Aktuelles
Aktuelle Themen 2015

Faire Bedingungen auf dem Weg zum Abitur

Mit "grips gewinnt" können Schüler bestehende Hürden überwinden

In Hamburg sind 110 engagierte und leistungsstarke Schülerinnen und Schüler in das Programm "grips gewinnt" aufgenommen worden. Sie erhalten Unterstützung auf ihrem Weg zum Abitur: Mit Seminaren, persönlichem Coaching und einer finanziellen Förderung von bis zu 150 Euro im Monat sollen sie bestehende soziale, finanzielle oder kulturelle Hürden überwinden.

"Mit grips gewinnt setzen wir uns für faire Startbedingungen junger Menschen ein - unabhängig von Herkunft und sozialem Status", sagt Uta-Micaela Dürig, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung. Denn laut Bildungsbericht "Bildung in Deutschland 2014" kann fast jedes dritte Kind unter 18 Jahren sein Potenzial aufgrund finanzieller, kultureller oder sozialer Umstände nicht voll entfalten. Zusammen mit der Joachim Herz Stiftung fördert die Robert Bosch Stiftung seit 2011 Schüler mit schwierigen Startbedingungen auf ihrem Weg zu Abitur oder Fachhochschulreife. Dass die Förderung Erfolg hat, zeigen die Bildungswege der ehemaligen Stipendiaten. Viele von ihnen haben inzwischen ein Studium für ihren Traumberuf aufgenommen.

Lernen Sie drei der neuen Stipendiaten kennen:
Nico

Mit gerade mal 14 Jahren musste sich Nico schon oft auf neue Situationen einstellen. Elfmal ist er schon umgezogen. Dennoch schaffte er es, sich immer wieder in neuen Schulen und mit neuen Mitschülern zurechtzufinden. Und er holt sich Hilfe, wenn er nicht weiterkommt: im Jugendclub, wenn er Probleme bei seinen Hausaufgaben hat oder in Zukunft bei "grips gewinnt". Sein Berufsziel steht schon fest: Er möchte Anwalt werden. Seine Lieblingsfächer in der Schule sind Ethik und Mathematik. Ethik, weil er dort lernen kann, mit anderen Menschen umzugehen und sie kennen zu lernen. Bei Mathematik gefällt ihm die logische Herangehensweise an Probleme. Nico gibt sich nicht einfach mit bestehenden Missständen zufrieden, sondern sucht nach Lösungen. So hat er es geschafft, über Spenden einen Soccercourt für seinen Jugendclub zu finanzieren. Was er sich vorgenommen hat, will er auch erreichen. Kein Wunder, dass eine seiner Lieblingssportarten Dauerlauf ist.
Tatjana

Wer sich auch für einen dritten Anlauf nicht zu schade ist, meint es ernst. Zwei Absagen von "grips gewinnt" haben Tatjana nicht entmutigt, im Gegenteil. Sie hat an ihrer Bewerbung gefeilt, und dieses Mal hat es geklappt. Die Hamburgerin wird bis zu ihrem Abitur im kommenden Jahr gefördert. Und kann sich damit hoffentlich noch stärker ihrem großen Interesse an Sprachen widmen. Russisch spricht sie zu Hause, in der Schule kamen noch Spanisch, Latein und natürlich Englisch dazu. Ihre Sprachkenntnisse gibt sie als Nachhilfelehrerin an jüngere Schüler weiter. Ihr großer Traum ist ein Auslandsaufenthalt in einem englischsprachigen Land. Wenn alles gut läuft, möchte sie dort auch studieren. Auf ein Studienfach hat sie sich noch nicht festgelegt. Da in ihrer Familie noch niemand studiert hat, erhofft sie sich von "grips gewinnt" ganz besonders Impulse und Beratung für ihre Studienwahl. Und sie möchte offener und kontaktfreudiger werden, vor allem im Austausch mit Jugendlichen aus anderen Kulturkreisen. Auch deswegen ist das Programm für sie wichtig.
Amadou

Die Jury war sich einig: "Ein Musterbeispiel gelungener Integration" ist Amadou für sie. Der 15-Jährige floh im Jahr 2012 aus Guinea nach Berlin. Zuvor hatte er dort nach dem Tod seiner Eltern und seiner Schwester drei Jahre auf der Straße gelebt. In Berlin angekommen, legte er eine beeindruckende Schulkarriere hin. Innerhalb kürzester Zeit lernte er Deutsch und holte auch seinen Rückstand in weiteren Sprachen auf. Seine Lehrer und Mitschüler am Romain-Rolland-Gymnasium beeindruckt er durch seine Leistungsbereitschaft, aber auch durch sein freundliches Verhalten und seine emotionale Stabilität. Ein klares Ziel hat er auch vor Augen: Das Abitur ist für ihn Pflicht. Und ein Studium im technischen Bereich die nächste Etappe auf seinem Bildungsweg. Von "grips gewinnt" erhofft er sich Unterstützung bei der Umsetzung seiner Ziele. Vor allem möchte er Jugendliche kennen lernen, die in einer ähnlichen Situation sind wie er. Und er möchte seine Erfahrungen weitergeben: Bereits während des Kennenlernseminars im September gründete er eine Gruppe mit Mitstipendiaten, um Flüchtlingen in Berlin zu helfen.