Arbeiten bei der Robert Bosch Stiftung

Im Gespräch mit zwei Führungskräften

Interview mit Atje Drexler, Leiterin des Themenbereichs Völkerverständigung Europa und seine Nachbarn, und Christian Hänel, Leiter des Themenbereichs Völkerverständigung Amerika und Asien
  • Atje Drexler (Jahrgang 1974) und Christian Hänel (Jahrgang 1973) leiten je einen der sechs Themenbereiche der Robert Bosch Stiftung. Die beiden verbindet nicht nur ihre jetzige Führungsfunktion. Drexler und Hänel begannen zeitgleich ihre Karriere bei der Stiftung – als Teilnehmer des stiftungseigenen Traineeprogramms mit gemeinsamem Start in Stuttgart im Jahr 2001. Im Gespräch erzählen sie, was ihre Arbeit seitdem ausmacht.
     

2001 starteten Sie beide als Trainees bei der Stiftung. Wie kam es dazu?

Atje Drexler: Ich arbeitete damals in Frankfurt/Main im Vertrieb Osteuropa eines großen Automobilzulieferers, aber nicht bei Bosch. Dennoch war mir die Robert Bosch Stiftung vertraut. Denn als Slawistin – ich studierte in den 1990er Jahren Slawistik und Volkswirtschaft in Freiburg, St. Petersburg und Göttingen – kam man damals an dieser Institution mit ihrem beeindruckenden Engagement für die gesamte Region nicht vorbei. Da ich schon über zwei Jahre im Beruf war, gehörte ich eigentlich nicht mehr zur Zielgruppe des Traineeprogramms. Dennoch reizte mich dieses Angebot sehr, als ich die Ausschreibung in der FAZ las. Ich habe dann buchstäblich am letzten Bewerbungstag, sogar an einem Bahnhofsbriefkasten mit Nachtleerung, meine Unterlagen eingeworfen.

Christian Hänel: Auch ich war schon im Beruf und arbeitete im Medienvertrieb. Während des Studiums der Geschichte und Wirtschaftswissenschaften, u.a. an der Johns Hopkins University in Baltimore, hatte mich die USA-Leidenschaft gepackt. Als ich die Ausschreibung für das Traineeprogramm sah, hatte ich gerade eine Stipendienzusage für ein MBA-Studium in den Staaten erhalten und parallel damit begonnen, mich für das Auswahlverfahren im Auswärtigen Dienst vorzubereiten. Dennoch befasste ich mich näher mit der Robert Bosch Stiftung und stellte zu meiner Freude fest, dass sich meine internationalen Interessen mit den inhaltlichen Schwerpunkten deckten. Außerdem dachte ich mir: Mit einer Anstellung bei der Stiftung müsste ich vielleicht nicht jahrelang durch die Mühlen der ministeriellen Bürokratie, um irgendwann bei meinem Traumland USA anzukommen. Also habe ich mich beworben.

Wie ging es dann in der Stiftung für Sie weiter?

Drexler: Bei mir war das Traineeprogramm ein recht kurzes Vergnügen von wenigen Monaten, das sich unerwartet entwickelte. Meine erste Traineestation war der damals neue Bereich „Wissenschaft in der Gesellschaft“ mit gerade einmal vier Mitarbeitern, und der brauchte schnell Verstärkung. Mit meinem Studium hatte all das inhaltlich wenig zu tun und es war eine echte Herausforderung für mich. So wechselte ich direkt von meiner ersten Traineestation auf eine Projektleiterstelle in diesem Bereich. Ein Grund für das Stiftungsangebot war sicher, dass ich aus meiner vorherigen beruflichen Tätigkeit Erfahrung mitbrachte und die grundsätzliche Arbeitsweise einer Organisation kannte. Den Themen Wissenschaft und später Gesundheit bin ich bis 2013 treu geblieben; ab 2007 als stellvertretende Bereichsleiterin mit zuletzt 11 Mitarbeitern. Viele Projekte konnte ich mit auf den Weg bringen und begleiten. Auch die Zusammenarbeit mit unseren Forschungsinstituten und dem Robert-Bosch-Krankenhaus war neu für mich und sehr spannend. Dann kam 2013 die Chance, den Themenbereich „Völkerverständigung Europa und seine Nachbarn“ zu leiten. Ich griff zu, und das ist meine Aufgabe bis heute.

Hänel: Ich habe die Traineezeit mit 16 Monaten zu zwei Dritteln ausgeschöpft und dabei neben den Bereichen und Stabstellen noch eine weitere Station angeregt, weil sie mich sehr interessierte: die Geschäftsführung. Die Stiftung war flexibel, nahm meinen Wunsch auf und ich konnte Einblicke gewinnen. Ich halte unser Traineeprogramm und das Assessment für einzigartig. Wenn es meine Zeit irgendwie zulässt, bin ich in der Auswahlkommission dabei.

Frau Drexler stieg direkt in die Wissenschaft ein; wie war es nach Ihrer Traineezeit, Herr Hänel?

