Fast Track

Portraits der Stipendiatinnen

Interdisziplinär, Jahrgang 2015 - 2017
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Junior-Prof. Dr. Anne Böckler

"Menschen sind beeindruckende Gruppentiere: zahlreiche Errungenschaften zeugen von der Koordinationsfähigkeit unserer Spezies. Gleichzeitig stellt uns das Leben in der Gruppe vor Herausforderungen, z.B. die Verteilung begrenzter Ressourcen. Ich erforsche mit psychologischen und neurowissenschaftlichen Methoden die Grundlagen sozialer Interaktion. Wie werden Blicke verarbeitet und kommunikativ genutzt und wie tragen Empathie und Perspektivübernahme zum Verständnis unseres Gegenübers bei? Auf der anderen Seite nutze ich spieltheoretisch informierte Methoden um menschliches Entscheidungsverhalten zu untersuchen. Ich zeige, wie sich altruistisches Verhalten (z.B. spenden) von normorientiertem Verhalten unterscheidet und wie wir dieses mit Hilfe meditations-basierter Techniken fördern können."
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Dr. med. Lena-Christin Conradi

Neben ihrer klinischen Weiterbildung zur Viszeralchirurgin an der Universitätsmedizin Göttingen gilt das wissenschaftliche Interesse von Lena-Christin Conradi der Identifikation prädiktiver Biomarker zur Vorhersage von Therapieansprechen und Prognose für Patienten mit gastrointestinalen Tumoren, insbesondere dem kolorektalen Karzinom. Derzeit arbeitet sie an einem Forschungsprojekt im Labor von Prof. Peter Carmeliet am Vesalius Research Center der Universität Leuven in Belgien. Im Rahmen eines Else Kröner Memorial - Stipendiums analysiert sie den spezifischen Stoffwechsel von Tumorzellen und tumorassoziierten Gefäßzellen um herauszufinden wie dieser als innovativer Behandlungsansatz in der Anti-Tumortherapie genutzt werden kann.
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Dr. Vera Demberg

Bei einer Unterhaltung passen Menschen sich in Bezug auf Formulierung an ihre Gesprächspartner an, beispielsweise verwenden sie einfachere Formulierungen, wenn der Gesprächspartner durch das Fahren eines Autos teilweise abgelenkt ist. Automatische Sprachdialogsysteme haben diese Fähigkeit bislang nicht. Damit sich auch der Computer in seiner Kommunikation automatisch an Nutzer und Situation anpassen kann, arbeitet Vera Demberg interdisziplinär: sie geht mithilfe von Blickbewegungsexperimenten und EEG der Frage nach, unter welchen Umständen eine Sprache für Menschen schwer zu verarbeiten ist, und nutzt maschinelle Lernverfahren um Computermodelle zu bauen, die Vorgänge bei der Sprachverarbeitung beschreiben können.
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Jun.-Prof. Dr. Daniela Domeisen

Was bedeutet ein El Nino - Ereignis für Europa? Wie lange im Voraus sind Kälteeinbrüche vorhersagbar? Wie ist da die Dynamik der Stratosphäre involviert? Und welchen Einfluss haben Wetterereignisse auf die Energieversorgung und den Strompreis? Daniela Domeisen ist Juniorprofessorin am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel und leitet die Arbeitsgruppe "Atmosphärendynamik und Vorhersage". Um diese Fragestellungen zu bearbeiten, benutzt sie numerische Modelle, die Theorie der Fluiddynamik, sowie Beobachtungen. Das Ziel ist unter anderem, die Vorhersagbarkeit des Wetters auf Zeitskalen von wenigen Wochen bis Monaten im Interesse von Anwendern zu verbessern, und dabei das Verständnis des Zusammenspiels verschiedener Komponenten des Klimasystems zu vertiefen.
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Prof. Dr. Birgit Esser

Wie kann man umweltfreundlich und ressourcenschonend Energie speichern? Lässt sich die gegenseitige Anziehung zweier Moleküle mit unterschiedlicher Elektronendichte visualisieren? Aus welchen Einheiten kann man gürtel- und röhrenförmige, konjugierte organische Moleküle aufbauen? Mit diesen und weiteren Fragestellungen beschäftigt sich Birgit Esser. Als organische Chemikerin stehen die Synthese neuartiger Molekül- und Polymerstrukturen sowie die Untersuchung von deren Eigenschaften im Vordergrund ihrer Forschungsarbeiten. Die Anwendung der neuen Verbindungen in Batterien oder deren Visualisierung auf Oberflächen.
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Dr. Nadira Faber

