Pressemeldungen 2016
Pressemitteilung

Was aus der Balkanroute folgt - Experten fordern, den EU-Erweiterungsprozess auf dem Westbalkan voranzutreiben

  • Wissenschaftler empfehlen, die Ursachen für Migration aus den Balkanstaaten anzugehen und die wirtschaftliche Entwicklung vor Ort stärker zu fördern
  • Region besitzt strategische Bedeutung für Sicherheit und Stabilität in Europa

Stuttgart, 20. Juni 2016 – Als Folge des Flüchtlingsstroms über die Balkanroute sollte die EU-Erweiterung auf dem Westbalkan ernsthaft vorangetrieben werden. Das empfiehlt die Expertengruppe "Balkans in Europe Policy Advisory Group" (BiEPAG) in einem heute in der Berliner Repräsentanz der Robert Bosch Stiftung vorgestellten Papier. Gleichzeitig gelte es, die Ursachen für Migration aus der Region anzugehen und nicht nur auf Eindämmung zu setzen. Der Westbalkan besitzt strategische Bedeutung für die Sicherheit und Stabilität in Europa. Bis zur Schließung der Balkanroute hatten 800 000 Flüchtlinge allein über diesen Weg die EU erreicht. Den Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisenländern waren auch viele Menschen aus Kosovo und Albanien auf der Suche nach einem besseren Leben gefolgt.

Die BiEPAG spricht sich in ihrem Policy Paper u.a. für die Entwicklung eines Mechanismus zur besseren Koordination und Kommunikation zwischen EU und Nicht-EU-Staaten in Krisensituationen aus. Auch müssten Alternativen zur illegalen Einwanderung aus den Balkanstaaten nach Westeuropa geschaffen und die wirtschaftliche Entwicklung in der Region stärker unterstützt werden. So empfiehlt die BiEPAG den EU-Staaten, ihre gesetzlichen Möglichkeiten für die befristete Beschäftigung und Ausbildung von Menschen aus den Balkanstaaten stärker zu nutzen. Das könnte die Arbeitslosigkeit in der Region senken; gleichzeitig könnten die Menschen Arbeitserfahrung im Ausland sammeln. Darüber hinaus sollte die EU die wirtschaftliche Entwicklung auf dem Balkan unterstützen und dabei helfen, vor Ort Arbeitsplätze zu schaffen.

Die Experten ermahnen die EU zudem, sich zur Eindämmung von Migration nicht nur auf starke politische Führer zu verlassen. Die Demokratie in den Westbalkanländern habe in den vergangenen sechs Jahren Rückschritte gemacht, autokratische Tendenzen hätten zugenommen und das Bruttoinlandsprodukt zudem immer noch nicht das Niveau vor dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawiens erreicht.

In der "Balkans in Europe Policy Advisory Group" erarbeiten Experten der Balkan- und EU-Länder gemeinsam Politikempfehlungen zur EU-Erweiterung auf dem Westbalkan sowie zu Demokratisierung und wirtschaftlichen Entwicklung der Region. Die BiEPAG ist eine Initiative des Zentrums für Südosteuropäische Studien an der Universität Graz und des "European Fund for the Balkans". Letzterer wurde 2007 von vier europäischen Stiftungen, darunter der Robert Bosch Stiftung, mit dem Ziel gegründet, die westlichen Balkanstaaten in ihrem Bemühen um eine EU-Mitgliedschaft zu unterstützen.

Kontakt

Julia Rommel
Telefon 0711 46084-602