Gespräch im Park

"Wir haben in der Flüchtlingspolitik viel erreicht, stehen aber noch ganz am Anfang."

Mehr als eine Million Flüchtlinge hat Deutschland 2015 aufgenommen - eine gewaltige Anstrengung. Inzwischen aber gehen die Zahlen zurück, die meisten Turnhallen sind geräumt, und das Bundesamt für Migration und Flucht sieht Licht am Ende des Tunnels. Ist also die große Herausforderung schon bewältigt? Nein, sagen die Experten. Die Erstversorgung war der Sprint - jetzt stehen wir vor der Aufgabe der Integration, die langfristig angelegt und eher mit einem Marathon vergleichbar ist.

Mit der Robert Bosch Expertenkommission zur Neuausrichtung der Flüchtlingspolitik hat die Robert Bosch Stiftung zehn hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammengebracht. Sie entwickelten 99 Handlungsoptionen und Reformvorschläge für die deutsche Flüchtlingspolitik. Zum Ende des Jahres 2016 schließt die Stiftung die Arbeit der Robert Bosch Expertenkommission ab.

Wo stehen wir heute? Welche Maßnahmen haben sich bewährt? Und andererseits: Welche Probleme sind noch ungelöst und welche Entscheidungen noch offen? Darüber diskutierten Mitglieder der Robert Bosch Expertenkommission beim Gespräch im Park.

In seinem Impulsvortrag sagte der Kommissions-Vorsitzende Armin Laschet: "Wir haben in der Flüchtlingspolitik zwar schon viel erreicht, aber stehen trotzdem noch ganz am Anfang." Einerseits haben sich nach Worten des Stellvertretenden CDU-Vorsitzenden die Versorgung und Registrierung verbessert, Sprachkurse wurden weiter geöffnet, es gebe Rechtssicherheit für Auszubildende und die Vorrangprüfung sei ausgesetzt worden - alles Vorschläge, die auch die Expertenkommission gemacht habe. Andererseits werden die Herausforderungen der weltweiten Migration noch wachsen: "Daher müssen jetzt die Weichen richtig gestellt werden." Dazu gehört laut Laschet die Ausweitung der Schulpflicht nach bayerischem Vorbild, die Gewinnung von mehr Flüchtlingen für die duale Ausbildung und die Finanzierung der Kommunen als Orte der Integration.

Moderiert von Uta-Micaela Dürig, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung, diskutierten anschließend neben Armin Laschet auch die Kommissionsmitglieder Dr. Ulrich Maly, Oberbürgermeister von Nürnberg, Günter Burkhardt, Geschäftsführer von Pro Asyl, und Heinrich Alt, früheres Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, mit dem Publikum über Erfolge und Hürden bei der Integration.

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Fotos: Robert Thiele 
Gespräch im Park: In seiner Begrüßung mahnte Dr. Kurt Liedtke, der Vorsitzende des Kuratoriums der Robert Bosch Stiftung, die zunehmende Spaltung der Gesellschaft an.