Arbeiten bei der Robert Bosch Stiftung

Das Traineetagebuch

Franziska Bauer und Anja Wolff

sind seit Herbst 2016 Trainees der Robert Bosch Stiftung. Sie beschreiben im monatlichen Wechsel ihre Erfahrungen und erzählen von ihrer Arbeit.

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Franziska Bauer

absolvierte ihren Master in Management an der Universität Mannheim. Auslandssemester führten sie an die BI Norwegian Business School in Oslo, Norwegen, und an die Pontificia Universidad Católica Argentina in Buenos Aires, Argentinien. Während des Studiums war Franziska Bauer als Werkstudentin bei einer IT-Firma im Bereich Recruiting und Personalmarketing tätig. Durch Praktika lernte sie verschiedene Kultureinrichtungen wie Museen und Theater näher kennen.
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Anja Wolff

absolvierte ihren Master in Europäischer Kultur und Wirtschaft an der Ruhr-Universität in Bochum. Während des Studiums lernte sie u.a. das Goethe Institut in Colombo, das Institut für europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit in Hürth und das Deutsche Historische Institut in London kennen.
Aktuelle Beiträge
Anja Wolff, November 2017: Externe Station im Herzen der EU
Vom Fenster aus kann ich den Abgeordneten des Europäischen Parlaments fast zuwinken. Kommission und Ministerrat sind nur wenige Schritte entfernt. Mittendrin, im Herzen der EU: die Zentralabteilung Außenangelegenheiten, Regierungs- und Politikbeziehungen von Bosch in Brüssel - und ich. Seit Anfang September gehöre ich zum nun siebenköpfigen Team, das mit großem Elan die Interessen von Bosch bei der EU vertritt und Politiker berät.

Die Auswahl der dreimonatigen externen Station, ein fester Bestandteil des Traineeprogramms, war nicht leicht: In- oder Ausland? Robert Bosch GmbH, Kooperationspartner oder eine andere Stiftung? Gespräche mit Kollegen und Vorgesetzten halfen mir und lenkten meinen Blick schließlich zu Bosch nach Brüssel. Hier, so hoffte ich, würde ich Neues mit Bekanntem verbinden können. Neues, weil ich bisher kaum Einblicke in ein großes Technologieunternehmen hatte, und Bekanntes, weil ich im Studium viel über die politischen Prozesse auf EU-Ebene gelernt hatte. Die Vorbereitungen für die Auslandsstation waren sehr zeitintensiv. Es galt, Wohnungs-, Versicherungs-, steuer- und arbeitsrechtliche Fragen zu klären, bevor ich mich voller Vorfreude auf den Weg machen konnte.

Die Arbeit hier unterscheidet sich sehr von der Stiftungsarbeit, denn sie wird stark von außen bestimmt. Als Scharnier zwischen EU-Politik und Bosch Gruppe verfolgen wir kontinuierlich sowohl politische als auch unternehmensinterne Entwicklungen und richten unsere Arbeit darauf aus. Ich selbst befasse mich vor allem mit energie- und umweltpolitischen Themen und kümmere mich gerade um die Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden. Dafür verfolge ich Abstimmungen in Ausschüssen des Parlaments, lese Positionspapiere und verfasse Schreiben an Abgeordnete.

Es gibt jedoch auch Gemeinsamkeiten mit der Stiftungsarbeit. Direkt am ersten Tag wurde mir klar gemacht: In Brüssel gewinnt man nie alleine! Kooperation und das Zusammenbringen von Menschen sind entscheidend. Dies spüre ich nun selbst. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht an einem externen Meeting, einer Konferenz, einem Arbeitskreis, einer Lunchpräsentation oder einer Abendveranstaltung teilnehme. Die Zeit verfliegt nur so - gleichzeitig habe ich bereits jetzt unglaublich viel gelernt. Und bis Ende November bleibt noch einiges zu tun.
Franziska Bauer, Oktober 2017: Zurück in der Welt der Themenbereiche
Als ich zum ersten Mal von der Robert Bosch Stiftung und ihrer Arbeit las, fiel mir das Fördergebiet "Völkerverständigung" sofort ins Auge. Ich fragte mich, was Völkerverständigung heute bedeuten kann und wie eine Stiftung das riesige sowie komplexe Feld angeht. Und, wie sie dies in Zeiten der Globalisierung, der Migration, der interkulturellen Konflikte zwischen Staaten und auch innerhalb der Länder gestalten möchte.

