Forum Flüchtlinge im Schloss Bellevue

Forum Flüchtlinge im Schloss Bellevue: "Integration ermöglichen - Zusammenhalt stärken"

Bilder vom Forum

Fotos: Max Lautenschläger 
Bundespräsident Joachim Gauck empfing zum Forum "Flüchtlinge in Deutschland" im Schloss Bellevue rund 200 Gäste.

Forum im Schloss Bellevue am 7. April 2016

"Integrationspolitik wird unsere Gesellschaft viel kosten - viel Energie, viel Engagement, viel Geld. Aber ich bin mir sicher: Die Aufwendungen und Ausgaben sind eine gute Investition in die Zukunft", sagte Bundespräsident Joachim Gauck zum Auftakt des Symposiums "Flüchtlinge in Deutschland: Integration ermöglichen - Zusammenhalt stärken" am 7. April im Schloss Bellevue. Die gemeinsame Veranstaltung der Robert Bosch Stiftung und des Bundespräsidenten schlug einen Bogen zwischen den konkreten Problemen in Städten und Gemeinden, politischen Handlungsempfehlungen und dem großen Thema des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Rund 200 Gäste - unter ihnen Experten, Wissenschaftler, Politiker, Ehrenamtliche - diskutierten den ganzen Tag über die Herausforderungen, die sich für Politik, Kommunen und die Bürger stellen.

Uta-Micaela Dürig, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung, betonte in ihrer Eröffnungsrede, dass Integration von allen Beteiligten Anstrengungen erfordert. "In den Kindertagesstätten und Schulen, in der Berufsausbildung und im Studium, am Arbeitsplatz und in der Freizeit, im Stadtteil, in Vereinen und bei Kulturveranstaltungen entscheidet sich, ob Integration zu Teilhabe führt - statt zu entkoppelten Parallelwelten."

Wie die Integration vor Ort gelingen kann, war das Thema des ersten Podiums mit Praktikern, moderiert von Mitri Sirin: Die Grundschule von Schulleiterin Gisela Schultebraucks-Burgkart in Dortmund lädt die Eltern von Flüchtlingskindern in Elterncafés ein und bietet Sprachunterricht auch für die jüngeren, noch nicht schulpflichtigen Geschwister an. Die AG Asylsuchende im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge baut Netzwerke für Unterstützer und Flüchtlinge auf, wie Gründerin Petra Schickert berichtete. Dr. Hussein Hamdan berät in Baden-Württemberg Kommunen zu Islamthemen. Henriette Reker, Oberbürgermeisterin von Köln, empfahl, Ängste und Sorgen von Bürgern direkt anzusprechen: "Ich frage immer, wovor genau sie Angst haben. Oft ist es nur eine allgemeine Angst vor dem Unbekannten, und die lässt sich auflösen, wenn man die Menschen zusammenführt." Detlef Scheele, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, plädierte dafür, die Flüchtlinge schneller in den Arbeitsprozess zu integrieren und nicht zu warten, bis sie alle Sprachkurse absolviert haben: "Viele können schon als Hilfsarbeiter etwa in einem Ausbildungsbetrieb anfangen und parallel Deutsch lernen."

Stimmen der Podiumsteilnehmer:


Das Forum Flüchtlinge fand einen Tag nach der Vorstellung des Abschlussberichts der Robert Bosch Expertenkommission zur Neuausrichtung der Flüchtlingspolitik statt. Armin Laschet, Vorsitzender der Kommission, stellte die Empfehlungen vor. Die Teilnehmer debattierten anschließend in sieben Themenforen über Bildung und Spracherwerb, Stadtentwicklung, Zugang zu Ausbildung und Arbeitsmarkt, ehrenamtliches Engagement, kulturelle Bildung und Teilhabe, gesellschaftlichen Zusammenhalt und innere Sicherheit.

Das Abschlusspodium mit dem Bundespräsidenten stellte die großen Fragen jenseits der Tagespolitik: Wie gelingt der gesellschaftliche Zusammenhalt? Darüber diskutierten mit dem Bundespräsidenten Prof. Hans Joas (Humboldt-Universität zu Berlin), ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, Dr. Milad Karimi (Zentrum für Islamische Theologie Münster) und die ehemalige Bundesverfassungsrichterin Prof. Gertrude Lübbe-Wolf. Je vielfältiger eine Gesellschaft, desto wichtiger ist es, sich auf gemeinsame Spielregeln zu einigen. Darin bestand Einigkeit. Das Grundgesetz gibt dafür einen Rahmen ab, allerdings sind auch andere Faktoren sehr wichtig für den Zusammenhalt: "Menschen identifizieren sich am ehesten mit einer Gesellschaft, wenn sie das Gefühl haben, dass sie Perspektiven haben und gerecht behandelt werden", sagte Gertrude Lübbe-Wolf. "Das ist letztlich wichtiger als das Predigen von Werten."
 

Stimmen der Podiumsteilnehmer:


ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo plädierte für Ehrlichkeit in der Berichterstattung: "Zeitweise haben die Leute zu Recht den Eindruck gehabt, dass einige Medien Probleme mit der Flüchtlingspolitik nicht beim Namen nennen." Die deutschen Medien gehören für ihn aber grundsätzlich zu den unabhängigsten und besten auf der Welt. Bundespräsident Gauck bestätigte: "Ich habe 50 Jahre lang erlebt, was Lügenpresse ist, deshalb kann ich die pauschale Beschimpfung von Medien nicht akzeptieren."

Videos zum Forum

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Alle Videos zu den Diskussionen und Themenforen im Schloss Bellevue sowie Interviews mit Teilnehmern finden Sie gesammelt auf unserem YouTube-Kanal.

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Bericht vom Forum mit den wichtigsten Zitaten und Links.

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