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Eine chinesische Studentin als deutsche Kanzlerin

Die Chinesin Dai Xinyi ist Studentin an der Fremdsprachenuniversität Peking, aber für vier Tage schlüpfte sie in die Rolle einer der einflussreichsten Führungskräfte der westlichen Welt: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bei der ersten Simulation der chinesisch-deutschen Regierungskonsultationen verhandelte sie mit 40 chinesischen und deutschen Studenten. Als Regierungsmitglieder, Interessensvertreter und Journalisten vertraten sie das jeweils andere Land und verhandelten einen Aktionsrahmen für die künftige Zusammenarbeit.

"So ein Identifikationskonflikt vermittelt Einfühlungsvermögen und führt dazu, dass sich alle mehr über die Situationen im jeweils anderen Land informieren," sagt Dai über die Vorbereitung zur Simulation, die vom 16.-19. Juni im Chinesisch-Deutschen Zentrum für Wissenschaftsförderung in Peking stattfand.
 

So erlebte die Studentin ihre Rolle als Bundeskanzlerin

"Insbesondere am ersten Tag beobachtete ich, wie sowohl die deutsche als auch die chinesische Seite ihr Bestes versuchten, um bei Streitpunkten möglichst ihre Ziele für den finalen Aktionsrahmen durchzusetzen. Am zweiten und dritten Tag liefen die Verhandlungen deutlich glatter; natürlich wurden eigene Interessen durchgesetzt, aber beide Seiten waren sich vertrauter.

Das Krisenmanagement bei der simulierten Pressekonferenz stellte unsere Geistesgegenwart auf die Probe. Angela Merkel hat es tatsächlich nicht leicht. Mit der chinesischen Regierungsführung haben wir die Unterzeichnung des Aktionsrahmens geleitet. Dass ich diesen aus den Tagesordnungen der drei Bereiche zusammenfassen sollte, erfuhr ich ziemlich spät. Aber selbst in der Eile habe ich die Ruhe behalten und alle meine Minister schnell koordiniert. Denn nach drei Tagen gewöhnte ich mich langsam an den hektischen und stressigen Arbeitsrhythmus von Politikern.

Dank eines vorbereitenden E-Learning-Kurses und ständiger Betreuung der Organisatoren konnte ich als Nichtmuttersprachlerin die Rolle der Bundeskanzlerin gut einnehmen. Es hat mir nicht nur Spaß gemacht, sondern mich in meinem Vorhaben, weiter außenpolitisch aktiv zu sein, noch einmal bestärkt. Die chinesisch-deutschen Beziehungen erfolgen vielmehr auf der Ebene der Völkerverständigung. Von daher ist die Simulation eine super Chance für junge Menschen, das gegenseitige Verständnis zu vertiefen und offene Dialoge miteinander zu führen. Eine tolle Erfahrung!"

Eindrücke der viertägigen Simulation

Foto: Natalie Mayroth 
Dr. Huang Mengmeng (黄萌萌) der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften diskutiert mit den Studierenden. Vor dem Beginn der Simulation hatten die Teilnehmer die Chance, mit Experten in ihre jeweiligen Fachbereiche einzutauchen.
Das Pilotprojekt fand wenige Tage nach den echten Regierungskonsultationen zwischen China und Deutschland statt und wurde von der Robert Bosch Stiftung und dem Goethe-Institut China ermöglicht. Am Ende der Simulation formulierten die Studenten einen Aktionsrahmen über die deutsch-chinesische Zusammenarbeit zu den Themen Wirtschaft, Klima und Umwelt sowie Kultur und Bildung.