Nach meiner Arbeit in der Berliner Repräsentanz, der Strategischen Kommunikation und im Zentralbereich bin ich wieder zurück in der Welt der Themenbereiche und gehe meinen Fragen nun als Mitglied des großen Teams Völkerverständigung auf den Grund. Neben den USA ist derzeit Asien mein Terrain, ein Kontinent, der viel Neues, aber auch Bekanntes wie das Themenfeld Stadt für mich bringt. Unter anderem befasse ich mich mit neuen Projekten, die einen Beitrag zur Verständigung vor Ort leisten. Es geht zum Beispiel darum, die Zusammenarbeit zwischen Nichtregierungsorganisationen, Bürgern und Regierungsvertretern zu fördern, um Lösungen gegen zunehmende Radikalisierungstendenzen zu finden.

Zunächst gilt es, die Projektanträge zu bearbeiten und Fragen mit den Antragstellern zu klären. Es handelt sich um konzeptionelle und inhaltliche, aber auch administrative und finanzielle Aspekte. Dabei sind mir die Erfahrungen im Projektcontrolling, die ich bei meiner Station im Zentralbereich machen konnte, sehr hilfreich. Der Kontakt mit den Antragstellern endet keineswegs mit dem Fördervertrag, sondern bleibt über die gesamte Laufzeit des Projektes bestehen und schließt die Auswertung ein. Hier stellt sich die Frage nach der Wirksamkeit und deren Überprüfbarkeit erneut - ein Thema, das mir im Zentralbereich bereits begegnete und das ich an dieser Stelle im Juni unter dem Titel "Wirkung erzielen" beschrieb.
Anja Wolff, September 2017: Partner und Gestalter für die Mitarbeiter - die Personalabteilung
Meinem zweimonatigen Aufenthalt in der Personalabteilung sah ich mit besonderer Spannung entgegen. Denn das Thema Personalwesen war mir vor meinem Berufseinstieg allein in Form von Vorstellungsgesprächen begegnet. Und auch als Trainee in der Stiftung blieb die Personalabteilung eine Art Black Box für mich. Ich fragte mich: Was machen die eigentlich den ganzen Tag? Bewerbungen sortieren und Vorstellungsgespräche führen? Mitarbeiter verwalten und Weiterbildungen planen?

Schon nach meinen ersten Tagen bei PER, so die interne Bezeichnung, wurde mir klar, dass all das zutrifft, aber nur die Spitze eines (riesigen) Eisberges bildet. Natürlich muss das Tagesgeschäft laufen - schließlich wollen Bewerber eine zeitnahe Antwort und Mitarbeiter pünktlich ihren Lohn. Doch zusätzlich plant das Team, im Juli und August mit meiner Hilfe, viele große Projekte und setzt sie um. Diese reichen vom Management arbeitsrechtlicher Risiken über die gesamte Personalentwicklung bis hin zur Neugestaltung des Assessment-Centers, um die nächsten Trainees auszuwählen - unsere Nachfolger.

Hierbei kann ich natürlich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen viel beitragen. Dies gilt vor allem für die Tests und Aufgaben: Entsprechen sie dem, was ein Trainee im Arbeitsalltag wirklich braucht und beherrschen muss? Welche Fähigkeiten und Kenntnisse sind besonders wichtig? Aber ebenso: Wie kann ein Assessment-Tag trotz aller Anspannung die Bewerber bereichern?

Wie gern ich diese Fragen auch bearbeite, so sehr stimmt mich die Nachfolgersuche nachdenklich. Wo ist nur die Zeit geblieben? Die Hälfte meines eigenen Programms ist schon vorbei. Doch eigentlich ist kein Platz für Melancholie, denn das nächste Traineeabenteuer, meine externe Station, wartet schon: Auf nach Brüssel!
Franziska Bauer, August 2017: Kommunikation mit Strategie
"Mein Interesse am Thema Wirksamkeit von Stiftungsarbeit ist aber keineswegs erloschen. Ich bin neugierig auf mehr!" Kaum hier im Juni geschrieben, schon ist mehr passiert: Den Kopf voller Controlling-Fragen und buchhalterischer Kenntnisse wechselte ich vom Zentralbereich zu meiner nächsten Station, der "Strategischen Kommunikation". Ich war gespannt, wie strategische Kommunikation im gemeinnützigen Sektor funktioniert: Tue Gutes und lasse es alle wissen? Wie reagieren die Angesprochenen?

