Pressemeldungen 2017
Pressemitteilung

Robert Bosch Stiftung fördert modellhafte Gesundheitszentren für bessere Versorgung vor Ort

  • Bundesweit fünf Initiativen aus Baden-Württemberg, Berlin, Hessen und Schleswig-Holstein für PORT-Förderprogramm ausgewählt

Stuttgart, 14. Februar 2017 - Mit dem Programm "PORT - Patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung" unterstützt die Robert Bosch Stiftung ab diesem Frühjahr bundesweit fünf Initiativen bei der Umsetzung modellhafter lokaler Gesundheitszentren. Die künftigen PORT-Zentren sollen die umfassende Grundversorgung der Bevölkerung in einer Region gewährleisten und eine bessere Versorgung von chronisch kranken Menschen aus einer Hand ermöglichen.

Versorgung chronisch kranker Menschen ist zentrale Herausforderung

Die Versorgung chronisch kranker Menschen ist eine der zentralen Herausforderungen des Gesundheitswesens. Bereits heute werden über 75 Prozent der Gesundheitsausgaben in Deutschland für die Behandlung chronisch Kranker benötigt. In den kommenden Jahren wird die Zahl der chronisch und mehrfach erkrankten Menschen weiter zunehmen. Gleichzeitig stehen weniger Gesundheitsfachkräfte zur Verfügung, vor allem in strukturschwachen Regionen.

"Unser Gesundheitssystem ist aufgrund seiner historischen Entwicklung weitgehend auf die Behandlung akuter Erkrankungen ausgerichtet", sagt Dr. Bernadette Klapper, Leiterin des Bereichs Gesundheit der Robert Bosch Stiftung. "Die Versorgung chronisch kranker Menschen findet vorwiegend in Hausarztpraxen statt, die trotz großen Engagements mit den zunehmenden Herausforderungen im Versorgungsalltag zu kämpfen haben." Auch für Patienten werde es zunehmend schwierig, das erforderliche Netzwerk an Unterstützern zu bilden und zu koordinieren, so Klapper.

Erfolgreiche Vorbilder in Kanada oder Schweden

Erfolgreiche Beispiele in Ländern wie Kanada oder Schweden zeigen, dass lokale Gesundheitszentren den komplexen Versorgungsbedarf von chronisch kranken Menschen auffangen und die Primärversorgung einer Region mit abdecken können. An diesen Vorbildern orientieren sich die PORT-Zentren.

Sie sollen multiprofessionelle Teams aus den Gesundheits- und Sozialberufen unter einem Dach zusammenbringen und dadurch neue Kooperationsformen etablieren, die Patienten eine kontinuierliche und auf sie abgestimmte Behandlung ermöglichen. Dabei sollen auch neue Chancen wie eHealth genutzt und die Eigenverantwortung der Patienten gestärkt werden.

Impulse für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung

"Die Herausforderung liegt insbesondere in der Komplexität der Versorgung", erklärt Klapper. "Viele chronisch Kranke benötigen nicht nur die Unterstützung von Ärzten, sondern auch von weiteren Gesundheitsfachkräften und anderen Sozialberufen. Statt einer Intervention in kurzen Episoden, muss das therapeutische Handeln aller Akteure auf Langfristigkeit angelegt sein. Mit den PORT-Zentren wollen wir diese Ansätze in der Praxis umsetzen und damit Impulse geben für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt."

Die Auswahl der künftigen PORT-Zentren erfolgte in einem mehrstufigen Verfahren aus rund 60 Bewerbungen. Im ersten Schritt wurden acht Initiativen über mehrere Monate bei der Konzeptentwicklung von der Robert Bosch Stiftung begleitet und finanziell unterstützt. Aus den erarbeiteten Konzepten hat eine Expertenjury fünf Vorhaben ausgewählt, deren Umsetzung die Stiftung in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt bis zu 2 Millionen fördert. Die Förderung wird begleitet durch Vernetzungstreffen, internationale Fachtagungen, Expertenberatung, Hospitationen im Ausland und einer Studienreise zu vorbildlichen Einrichtungen in Skandinavien.

Zu den fünf Initiativen gehören (nach Bundesländern)

  • Landkreis Calw, Baden-Württemberg
  • Gemeinde Hohenstein, Baden-Württemberg
  • Gesundheitskollektiv e.V., Berlin
  • Landkreis Waldeck-Frankenberg, Korbach, Hessen
  • Gemeinde Büsum, Schleswig-Holstein