Hänel: Kurz vor dem Ende des Programms wurde die Stelle des Projektleiters für den damaligen Schwerpunkt deutsch-amerikanische Beziehungen frei – mein Traumjob! Drei Jahre habe ich auf dieser Position gearbeitet, als der damalige Stiftungsgeschäftsführer Dieter Berg auf mich zukam und fragte, ob ich auf die Assistentenstelle bei ihm wechseln wolle. Ganz ehrlich – ich habe nicht gleich gejubelt, daran erinnere ich mich gut. Denn ich hatte mich mittlerweile gut eingearbeitet als Projektleiter. Aber bereits als Trainee hatte mich die Arbeit der Geschäftsführung begeistert. Und so nützte ich diese Chance. Diese Station erweiterte meine Perspektive ungemein und ich profitiere noch heute davon, was ich als GF-Assistent gelernt habe. Zwei Jahre später folgte der Wechsel zurück in die internationale Förderung als stellvertretender Bereichsleiter mit Zuständigkeiten für die EU, die Türkei und Nordafrika. Seit 2013 bin ich Leiter des Themenbereichs „Völkerverständigung Amerika und Asien“. In die Arbeit mit Asien musste ich mich erst einarbeiten. Die Lernkurve war und ist steil. Doch auch hier erlebte und erlebe ich wiederum, welche Potenziale sich für einen selbst durch unsere Tätigkeit auftun.

Was zeichnet die Stiftung als Arbeitgeber aus?

Drexler: Wer hier arbeitet, kann die Inhalte selber stark beeinflussen; das ist außergewöhnlich, finde ich. Zum Beispiel hat man als Projektleiter oft die Chance, eigene Vorschläge zu machen und inhaltliche Impulse zu setzen. Man beschäftigt sich nicht jahrelang mit denselben Themen, sondern ist gefordert, sich stets auf Neues einzulassen, auf neue Projektideen, neue Partner, neue Schwerpunkte in unserer Förderung. Außerdem sind wir trotz des starken Wachstums der vergangenen Jahre immer noch eine überschaubare Organisation. Die unmittelbaren Begegnungen mit Geförderten empfinde ich als persönliche Bereicherung, auch wenn diese Gelegenheiten in einer Führungsposition seltener werden. Hier rücken dann Planungs- und Personalfragen ins Zentrum sowie die strategischen Diskussionen und Entscheidungen im Haus - alles ebenfalls sehr reizvoll. Meine persönliche Erfahrung: In jeder Position ist es wichtig, klar und deutlich zu äußern, was man kann und sich zutraut. Offene Ohren dafür gibt es hier. Insgesamt schätze ich in der Stiftung einschließlich des Führungskreises die Kollegialität. Wir haben wirklich eine spannende Gruppe von Menschen in unserem „Stiftungskollektiv“.

Hänel: Dem kann ich ausdrücklich zustimmen! Wer Eigeninitiative und Motivation für Neues mitbringt, ist hier an der richtigen Stelle. Auch die beeindruckenden Rahmenbedingungen spielen natürlich eine Rolle: der wunderschöne Arbeitsort mit dem engen Bezug zum Stifter, die Stiftungsidee an sich, die vielen Netzwerke. Ich empfinde es bis heute als etwas Besonderes, als „Geschenk“, hier arbeiten zu können. Dabei ist mir aber folgendes wichtig: Wir sind eine gemeinnützige Organisation, in der jeder Mitarbeiter ein ausgeprägtes Dienstleistungsverständnis haben sollte. Ich würde die Stiftung als „Mittler zwischen guten Ideen und Kapital“ beschreiben. In der Förderung setzen wir auf diese Ideen kreativer Köpfe, die Eigeninitiative und Mut beweisen. So sollten auch die Mitarbeiter der Stiftung sein, dann passt das zusammen und man hebt nicht ab.

Wie wichtig sind die Beziehungen zwischen Firma und Stiftung?

Drexler: Als ich mich auf die Aufgaben als Führungskraft vorbereitete, konnte ich, wie Christian Hänel auch, Seminare für Nachwuchskräfte der Firma besuchen, die in diesem Bereich natürlich über eine hohe Professionalität verfügt. Die Verbindung zum Unternehmen Bosch erinnert uns in der Stiftung immer wieder daran, dass Geldausgeben für den guten Zweck ein echtes Privileg ist und verantwortungsvolles Handeln erfordert.

Hänel: Die ökonomische „Denke“ ist zweifellos ein zentraler Baustein unserer Arbeit. Wir streben immer nach einer Wirkungsmaximierung unserer Mittel. Denn was wir ausgeben, muss im Unternehmen erst einmal erwirtschaftet werden. Was die Personalpolitik angeht, hat sich die Stiftung mittlerweile deutlich professionalisiert.

Womit beschäftigen Sie sich außerhalb der Stiftung?

Drexler: Ich singe sehr gerne und bin Mitglied in einem Chor. Wandern und reisen helfen mir ebenfalls zu entspannen. Und Kochen! Am besten ist folgende Kombination: Wandern im Elsass und anschließend lecker essen gehen. Von Stuttgart aus hat man es nie weit in eine schöne Gegend mit kulinarischen Reizen.

Hänel: Als gebürtiger Bielefelder gehört meine Leidenschaft natürlich dem dortigen Fußballclub Arminia. Außerdem bin ich großer Filmfan und mache zudem selber „als motivierter Amateur“ Musik (Trompete, Gitarre und elektronische Kompositionen). Nicht zuletzt ist Sport für mich ganz wichtig. Wenn Zeit ist, zieht es mich zum Basketball und zum Joggen an den wunderbaren Stuttgarter Bärensee.