Gleich zu Beginn gab es für mich ein Wiedersehen mit dem Schwerpunkt "Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Deutschland und Europa", mit dessen Projekten ich bereits im Zentralbereich zu tun hatte. Nun unterstütze ich meine Kollegen dabei, das Kommunikationskonzept des Schwerpunkts weiterzuentwickeln. Folgende Punkte leiten unsere Arbeit: Welche Botschaften möchten wir welchen Zielgruppen vermitteln? Wie erreichen wir bei unseren Adressaten eine Wirkung im Sinne der Projekte? Hier war die Wirkung also wieder.

Gemeinsam mit meinem Kollegen definiere ich Kommunikationsziele und formuliere zielgruppenspezifische Botschaften. Hierfür lese ich mich tiefer in die Projekte ein und sammelte intensive Eindrücke in einem Workshop der beteiligten Projektmanager. Die Überarbeitung des Kommunikationskonzepts schreitet zügig voran. Es wird aber sicher nicht die letzte sein – so wie das Zusammenleben in Europa sich ständig verändert, wandelt sich auch die Stiftungsarbeit und deren kommunikative Vermittlung. Und mir stellen sich wieder neue Wirkungsfragen: Wie ermitteln wir, welche Wirkungen unsere Kommunikation bei den Zielgruppen erzeugt? Und sind es überhaupt die gewünschten? Die "Wirkung" ist also inzwischen ein treuer Weggefährte geworden und wird mich wohl nicht zum letzten Mal beschäftigt haben.
Anja Wolff, Juli 2017: Im Berliner Dialoghaus
Wie das Robert Bosch Haus in Stuttgart war das Gebäude der Berliner Repräsentanz einst ein Wohnhaus und steht heute unter Denkmalschutz. Doch Ruhe und einen Park mit jahrhundertealten Bäumen und Eichhörnchen wie in Stuttgart sucht man hier vergebens. Stattdessen hallt der Puls der Hauptstadt wider, im Dialoghaus und Schaufenster der Stiftung in Berlin-Mitte, gelegen zwischen Auswärtigem Amt und Gendarmenmarkt.

Nur selten scheint das Haus zu schlafen. Eine Veranstaltung jagt die nächste - pro Jahr sind es rund 350. Die Stiftungsmitarbeiter pflegen politische Kontakte und treiben Projekte der Völkerverständigung in Konfliktregionen voran. Stuttgarter Kollegen schauen vorbei und immer wieder läuft man den Richard von Weizsäcker Fellows der Robert Bosch Academy über den Weg.

Die Academy, in deren Arbeit ich während meiner einmonatigen Station in der Hauptstadt intensiv eingebunden bin, trägt mit ihren Fellows zur besonderen Atmosphäre des Hauses bei. Renommierte Entscheidungsträger und Experten aus aller Welt beschäftigen sich hier über mehrere Monate mit aktuellen Fragen unserer Zeit. Und alle wollen Deutschland besser kennenlernen - historisch, politisch und gesellschaftlich.

Dieses große Interesse nehmen das Academy Team und ich als Teammitglied auf Zeit gerne auf. Um den oft nur wenige Monate dauernden Aufenthalt der Fellows möglichst gewinnbringend zu gestalten, bedarf es intensiver Arbeit im Hintergrund. Meine Aufgaben dabei: Ich recherchiere nach deutschen Gesprächspartnern, die individuell zu jedem Fellow und seinem Fachgebiet passen. Außerdem stelle ich Programme für Exkursionen zusammen. Zwei Termine stehen schon: Im Herbst werden die Fellows auf Medientour nach Hamburg gehen und das politische Berlin erkunden. Schade, dass ich dann schon wieder weitergezogen bin. Aber in der Personalabteilung lässt sich sicher ebenfalls von spannenden Aufgaben und Inhalten berichten.
Franziska Bauer, Juni 2017: Wirkung erzielen
"Meine Absicht geht dahin, neben der Linderung von allerhand Not, vor allem auf Hebung der sittlichen, gesundheitlichen und geistigen Kräfte des Volkes hinzuwirken". Diese Aussage Robert Boschs aus dem Jahre 1935 fasst den Auftrag der Stiftung in wenige Worte. Auch 82 Jahre später ist das unscheinbare Verb "wirken" für unsere Arbeit zentral: Wie erzielen wir nachhaltige Wirkung in der Gesellschaft? Auf welchen Wegen können wir sie erreichen? Und, wie können wir die Wirkung, d.h. den Erfolg der Projekte messen?

