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Aktuelle Themen 2016

Mit Humor gegen Hetze und Hasskommentare

Wie reagiere ich, wenn eine rationale Debatte nicht möglich scheint? Diese Frage stellen sich alle, die in den Kommentarspalten im Internet auf verhärtete Fronten und Beleidigungen stoßen, die voller Hass sind - sogenannte Hatespeech. Bereits junge Leute beschäftigen sich damit. Sie sind viel im Internet unterwegs und müssen in dieser Umgebung lernen, zu diskutieren und sich eine Meinung zu bilden - politische Bildung in digitaler Umgebung.

Auf der TINCON, dem ersten Festival für digitale Jugendkultur, förderte die Robert Bosch Stiftung Vorträge und Workshops zu gesellschaftlichen und politischen Themen. Hier fanden Jugendliche zwischen 13 und 21 Jahren und YouTuber eine Antwort auf Hasskommentare im Netz: Humor.
 

Muslimische Satire von den Datteltätern

"Muslime planen ein neues Satire-Kalifat im Herzen der YouTube-Szene - das EmpÖrium ist sicher! Stereotype ade, wir erklären hiermit den Bildungsdschihad!", so beschreiben die "Datteltäter" ihren YouTube-Kanal, auf dem sie deutsch-muslimische Satire machen. Damit wollen sie das Publikum nicht nur zum Lachen bringen, sondern auch zum Nachdenken, zum Beispiel über das Vorurteil, dass alle Muslime potenzielle Terroristen seien:


Auf der TINCON haben die Datteltäter ihren Kanal vorgestellt und erklärt, warum sie sich für Satire entschieden haben. Zu den Berlinern, die hinter dem Kanal stehen, gehören die Studenten Nemi El-Hassan und Fiete Aleksander. Auch sie haben Erfahrungen mit Hasskommentaren gemacht. Statt sich davon entmutigen zu lassen, nutzen sie die Beleidigungen für neue Satire-Videos. Im Gespräch erklären sie, warum Humor die beste Antwort ist und wie sie die Debatte in Deutschland zu den Themen Flüchtlinge und Islam wahrnehmen:
 


Jugendliche kreieren ein Meme gegen Hass

Das Thema Hetze und Hasskommentare bewegte auch die jungen Besucher der TINCON. Im Workshop zu viralen Trends erzählten sie, wie sie bereits im Netz angefeindet wurden. Workshop-Leiter Thilo Kasper ging es darum, den Jugendlichen in der gemeinsamen Arbeit zu zeigen, wie Meinungsbildung funktioniert und wie sie andere mit ihrer Botschaft erreichen können.


Das Ziel der Teilnehmer: einen viralen Trend kreieren. Genauer gesagt ein "Meme", also ein Bild mit einer Botschaft, dass von anderen immer wieder genutzt und neu interpretiert werden kann. Die Idee: eine Beleidigung aufschreiben, die man selbst oft zu hören bekommt, und mit dem Hashtag #thx4yourH8 markieren. Sie ziehen Hasskommentare ins Lächerliche und sagen damit: "Danke für deinen Hass, deine Beleidigungen können mir nichts anhaben."
(Marina Kunert, Mai 2016)