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"What does India think?" Essay-Sammlung erschienen

Indien befindet sich im Umbruch. Mit zahlreichen Reformen will Premierminister Modi das Land wieder auf wirtschaftlichen Erfolgskurs bringen und in der internationalen Politik neu positionieren. Einen Einblick in die aktuelle Stimmungs- und Interessenlage des Subkontinents gibt die Essay-Sammlung "What does India think?". Vorgestellt wurde die von European Council on Foreign Relations und Robert Bosch Stiftung initiierte Publikation auf einer Podiumsdiskussion in Berlin.

"Modi will, dass Indien in der Weltpolitik wieder Ernst genommen wird.“ So fasste Ashok Malik, Senior Fellow des indischen Think Tanks Observer Research Foundation, die außenpolitischen Ambitionen des indischen Regierungschefs in Berlin zusammen. Gemeinsam mit Happymon Jacob, Professor an der Jawaharlal Nehru Universität in Delhi, und Francois Godemont, Direktor des Asienprogramms des ECFR, stellte der indische Intellektuelle Malik die Essay-Sammlung "What Does India Think?" vor. Darin entwerfen 16 namhafte indische Autoren ein Panorama der aktuellen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Stimmungs- und Interessenlage im Land. Denn parallel zu den Initiativen des indischen Premierministers nimmt der innenpolitische Widerstand gegen den Reformkurs zu. Anzeichen für eine zunehmende Beschneidung gesellschaftlicher Freiheiten in Indien mehren sich.

Seit Narendra Modi im Mai 2014 nach einem fulminanten Wahlsieg an die Macht kam, definiert sich der Subkontinent neu, so die einhellige Meinung des Podiums. Bei Besuchen in Berlin, Paris und London hat Modi für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Investitionen geworben. Die lauten Töne seiner "Make in India"-Kampagne sind in europäischen Wirtschaftskreisen gehört worden. Dennoch, der Umbruch in Indien findet laut Godemont nicht den entsprechenden Niederschlag in der europäischen Wahrnehmung, insbesondere nicht in der EU. Die 2004 initiierte strategische Partnerschaft zwischen der EU und Indien wirke wie eingeschlafen, obwohl es zahlreiche Argumente für die Europäer gibt, die Entwicklungen in Indien stärker in den Blick zu nehmen und die Kooperation voranzutreiben.

Und das nicht nur, weil Indien die derzeit am stärksten wachsende Volkswirtschaft der Welt ist und die EU ihr größte Handelspartner. Es gebe auch gemeinsame sicherheitspolitische Interessen, sei es in Afghanistan, im indischen Ozean oder bei der Bekämpfung des transnationalen Terrorismus - von der steigenden Bedeutung Indiens für die zukünftige Global-Governance-Architektur ganz zu schweigen. Dabei ist noch unklar, welche Strategie Indien außen- und sicherheitspolitisch in naher Zukunft verfolgt. Hier hält sich Modi, der in seiner 18-monatigen Amtszeit rund dreißig Staatsbesuche absolvierte, noch alle Türen offen. In Indien selbst hingegen herrscht derzeit eine spannungsgeladene Atmosphäre, die sich speist aus wirtschaftlicher Aufbruchsstimmung und Furcht vor einer Zunahme der hindunationalistischen Tendenzen der Regierungspartei.

Der Studie vorausgegangen war eine einwöchige Studienreise europäischer Politiker und Journalisten nach Delhi und Mumbai mit zahlreichen Gesprächen und Begegnungen. Das Fazit von Jakob von Weizsäcker, EU-Parlamentarier und Teilnehmer der Studienreise: "India has left the station - and it is high time that Europe’s view of India left the station as well."

Hören Sie die Aufzeichnung der Diskussion:

Publikation

European Council on Foreign Relations (Hg.)  What does India think?  Lesen und empfehlen