Mit diesen Fragen beschäftigen sich auch die Kollegen des Zentralbereichs, der innerhalb der Stiftung nur "Z" genannt wird. In dieser Station - dem organisatorischen Herz der Stiftung - tauche ich nun tiefer in die Welt der Stabstellen ein. Meine Kollegen kümmern sich u.a. um das Projektcontrolling, um die internen Prozesse sowie die Buchhaltung und unterstützen dadurch die Themenbereiche bei der Projektarbeit. Auch die Schulung "Wirkungsorientierte Stiftungsarbeit und Evaluation" ist ein Angebot von Z.

Als ich hier begann, wurde die Weiterbildung neu konzeptioniert. Das Format sollte praxisorientierter werden, und ich hatte die spannende Aufgabe, dies umzusetzen. Freude bereitete mir dabei, dass ich meine eigene Stiftungserfahrung einbringen konnte: Im vergangenen Jahr habe ich selbst an dieser Weiterbildung teilgenommen und im "Stadt Land Raum"-Team des Themenbereichs Wissenschaft schon an einem Wirkungsmodell gearbeitet.

Meine Erfahrung als Anwenderin habe ich durch den Blick in die Fachliteratur und die Rücksprachen mit meinem Z-Kollegen ausbauen und in die neukonzeptionierte Weiterbildung einbringen können. Diese hat ihre erste Feuerprobe gut überstanden. Mein Interesse am Thema "Wirksamkeit von Stiftungsarbeit" ist aber keineswegs erloschen. Ich bin neugierig auf mehr!
Anja Wolff, Mai 2017: Kommunikation ist alles
Missverständnis ist die häufigste Form menschlicher Kommunikation! Gleichzeitig ist Kommunikation aber zwingend notwendig, um Missverständnisse zu vermeiden. Ein Paradoxon?

Mit dieser Frage im Hinterkopf machte ich mich Anfang April auf den Weg zur Strategischen Kommunikation - meiner nächsten Traineestation. Hier entstehen Pressemitteilungen, Publikationen, Filme, die Stiftungshomepage. Hier wird überlegt und daran gefeilt, wie die Stiftung sich nach außen präsentiert und ihre Tätigkeit vermittelt. Diese Aufgaben prägen den Arbeitsrhythmus: Langfristige Planungen können immer wieder durch äußere Ereignisse oder neue Entscheidungen beeinflusst werden. Vieles muss kurzfristig und schnell erledigt werden.

Mein Einsatz begann in der Internen Kommunikation mit der Betreuung des Intranets. Es hält die Mitarbeiter über alle relevanten Vorgänge auf dem Laufenden und sammelt die internen Regelungen, ist also eine wichtige Arbeitshilfe für den Alltag. Gleichzeitig dient es dem Austausch zwischen den Bereichen und Standorten der Stiftung. Der aktuelle Speiseplan und die Vorstellung neuer Mitarbeiter sind besonders beliebte Angebote.

Nach einer kurzen Einarbeitung in das Content Management System erstelle ich nun selbst Inhalte. Ich schreibe Texte über Projekte und Veranstaltungen, was eine enge Abstimmung mit den verantwortlichen Kollegen erfordert. Ich suche illustrierende Bilder und nehme an Telefonkonferenzen mit unserer Agentur teil. Dabei kommen auch Vorschläge der Mitarbeiter zur Sprache. Sie können im Intranet Beiträge kommentieren, ihre Meinung einbringen und Rückfragen stellen - eine gute Basis, um Missverständnisse durch Kommunikation zu vermeiden.
Franziska Bauer, April 2017: Neue Impulse im Herzen der Hauptstadt
Mittwoch – 12:15 Uhr – Französische Straße – im Herzen Berlins. Zwischen Gendarmenmarkt und Auswärtigem Amt liegt das Haus Nummer 32. Die große Eingangstür öffnet sich häufiger. Zügig betreten Mitglieder des Bundestags und der Senatsverwaltung, Stadtplaner, Architekten, Vertreter von Stiftungen und Wissenschaftler die Berliner Stiftungsrepräsentanz. Ihr Ziel: der Lunch Talk der Robert Bosch Academy.