"Große Herausforderungen erfordern, dass wir Menschen in Gruppen zusammenarbeiten. Ich interessiere mich für die Frage, wann Gruppen mehr - und wann weniger - sind als die Summe ihrer Mitglieder. Als experimentelle Psychologin an der Universität Oxford arbeite ich an der Grenze zur Neurowissenschaft und der Philosophie um herauszufinden, welche grundlegenden Prozesse bestimmen, wie Gruppen funktionieren - sei es wenn wir in einem kleinen Team Entscheidungen treffen oder als Mitglieder einer privilegierten Gruppe benachteiligten Anderen helfen. Ein Anwendungsfall der mich interessiert ist "Gehirndoping": wenn einzelne Gruppenmitglieder Substanzen einnehmen, um ihre geistige Leistungsfähigkeit zu steigern, welche Folgen hat dies für die "User" und für die ganze Gruppe?"
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Dr. Simone Falk

Musik und Sprache sind zwei hochentwickelte menschliche Kommunikationsformen. Doch wie hängen sie miteinander zusammen? Gibt es Überschneidungen zwischen musikalischen und sprachlichen Prozessen und kann Musik sprachliche Leistungen fördern? Die Sprachwissenschaftlerin Simone Falk erforscht diese Fragen im Bereich des Spracherwerbs und der Sprachpathologie. Ihre zwei Hauptarbeitsgebiete sind die Rolle des Singens beim frühen Spracherwerb und  die Rolle von Rhythmus in Sprachproduktion und -wahrnehmung bei Kindern und Erwachsenen, die stottern. Durch ihre Forschung will sie neue Denkanstöße für Sprachförderung bei Kindern und für Diagnose- und Therapiewege im Stottern geben. Sie arbeitet dabei mit Sprachtherapeuten, Psychologen, Musik-, Neuro- und Bewegungswissenschaftlern zusammen.
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Dr. Ivana Fleischer

Das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid stellt für Chemiker einen attraktiven und verfügbaren synthetischen Baustein dar. Leider handelt es sich hier um ein stabiles und träges Molekül, wessen Reaktionen viel Energiezufuhr erfordern und eine Herausforderung darstellen. Ivana Fleischer und ihre Gruppe an der Universität Regensburg beschäftigen sich mit der Entwicklung neuer Methoden für die Umwandlung von Kohlenstoffdioxid in nützliche organische Verbindungen. Zum Beispiel wollen sie mit ihrer Forschung dazu beitragen, dass das giftige, aus fossilen Rohstoffen stammende Kohlenmonoxid, welches in vielen Reaktionen verwendet wird, durch CO2 ersetzt wird. Dabei helfen ihnen Katalysatoren - Verbindungen, die chemische Reaktionen beschleunigen und dabei nicht verbraucht werden.
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Dr.-Ing. Paula Herber

Mehr als 98% aller Prozessoren weltweit werden in eingebetteten Systemen eingesetzt. Beispiele dafür begegnen uns überall im täglichen Leben: Eingebettete Systeme steuern und überwachen Autos, Flugzeuge, Fernseher und Waschmaschinen, wir tragen sie als Handy mit uns oder lassen uns im Krankenhaus sogar von ihnen durchleuchten und mit ihrer Unterstützung operieren. Aber wie sicher sind diese Systeme eigentlich? Paula Herber beschäftigt sich in ihrer Forschung, unter anderem in ihrem DFG Projekt RESCUE, mit Methoden und Techniken, mit denen die Korrektheit und Zuverlässigkeit komplexer eingebetteter Systeme sichergestellt werden kann. Einer ihrer Schwerpunkte liegt dabei auf formalen Methoden zur modularen Verifikation von integrierten Hardware/Software-Systemen.
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PD Dr. Mirjam Knörnschild

