Pressemeldungen 2016
Pressemitteilung

Kommunen haben zu wenig Wohnraum, Personal und Zeit, die Flüchtlingssituation aber weitgehend im Griff

  • AllensbachUmfrage zum Umgang mit der aktuellen Zuwanderung von Asylsuchenden in den Kommunen im Auftrag der Robert Bosch Stiftung veröffentlicht
  • Kommunale Verantwortungsträger bewerten Situation und Integrationschancen insgesamt positiv, klagen aber über Mangel an Wohnraum, Personal und Zeit für Zukunftsstrategien
  • Prof. Dr. Renate Köcher: "Die Bereitstellung von Unterkünften ist derzeit die größte Herausforderung"

Stuttgart, 19. März 2016 – Fast alle Landkreise und Kommunen in Deutschland haben die Flüchtlingssituation noch im Griff. Die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge gelingt ihnen weitgehend, die Kapazitäten sind bei der Mehrheit aber ausgeschöpft. Etwa die Hälfte der kommunalen Verantwortungsträger ist so stark von den aktuellen Aufgaben gefordert, dass keine Zeit zur Entwicklung von Strategien für die Integration und Teilhabe der Flüchtlinge bleibt. Dennoch schätzt die Mehrheit die Integrationschancen insgesamt sehr optimistisch ein. Vor allem die große Hilfsbereitschaft und das ehrenamtliche Engagement vor Ort sind für die Kommunen von großer Bedeutung.

Bereitstellung von Unterkünften ist größte Herausforderung

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Robert Bosch Stiftung und der Stiftung Demoskopie Allensbach. In der Untersuchung berichten rund drei Viertel der befragten kommunalen Entscheidungsträger von großen finanziellen Belastungen. Als aktuelles Hauptproblem nennt die Mehrheit jedoch die Bereitstellung von Unterkünften. Etwa 75 Prozent der Kreise und Kommunen mangelt es an Wohnraum – überdurchschnittlich häufig in Großstädten.

"Die Bereitstellung von Unterkünften ist derzeit die größte Herausforderung", sagt Prof. Dr. Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach. "Dabei sehen wir deutliche Unterschiede zwischen Stadt und Land. Während die Mehrheit der ländlichen Kreise und Kommunen noch freie Kapazitäten hat, ist das nur bei rund einem Viertel der Großstädte der Fall. Entsprechend gelingt es in ländlichen Gegenden auch häufiger, Flüchtlinge dezentral und Flüchtlingsfamilien familiengerecht unterzubringen."

Zwei Drittel klagen über unzureichende personelle Ressourcen

Eine weitere große Herausforderung sehen die Kommunen in der Personalsituation. Obwohl fast überall zusätzliches Personal eingestellt werden konnte, klagen zwei Drittel weiterhin über unzureichende personelle Ressourcen. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, aufgrund des aktuellen Arbeitsaufkommens keine Zeit für die Entwicklung von mittel und langfristigen Strategien zu haben. Diese benötige man aber, um Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt und das Bildungssystem zu integrieren und dauerhaften Wohnraum zu schaffen.

Ehrenamtliches Engagement von großer Bedeutung für Kommunen

Mehrheitlich positiv werden laut Studie zwei Punkte wahrgenommen: Fast alle Befragten berichten von einer großen ehrenamtlichen Unterstützung vor Ort, die von 86 Prozent als sehr wichtig und von 14 Prozent als wichtig eingestuft wird. Ebenfalls positiv sind die Erwartungen an die Impulse durch die Flüchtlinge vor allem für den regionalen Arbeitsmarkt, aber auch für die demografische Entwicklung. 80 Prozent der Befragten sehen sehr gute oder gute Chancen für die Integration der Flüchtlinge vor Ort, 60 Prozent prognostizieren sehr gute oder gute Aussichten für die Integration in den Arbeitsmarkt.

"Wir müssen die bevorstehenden Herausforderungen bei der Integration der neuen Zuwanderer als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrnehmen", sagt UtaMicaela Dürig, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung. "Wie gut das in den Kommunen funktioniert und wie wichtig dabei das ehrenamtliche Engagement der Bevölkerung ist, belegt die vorliegende Umfrage. Deren Ergebnisse zeigen aber auch, dass jetzt die Zeit ist, in der wir nachhaltige Konzepte für die Zukunft erarbeiten müssen."

Für die Studie hat das Institut für Demoskopie Allensbach im November 2015 mit 25 kommunalen Entscheidungsträgern ausführliche qualitative Interviews geführt und darauf aufbauend noch einmal bis Anfang 2016 insgesamt 349 kommunale Verantwortungsträger befragt und die Ergebnisse anschließend ausgewertet und aufbereitet.

Institut für Demoskopie Allensbach  Studie: Situation und Strategien in den Kommunen  Lesen und empfehlen

Kontakt

Michael Herm
Telefon 0711 46084-290