: In einer 10-teiligen Reportagereihe, flankiert von einer multimedialen Webseite mit interaktiver Infografik, die Zahlen, Fakten und Hintergründe der "Forschung für die zivile Sicherheit" veranschaulicht.

  • Was war die größte Überraschung während der Realisierung?

Der Zeitaufwand für die Realisierung des Projektes wurde um ca. 50% unterschätzt. Statt der ursprünglich veranschlagten 4 Wochen Vollzeit-Arbeit verschlang das Projekt 2 Monate.

  • Welche unerwarteten Hürden gab es?

Aufgrund technischer Rahmenbedingungen entpuppte es sich als schwierig, die interaktive Webseite, die externe Grafikdesigner und Programmierer gestaltet haben, direkt ins Online-Angebot des Deutschlandfunks (DLF) zu integrieren. Deshalb wurde beim DLF eine Portalseite eingerichtet, die auf die externe Seite verlinkt. Zusätzlich gab es bei der Administration der Stiftungsförderung auch noch rechtlichen Klärungsbedarf.

  • Was können Sie heute besser als vor dem Projekt?

Im Zuge des Masterclass-Projektes, habe ich gelernt, mein persönliches Zeitmanagement zu optimieren, Aufgaben effizient zu delegieren und mir die finanzielle Rückendeckung des DLF-Programmdirektors zu sichern. Ohne eine vierwöchige Freistellung von meinen täglichen Redakteurspflichten, finanziert mit Mitteln der Programmdirektion, hätte ich das Projekt unmöglich realisieren können.

  • Was hat am meisten Freude bereitet?

Irgendwann, in der heißen Abschlussphase Mitte Februar 2017 kam bei einer Besprechung mit den externen Projektpartnern vom Kieler Scicom-Lab das Gefühl auf: Die legen sich jetzt richtig ins Zeug, das könnte richtig gut werden, das Gesamtpaket. Das war ein beglückender Moment, zu spüren, wie die einzelnen Puzzlestücke, an denen ich teils seit einem halben Jahr gearbeitet hatte, sich allmählich zu einem Bild zusammen fügen.

  • Was würden Sie einem Kollegen raten, der sich ein hat?

Gehe unbedingt davon aus, dass Dich das Projekt zwei bis dreimal so viel Zeit auf Trab halten wird, wie Du anfangs vermutest.

Sichere Dir bei Deinen Vorgesetzten Rückendeckung von hoher Stelle, denn Du wirst das Projekt nicht realisieren können, wenn Du nicht wenigstens eine Zeitlang von Deinen täglichen Aufgaben freigestellt wirst.

Stelle sicher, dass externe Partner, auf die Du angewiesen bist, auch tatsächlich zum vereinbarten Termin liefern können. Bei kleinen Kreativ-Büros wird es schnell mal eng, sobald der betreffende Mitarbeitet krank wird. Das kann den kompletten Zeitplan torpedieren.

  • Was haben Sie über die Zukunft des Wissenschaftsjournalismus gelernt?

Multimedia-Projekte mit datenjournalistischem Hintergrund werden künftig sicher eine wachsende Rolle auf dem Weg zum "visual radio" spielen, denn sie bieten Hörern und Online-Nutzern einen beachtlichen Mehrwert. Die Zielgruppe kann nicht nur Beiträge on-demand nachhören, sondern gleichzeitig auf eigene Faust eine visuelle Informationsebene explorieren und so tiefer ins Thema einsteigen.

Der Aufwand zur Erstellung solcher Angebote ist allerdings enorm und unmöglich mit den finanziellen und personellen Mitteln realisierbar, die den Hörfunk- und Online-Redaktionen öffentlich-rechtlicher Rundfunksender heute zur Verfügung stehen. Es kann und wird also immer nur darum gehen, einzelne Leuchtturmprojekte zu verwirklichen, um zu demonstrieren: Schaut‘ her, das können wir auch.