Grenzgänger

Akos Doma:

Akos Doma, geboren 1963 in Budapest, wuchs in Ungarn, Italien und England auf, bevor er mit vierzehn Jahren nach Deutschland kam. Er studierte Anglistik, Amerikanistik und Germanistik und promovierte über Knut Hamsun und D. H. Lawrence im Kontext des modernistischen Romans. Seine Übersetzungen ungarischer Literatur u.a. von Sándor Márai, Péter Nádas, László F. Földényi und Béla Hamvas wurden mehrfach prämiert. Für seine Romane "Der Müßiggänger" (2001) und "Die allgemeine Tauglichkeit" (2011) erhielt er zahlreiche Stipendien und Preise, u.a. den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis, den Dresdner Stadtschreiber, das Prager Literaturstipendium sowie Literaturstipendien des Freistaats Bayern und des Deutschen Studienzentrums in Venedig.
Der Weg der Wünsche

Akos Domas Roman "Der Weg der Wünsche" schildert die Flucht einer Familie aus dem kommunistischen Ungarn über Jugoslawien in den Westen 1972. In einem desolaten Flüchtlingslager bei Neapel folgen dramatische Monate, schlummernde Konflikte brechen auf, die bis dahin wohlbehüteten Kinder Misi (8) und Borbála (15) erleben ihre schmerzvolle Initiation in die Lügen, Täuschungen und Gewalt der Erwachsenenwelt.

Immer wieder führen Rückblenden in die Vergangenheit der Eltern Teréz und Károly zurück. Teréz muß 1945 mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester vor der heranrückenden Ostfront durch das verschneite Österreich fliehen, der junge Károly wird 1951 mit seiner Mutter von den neuen, kommunistischen Machthabern in die südostungarische Ödnis deportiert, Borbála wird inmitten der Wirren des Volksaufstands 1956 geboren. Flucht, Vertreibung und Heimatlosigkeit kehren leitmotivisch wieder, konterkariert durch den ungebrochenen Überlebenswillen der Protagonisten, ihre ewige Sehnsucht nach Glück und einem menschenwürdigen Leben. Die Geschichte einer Familie, die stellvertretend für das Schicksal zahlloser Mittel- und Osteuropäer in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts steht.

Roman, 320 Seiten
Rowohlt Berlin, 2016
ISBN: 978-3871348396

Bildergalerie

2012 reiste Akos Doma mehrmals nach Budapest, an den Ausgangspunkt der Romanhandlung, führte lange Interviews mit Familienangehörigen, deren Geschichte in den Roman einfließen sollte, suchte die wichtigsten ungarischen Schauplätze der Handlung auf, vor allem das Haus im Budaer Stadtteil Kissvábhegy, in dem sich die ehemalige Einzimmerwohnung der Familie befunden hatte, sowie die Wohnung der Großeltern im Pester Stadtteil Újlipótváros.

Aus Budapest folgte er mit dem Auto der Fluchtroute durch das heutige Slowenien nach Triest. In Triest/Padriciano besichtigte er das heute als Museum und Dokumentationszentrum dienende ehemalige Sammellager, in dem die Familie die ersten Wochen nach der illegalen Grenzüberquerung verbracht hatte.

Im November 2012 machte er eine ausgedehnte Reise nach Neapel und Capua, auf der Suche nach Bildern, Erinnerungen und dem einstigen Flüchtlingslager, in dem der größte Teil des Romans spielt.