Auf welcher Abstraktionsebene kommunizieren Tiere miteinander? Wie konnte ein so komplexes Kommunikationssystem wie die menschliche Sprache entstehen? Die Verhaltensbiologin und Biolinguistin Mirjam Knörnschild, Heisenberg Fellow an der FU Berlin, erforscht die kommunikativen und kognitiven Fähigkeiten von Säugetieren, insbesondere von Fledermäusen, da dieses Taxon gut für vergleichende biolinguistische Studien geeignet ist. Fledermäuse haben ein reichhaltiges Lautrepertoire, können neue Laute durch Imitation erlernen und in langen, syntaktisch organisierten Lautfolgen miteinander kommunizieren - all dies sind Merkmale, die bei der Evolution von menschlicher Sprache eine zentrale Rolle eingenommen haben und an Fledermäusen vergleichend untersucht werden können.
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Dr. Christina Kühnl

Warum sind Firmen wie Google, Facebook und Apple so innovativ? Und warum haben alle ihren Sitz im kalifornischen IT-Cluster Silicon Valley? Interdisziplinäre Erkenntnisse der Clusterforschung geben auf diese Ausgangsfragen eine erste Antwort: Firmen profitieren davon, wenn sie ihren Sitz in geographischer Nähe zu anderen Firmen, also in einem Cluster, wählen. Während diese Erkenntnisse auf alle Cluster in der Welt übertragbar sind, bleibt weitestgehend unklar, warum der Erfolg von Silicon Valley so einzigartig ist. Die Betriebswirtschaftlerin Christina Kühnl hat sich zum Ziel gesetzt, dieses Phänomen genauer zu verstehen. Dazu untersucht sie die Innovationskultur in verschiedenen Clustern der Welt und beschäftigt sich damit, wie die Innovationskultur in Clustern gefördert werden kann.
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Dr. rer. nat. Elke Neu

Was haben ein Diamant und ein Kompass gemeinsam? Beide können magnetische Felder aufspüren. Elke Neu beschäftigt sich damit Verunreinigungen in Diamanten sog. Farbzentren als Kompass für die Nanowelt zu nutzen: Die in den Diamanten eingebauten "falschen Atome" sind selbst winzige Magnete (Spins) und können so magnetische Felder räumlich extrem genau vermessen. Um nanometergenaue Untersuchungen zu ermöglichen, werden die Farbzentren in Spitzen eingebracht, die das zu untersuchende System abtasten. Die Diamant-Sensoren sollen zukünftig  Messungen an biologischen Systemen ermöglichen, wo Ströme und die daraus entstehenden magnetischen Signale, Informationen z.B. über die Kommunikation von Zellen liefern. Die Forschung vereint dabei Aspekte aus Physik, Materialwissenschaft und Lebenswissenschaften.
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Dr. Jillian Petersen

"Bakterien sind überall, jedes Tier, auch jeder Mensch lebt alltäglich mit Milliarden von ihnen: Sie leben mit uns, in uns, auf uns, und ohne sie könnten wir nicht existieren. Die meisten Bakterien nützen uns, z.B. bei der Verdauung, oder bei der Abwehr gegen die wenigen krankmachenden Arten. Manche Tiere leben in einer sehr intimen Beziehung, in einer "Symbiose" mit nur einer bestimmten Bakterienart. In meiner Forschungsgruppe an der Universität Wien untersuchen wir, wie Muscheln und Kiemenbewohnenden Bakterien zu beiderseitigem Vorteil zusammenleben. Dieses ungewöhnlich einfache und natürliche System ist eine einzigartige Chance, die molekularen und physiologischen Mechanismen so einer Interaktion im Detail zu untersuchen."
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Jun.-Prof. Dr. Anne Kerstin Reimers

Warum bewegen sich viele Kinder und Jugendliche nicht ausreichend und wie können körperliche Aktivitäten und Sport zur Gesundheit beitragen? Anne Kerstin Reimers, Juniorprofessorin für Sportpädagogik (mit Schwerpunkt in Prävention und Rehabilitation) an der Technischen Universität Chemnitz, forscht zu sozialen und räumlich-materiellen Bedingungen von Sport- und Bewegungsverhalten im Kindes- und Jugendalter sowie zu den gesundheitlichen Effekten körperlicher Aktivität in der Prävention und Therapie ausgewählter Krankheitsbilder. Die Forschung an der Schnittstelle von Sportpädagogik, Sportmedizin und Public Health gibt Aufschlüsse über die gesundheitlichen Potentiale von Sport und Bewegung und untersucht, wie effiziente Programme der Gesundheitsförderung konzipiert werden.
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Dr.-Ing. Maha Salem

