Grenzgänger

Björn Kuhligk:

Björn Kuhligk, 1975 in Berlin geboren, lebt mit seiner Familie in Berlin.

Veröffentlichungen
  • 2001 "Es gibt hier keine Küstenstraßen", Lyrikedition 2000, München
  • 2002 "Am Ende kommen Touristen", Berlin Verlag, Berlin
  • 2005 "Großes Kino", Berlin Verlag, Berlin
  • 2007 "Der Wald im Zimmer – Eine Harzreise", Berliner Taschenbuch Verlag, Berlin (mit Jan Wagner)
  • 2009 "Von der Oberfläche der Erde", Berlin Verlag, Berlin
  • 2010 "Bodenpersonal", Verlagshaus J. Frank, Berlin
  • 2013 "Die Stille zwischen null und eins", Hanser Berlin, Berlin
  • 2014 "Wir sind jetzt hier – Neue Wanderungen durch die Mark Brandenburg", Hanser Berlin, Berlin (mit Tom Schulz)
  • 2014 "Großraumtaxi – Berliner Szenen", Verbrecher Verlag, Berlin
  • 2016 "Die Sprache von Gibraltar", Hanser Berlin, Berlin


Herausgaben

  • 2003 "Lyrik von Jetzt - 74 Stimmen", Dumont Verlag, Köln (mit J. W.)
  • 2006 "Das Berliner Kneipenbuch", Berliner Taschenbuch Verlag, Berlin (mit T. S.)
  • 2007 "Das Kölner Kneipenbuch", Berliner Taschenbuch Verlag, Berlin (mit T. S.)
  • 2008 "Das Hamburger Kneipenbuch", Berliner Taschenbuch Verlag (mit T. S.)
  • 2008 "Lyrik von Jetzt zwei – 50 Stimmen", Berlin Verlag, Berlin (mit J. W.)
  • 2009 "Das Münchner Kneipenbuch", Berliner Taschenbuch Verlag (mit T. S.)
  • 2011 "Das Kölner Kneipenbuch", erw. Neuauflage, Dumont Verlag, Köln (mit T. S.)


Auszeichnungen

  • 1997 open mike der literaturWERKstatt Berlin
  • 2007 Arbeitsstipendium der Stiftung Preußische Seehandlung
  • 2008 Arbeitsstipendium des Berliner Senats
  • 2008 Stadtschreiber in Eskişehir/Türkei im Rahmen des Projektes Yakin Bakiş des Goethe-Instituts und www.literaturhaeuser.net
  • 2013 Kunstpreis Literatur der Lottostiftung Brandenburg
  • 2014 Arbeitsstipendium der Stiftung Preußische Seehandlung
  • 2015 Arbeitsstipendium des Berliner Senats
  • 2015 Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch-Stiftung
Die Sprache von Gibraltar

Björn Kuhligks lyrische Stimme war noch nie so klar wie in diesem Band. In seinem Zentrum steht das Langgedicht, das dem Buch seinen Namen gibt. 2014, als es noch leichtfiel, all die Menschen auf der Flucht als Problem der Mittelmeeranrainer zu verdrängen, ließen Björn Kuhligk die Berichte vom berüchtigten Grenzzaun von Melilla nicht mehr los. Er reiste dorthin, um sich ein Bild zu machen und eine Sprache für das zu finden, was er sehen würde. Mit diesem Band meldet sich ein politischer Mensch zu Wort und zeigt, was ein Gedicht vermag: Es greift uns an, weil es Bilder in uns erzeugt, die wir nicht wegwischen können, es trifft mit seinem rauen Ton ins Mark und duldet doch keine bloß emotionale Reaktion.

Gedichtband
88 Seiten, fester Einband
Hanser Berlin, 2016
ISBN: 978-3-446-25291-2

Kontakt

Thomas Rohde
Telefon +49 (0)30 25 29 480 - 15
Fax +49 (0)30 25 29 480 - 29

Bildergalerie

Marokko, Oktober 2015

Es ist drei Jahre her, als ich begann, an einem Langgedicht über die Fluchtbewegungen nach Europa zu schreiben. Melilla, eine der beiden am Meer gelegenen, spanischen Exklaven in Marokko, umgeben von einer sechs Meter hohen Zaunanlage, die weltweit als eine der effektivsten gilt, erschien mir als der Ort, an dem sich alles bündelte. Ich vertiefte mich in das Thema. Ich habe Seemeilen in Kilometer umgerechnet. Ich habe recherchiert, wie weit der Leuchtturm von der Südspitze Gibraltars seine Lichtbündel sendet. Ich habe stundenlang Reportagen gesehen. Ich habe mir immer wieder die Aufnahmen des Fotografen Julian Röder angesehen, die er in Melilla machte und dessen Foto „Border Fortification Facilities, Melilla, 2012“ der Verlag als Cover nutzen durfte. Ich las jeden Zeitungsartikel, jede Reportage. Dann begann ich zu schreiben und merkte nach einer Weile, dass die Bilder, die ich entwarf, nicht meine eigenen waren, dass das Wissen, das ich mir angeeignet hatte, mich davon abhielt, mich tatsächlich auf das Thema einzulassen. Ich schrieb, als könnte ich auch über jedes andere x-beliebige Thema schreiben. Ich hielt mir das, worüber ich schreiben wollte, vom Leib. Es war viel zu weit weg, erfahrungsleer. Mein Leib musste dort hin.

Im August 2015 reiste ich für ein paar Tage nach Gibraltar, und im Oktober dann nach Melilla und Umgebung. Ich war jeden Tag von morgens bis abends unterwegs. Ich lief die Grenze ab, ich saß stundenlang an den Grenzübergängen und tat nichts anderes als sehen. Ich fuhr auf den Monte Gourougou, einem nahegelegenen Gebirge, in dem sich nach Schätzungen von Hilfsorganisationen zwischen 20.000 und 30.000 Menschen aus den Subsahara-Regionen aufhalten, die auf ihre Chance warten, den Grenzzaun zu überwinden. Ich wunderte mich darüber, dass in Melilla ein normaler Alltag war, mich verstörte die strukturelle und individuelle Gewalt, die Teil dieses Alltags war und durch die Melilla zusammengehalten wird. Ich sah, wie marokkanische Arbeitskräfte an den Grenzübergängen von der Guardia Civil geschlagen wurden. Ich sah, wie Kinder versuchten, die Grenzkontrollen zu durchrennen. Ich fuhr auf marokkanischer Seite die Dörfer ab. Ich sah Flüchtlinge, die sich versteckten. Abends und nachts schrieb ich, um die vielen Eindrücke eines Tages zu bündeln, ein Tagebuch, aus dem ich das, was zu einer Prosa gehört, wieder strich. Entstanden ist das Langgedicht „Die Sprache von Gibraltar“.