Aktuelles
Aktuelle Themen 2015

"Für Flüchtlingskinder wird der Zugang zur Bildung entscheidend sein"

TiL-Stipendiaten befragen die baden-württembergische Staatsministerin Silke Krebs

Bildung und Flüchtlinge - diese Themen beschäftigen zurzeit die Schülerinnen und Schüler aus dem Stipendienprogramm „Talent im Land Baden-Württemberg“. Im Staatsministerium in der Stuttgarter Villa Reitzenstein diskutierten Stipendiaten und Alumni zwischen 13 und 23 Jahren mit Ministerin Silke Krebs.

Für Marwan Khaled-Rashkani (21) und Sepideh Mousavi (20) ist die Frage besonders wichtig, ob sie ihre eigene Migrationsgeschichte nutzen können, um sich persönlich für Flüchtlinge zu engagieren. Darin bestärkte sie Silke Krebs: "Einige Menschen in Deutschland kritisieren Flüchtlinge dafür, dass sie sich angeblich nicht anpassen wollen. Aber wenn ihnen niemand erklärt, wie der Alltag in Deutschland abläuft, können sie das auch nicht." Es gehöre Mut dazu, sich in einem fremden Land zum Beispiel in einem Fußballverein anzumelden. Wer selbst eine ähnliche Situation erlebt habe, könne Flüchtlingen viel besser helfen. Sie empfahl den Stipendiaten, sich vor allem bei der Hausaufgabenhilfe und bei Spielangeboten für Kinder in Flüchtlingsunterkünften einzubringen: "Für die Flüchtlingskinder wird der Zugang zur Bildung entscheidend sein. Wenn das gelingt, ist bei der Integration viel gewonnen."

Wie man das Bildungssystem verbessern kann, interessiert den 19-jährigen Martin Drossos. Krebs befürwortet mehr Ganztags- und Gemeinschaftsschulen, denn: "Soziale Kompetenzen bilden sich in der Gemeinschaft aus." Es sei außerdem wichtig, dass Schüler sich nicht zu früh im Schulverlauf auf eine Richtung festlegen müssten. Ein Problem sei, dass viele Lehrer immer noch als Einzelkämpfer vor den Klassen ständen, statt im Kollegenteam eine gemeinsame Pädagogik zu entwickeln. "Schule muss insgesamt lebendiger und selbstorganisierter werden", sagte die Ministerin.

Nach der Diskussion erhielten die TiL-Stipendiaten eine Führung durch die Villa Reitzenstein, dem Sitz des Staatsministeriums in Baden-Württemberg.

Das TiL-Schülerstipendium der Robert Bosch Stiftung und der Baden-Württemberg Stiftung unterstützt begabte Schüler, die wegen ihrer sozialen Herkunft Hürden auf dem Weg zu Abitur oder Fachhochschulreife überwinden müssen. Viele von ihnen haben einen Migrationshintergrund, ihre Familien kommen beispielsweise aus dem Iran, dem Kosovo, Ägypten, Kamerun oder China.

(Anne Novotny, Oktober 2015)