Intelligente Maschinen sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch welche Erwartungen und Wünsche, vielleicht auch Schwierigkeiten oder Ängste haben Menschen im Umgang mit dieser sich laufend wandelnden Technik? Mit diesen und weiteren Fragen befasst sich Maha Salem als User Experience Researcher bei Google im Forschungsbereich Mensch-Maschine Interaktion. Dabei spielt es keine Rolle, ob Menschen mit selbstfahrenden Autos, menschengroßen Robotern oder mobilen Smartphones interagieren - im Fokus steht der Benutzer, denn nur so können wirklich nützliche technische Helfer entwickelt werden. In ihrer alltäglichen Arbeit profitiert Maha von ihrer interdisziplinären und interkulturellen Forschungserfahrung, die sie zu vielseitigen und spannenden Studien inspiriert.
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Dr. Yasmin Temelli

Längst sind sie nicht mehr gesondert Thema medizinischer Fachpublikationen, sondern finden auch in öffentlichen Diskussionen zunehmend Berücksichtigung: Depressionen. In verstärktem Maße erfolgt ebenfalls eine literarische Verarbeitung. Jenseits der Aufnahme der Depression im Rahmen der Genieästhetik oder als Pathologie eruiert Yasmin Temelli mit Blick auf die aktuelle französische Prosa und auf der Basis einer narratologisch fundierten Kulturwissenschaft, inwiefern biopolitische Konfigurationen durch die Dysfunktion der Depression gequert werden. Verstanden als Bühne, auf der Problematisierungen verkörpert werden, versprechen die literarischen Repräsentationen ihre Potenz im Hinblick auf ein Emergieren gesamtgesellschaftlicher Implikationen der Depression zu entfalten.
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Dr. Kerstin von Pückler, Dipl. ECVDI

Wie funktioniert Regeneration und was machen Stammzellen bei der Arbeit? Dr. Kerstin von Pückler erforscht die optimale Darstellung von Stammzellen und Regenerationsprozessen mit Hilfe der Magnetresonanz- und Computertomographie bei unterschiedlichen Spezies. Die regenerative Medizin versucht unter Einsatz neuartiger Verfahren funktionsgestörte Zellen und Gewebe wiederherzustellen. Der Einsatz von Stammzellen scheint hier besonders erfolgversprechend. Um zu klären was geschieht, nachdem Zellen durch Injektion in Gewebe eingebracht werden, müssen Wege zur Darstellung der Zellen im lebenden Organismus gefunden werden. Durch spezielle Markierungen und "functional imaging" können Stammzellen sichtbar gemacht werden. Dies ermöglicht gleichzeitig eine Reduktion von finalen Tierversuchen.
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Assist.-Prof. Dr. Cornelia Welte

Können Mikroorganismen unser Klima retten? Und die Welternährung sichern? Die Mikrobiologin Cornelia Welte versucht in ihrer Forschung, Antworten auf diese beiden Fragen zu finden. Dazu untersucht sie zum einen Mikroorganismen, die das wichtige Treibhausgas Methan produzieren und abbauen, um in Zukunft die weltweite Methanemission besser zu verstehen, verherzusagen und steuern zu können. Zum anderen beschäftigt sie sich mit Bakterien, die im Darm von Schadinsekten leben und diesen ermöglichen, unsere Feldfrüchte zu fressen - in der Hoffnung, eine neue Generation von Insektenschutzmitteln zu entwickeln, die sich gezielt die enge Symbiose von Insekten und Mikroben zu Nutze machen. Sie verbindet dabei biochemische Expertise mit der Analyse von Genomen und ökologischen Faktoren.
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Dr. Lisbeth Zimmermann

"Mein Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Streit um globale Normen und den Effekten solchen Streits. In einem DFG-Projekt untersuche ich, wie sich die Art des Streits um internationale Normen auf deren langfristige Stabilität auswirkt. Ich untersuche dabei unter anderem die Internationalen Schutzverantwortung, das Folterverbots, und ein Verbot kommerziellen Walfangs. In einem weiteren Projekt möchte ich untersuchen, welche Auswirkungen Konflikte über Regeln im Bereich Kinderarbeit und Menschenhandel auf die Politik (grundlegenden Normen und Politiken) internationaler Organisationen haben. Zuletzt interessiert mich auf einer normativen Ebene, inwiefern solch ein Streit um Regeln im globalen Regieren eine Demokratisierung internationaler Beziehungen unterstützen kann."