Seit gut drei Wochen arbeite ich im Berliner Büro. Heute bin ich Teil des Veranstaltungsmanagements und des operativen Betriebs, die neben der Robert Bosch Academy und Mitarbeitern der Völkerverständigung hier verortet sind. Ausgestattet mit einem Haustelefon und einer Schlüsselkarte betreue ich das Event: Ist der Raum wie geplant eingerichtet und bestuhlt? Funktioniert die Videokonferenz nach Stuttgart? Stehen die Getränke und das Mittagessen bereit? Kann der Fotograf trotz der Jalousien gute Fotos machen? Diese Fragen halten meine Kollegen und mich auf Trab.

Bevor die ersten Gäste eintreffen, haben wir den Ablauf ein letztes Mal durchgesprochen. Der Vortrag des britischen Städteforschers Charles Landry beginnt. Alle lauschen gespannt dem aktuellen Fellow der Academy und sehen Bilder von Häusern, Graffitis und Menschen über die Leinwand laufen. Kaum ist der Vortrag zu Ende, entsteht mit dem rund 50-köpfigen Publikum eine angeregte Diskussion: Welche Rolle spielt Resilienz für Kreativität in Städten? Wie steht es um kleine Städte?

"Think. Debate. Inspire." lautet das Motto der Robert Bosch Academy. Es wurde heute im zweistündigen Lunch Talk lebendig. Viele Gäste diskutieren beim Hinausgehen weiter, andere verlassen eher nachdenklich das Haus – inspiriert scheinen sie alle zu sein.
Anja Wolff, März 2017: Zentralbereich kompakt
Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort, hab‘ mich niemals deswegen beklagt. Hab‘ es selbst so gewählt… Das Lied von Hannes Wader geht mir momentan nicht mehr aus dem Kopf. Schließlich erzählt es von den abwechslungsreichen Eindrücken eines Menschen, der ständig unterwegs ist – was zurzeit auch auf mich zutrifft.

Mein fünfmonatiger Aufenthalt im Themenbereich Gesundheit ist vorbei. Anfang Februar wechselte ich zum ersten Mal die Traineestation und kam in den Zentralbereich – eine völlig neue, andere Welt. Die Abteilung ist sehr vielfältig: Neben der IT gehören u. a. das Finanz- und Rechnungswesen, das Projektcontrolling, das Team Prozesse und Evaluation und unser Jurist dazu. Für mich alles Stationen auf der zweimonatigen Tour mit dem Titel "Zentralbereich kompakt".

Eine Rundreise ist beeindruckend und horizonterweiternd. Aber anstrengend ist sie auch. Immer wieder nimmt man Abschied von (zu) kurz besuchten Orten und trifft auf neue, fremde Gebiete. Für die Stiftungsreise heißt dies zum Beispiel: Ein Förderprojekt sieht, betrachtet man es aus finanzieller oder juristischer Sicht, plötzlich ganz anders aus als noch im Themenbereich, wo es vor allem um strategisch-inhaltliche Fragen ging.

Die Z-Mitarbeiter sind meine kundigen "Reiseführer". Sie übersetzen mir nicht nur fremde Begrifflichkeiten, gewähren mir Einblicke in ihren Alltag und sensibilisieren mich für ihre Blickweisen. Sie geben mir auch zu verstehen, dass sie unser Austausch ebenfalls bereichert.
Franziska Bauer, Februar 2017: Start in der Wissenschaft
Mein Traineeprogramm begann im Oktober 2016 im Themenbereich Wissenschaft. Dort gehöre ich zum vierköpfigen "Stadt Land Raum"-Team, das Teil des bereichsübergreifenden Schwerpunkts "Zukunftsfähige Lebensräume" ist.

