Eindrücke einiger Teilnehmer

Fotos: Tobias Bohm 
Tecla Namachanja (2.v.r.), Friedensaktivistin aus Kenia: "Ich war Teil der kenianischen Wahrheitskommission. Aber damals habe ich nicht wirklich verstanden, was Erinnerungskultur bedeutet. Ich weiß jetzt, dass wir mehr dokumentieren müssen, mehr Fakten brauchen, mehr Gesichter der Opfer zeigen müssen. Ich bedauere, dass ich die Geschichten der vielen jungen Männer, die kastriert wurden, die Geschichte der Frau, die nur den Kopf ihres Mannes zurückbekommen hat, nicht aufgeschrieben habe. Während in unserem Land der Wahrheitsfindungsprozess in Gang kam, hat nur die GIZ uns unterstützt und darauf hingewiesen, wie wichtig der Umgang mit Vergangenheit ist. Ich weiß jetzt, weshalb: Wegen der deutschen Geschichte."
 
Jelena Dzombic (2.v.r.) ist Menschenrechtsaktivistin in Serbien und leitet dort das Peacebuilding-Programm des Helsinki Committee for Human Rights: "Wenn ich mir die großartige Erinnerungsarbeit in Deutschland ansehe, habe ich etwas mehr Geduld mit uns in Serbien. Davor dachte ich, dass wir nur in winzigen Schritten vorankommen. Aber Deutschland ist ein entwickeltes und wohlhabendes Land und es hat dennoch so lange gebraucht, bis sich eine Erinnerungskultur entwickelt hat. Und Denkmäler sind ein sehr wichtiger Teil des Heilungsprozesses und der Versöhnung."
 
Die Juristin Messina Laurette Manirakiza arbeitet für die Organisation IMPUNITY Watch in Burundi: "Früher habe ich bei dem Begriff Gedenken immer nur an die Opfer gedacht. Jetzt denke ich, dass wir vielleicht auch darüber sprechen sollten, wie Menschen zu Tätern wurden und ein Tätersystem entstanden ist. Ich habe hier auch erkannt, dass wir nicht nur das Recht anwenden können, um Gerechtigkeit zu schaffen, sondern uns stärker mit der Theorie der Erinnerungskultur beschäftigen müssen. Gleichzeitig hat mich die Einfachheit mancher Gedenkstätten hier überrascht. In Afrika beklagen wir oft, uns fehlten die Ressourcen. Und ich habe einen Eindruck davon bekommen, wie man mit einer Gedenkstätte emotionale Wirkung erzeugen kann und dass es dazu kein besonders großes Denkmal braucht."
 
Uri Rosenberg ist Gründer und Koordinator einer israelisch-arabischen Dialoggruppe: "Der Elefant im Raum bei den arabisch-israelischen Beziehungen ist die Geschichte: Die jüdischen Israelis müssen ein Verständnis dafür entwickeln, wie die arabische Bevölkerung die Vergangenheit wahrnimmt und was für sie Gerechtigkeit bedeutet. Und dann müssen wir Mitgefühl entwickeln. Ich finde es interessant zu sehen, wie viele Geschichts-Schichten es in Deutschland gibt."
 
Der Kameruner Arrey Ojong Eyumeneh (2.v.l.) ist Menschenrechtsbeauftragter der UN Stabilisierungs-Mission in Mali: "Die Tour hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. In Mali gab es vier Aufstände, die zu Bürgerkriegen geführt haben, und ich kenne bisher nur ein einziges Denkmal: Eine Mauer mit den Namen einiger Menschen, die umgekommen sind. Ich versuche, die Best Practice-Beispiele von hier mitzunehmen und in den Kontext meiner Arbeit zu übertragen."
 
Friederike Bubenzer, Senior Projektleiterin des Instituts für Gerechtigkeit und Versöhnung in Kapstadt, Südafrika: "Das Berlin Seminar hat mich auf persönlicher und beruflicher Ebene sehr bewegt. Es hat mich sehr beeindruckt zu sehen, wie wichtig es ist, dass Staat und Gesellschaft gemeinsam die Verantwortung dafür übernehmen, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Frieden und letztlich Versöhnung entstehen können. Südafrika steht noch ganz am Anfang dieses Weges."
 
Christoph Kreutzmüller, wissenschaftlicher Berater des "Berlin Seminar" und Mitarbeiter des Haus der Wannsee-Konferenz, regt die Teilnehmer bei den Führungen zu einem kritischen Blick an, wie zum Beispiel: "So, und jetzt sage ich Ihnen, warum ich dieses Denkmal nicht mag: Das ist zu belehrend! Und das reduziert die Menschen!"