Bisher hatte ich mich noch nie mit dem geografisch anmutenden Thema "Stadt Land Raum" auseinandergesetzt – Neuland also. Vertraut ist mir aber das wissenschaftliche und interdisziplinäre Arbeiten, mit dem das Team sich dieses Feld erschließt. So setzte ich bekanntes Werkzeug auf unbekanntem Terrain ein; keine neue Situation für mich: Recherchen, das Lesen wissenschaftlicher Artikel (von Architektur über Geografie bis hin zu Sozialwissenschaften), die Suche nach Problemfeldern sowie Zukunftsvisionen. In die regelmäßigen Teamtreffen bringen alle ihre Ideen zur inhaltlichen und strategischen Ausrichtung ein. Von Beginn an waren mein (fragender) Blick und meine Überlegungen als "Neue" wirklich willkommen.

Erste operative Aufgaben bekam ich, als wir den interdisziplinären Workshop "SPIELRAUM – Urbane Transformationen gestalten" aufarbeiteten. Mit dem Programm fördert die Stiftung Wissenschaftler, die unsere Städte mit klugen Ideen fit für die Zukunft machen wollen. Ich prüfte die Kurzanträge mit den Projektskizzen der Teilnehmer auf Vollständigkeit, fasste sie inhaltlich zusammen und gab die Daten in das EDV-Programm der Stiftung ein. Außerdem unterstützte ich das Team bei der Kommunikation mit den Antragstellern, da immer wieder Fragen der Antragsteller selbst oder von Stiftungsseite geklärt werden müssen.

Derzeit erwarten wir die finalen Anträge der SPIELRAUM-Gruppen. Ich bin sehr gespannt, wie aus den ersten Projektideen der Wissenschaftler konkrete Forschungsvorhaben werden.
Anja Wolff, Januar 2017: Bewerbung erfolgreich!
Pott gegen Kessel, eine graue, gleichwohl denkmalgeschützte Beton-Uni gegen eine historische Villa. Und das hoffnungsvolle "Glück auf!" gegen das emsige "Schaffe, schaffe, Häusle baue!". Diese Tauschaktionen machte ich, als ich von Bochum nach Stuttgart zog, um als Trainee bei der Stiftung zu beginnen. Wie kam es dazu?

Die Frage "Und was machst du später mal damit?" kennen Geisteswissenschaftler nur zu gut. Durch Praktika habe ich herausgefunden, was ich tun möchte und was eher nicht. Das Traineeprogramm stach bei meiner Suche nach einem Berufseinstieg aus vielen Ausschreibungen heraus. Denn die großen Themen "Gesellschaft", "Bildung" oder "Völkerverständigung" gehören ebenso dazu wie "Kommunikation" und "Personal". Für mich als Kulturwissenschaftlerin und "spezielle Universalistin" eine ideale Mischung und die Chance, inhaltlich vielfältig zu arbeiten.

Nach Bewerbung und Telefoninterview erhielt ich die Einladung zum Assessment-Center; der erste Schritt war geschafft! Dann wurde ich ein wenig nervös. Eine solche Situation hatte ich bis dahin noch nie durchzustehen. Doch meine Sorge war unbegründet und kehrte sich ins Positive: Der intensive Tag mit Gruppendiskussionen, Logiktest und Gesprächen schweißte mich mit anderen Teilnehmern zusammen. Umso größer war meine Freude, als ich die Zusage erhielt.

Ich startete im Bereich "Gesundheit"; es war also fachlich ein Sprung ins kalte Wasser. Eine Kollegin ermutigte mich gleich am Anfang, genau darin meinen Mehrwert für das Team zu sehen: Als "Neue" habe ich einen frischen, unverstellten Blick auf routinierte Abläufe. Und als Fachfremde beurteile ich Inhalte, die für die Öffentlichkeit aufbereitet werden, anders. Ein erstes Highlight war die Verleihung des Deutschen Alterspreises in Berlin, eine aufwendige Veranstaltung. Meine unscheinbare, aber wichtige Aufgabe bestand darin, bei den Stellproben mitzuhelfen und den Laudatoren zum richtigen Zeitpunkt die Namen der Preisträger und die Urkunden zu überreichen.