Aktuelles
Władysław Bartoszewski gehörte nach 1945 zu den wichtigsten Förderern der deutsch-polnischen Verständigung, obwohl er allen Grund gehabt hätte, die Deutschen zu hassen. Nach der Besetzung Polens durch Nazideutschland ging er in die polnische Widerstandsbewegung, wo er verfolgten Juden half, wurde verhaftet und ins KZ gesteckt. Er überlebte wie durch ein Wunder, um nach dem Kriege von den Kommunisten erneut mehrfach inhaftiert und drangsaliert zu werden.

In den achtziger Jahren als wichtiger Kopf der katholischen Opposition ins Exil gedrängt, unterrichtete er mehrere Jahre an westdeutschen Universitäten, und stand in enger Verbindung zu unserem früheren Kurator Hans Maier, damals bayerischer Kultusminister.

Nach dem Ende des Kommunismus in Polen war er zweimaliger polnischer Außenminister und zuletzt Beauftragter der polnischen Regierung für die deutsch-polnischen Beziehungen. Er gehörte seit den achtziger Jahren auch zu den Partnern unserer Stiftung, war mehrfach im Robert Bosch Haus, hielt einen Stiftungsvortrag und unterstützte unsere deutsch-polnischen Initiativen nachhaltig. Die Stiftung ermöglichte ihm u.a. die Arbeit an seinen Erinnerungen und förderte deren Übersetzung und Veröffentlichung unter dem Titel "Und reiß uns den Haß aus der Seele – die schwierige Annäherung von Polen und Deutschen". Dieses Buch führt uns heute, in Zeiten guter deutsch-polnischer Zusammenarbeit in Europa, noch einmal vor Augen, wie schwierig nach Krieg, Besatzungs- und Vertreibungsverbrechen dieses Verhältnis bis vor zwei Jahrzehnten noch war. Bartoszewski hatte großen Anteil daran, daß dies nun Geschichte ist. Sein nimmermüdes Engagement brachte ihm aber nicht nur Freunde, auch weil er sehr rigoros in seinen Ansichten und Äußerungen war und keinem Streit aus dem Weg ging. Seine unglaubliche Energie und Aktivität machte einfach sprachlos. Er sagte oft: "Ich lebe noch, und das geschieht meinen Feinden ganz recht!" Es ist schade, daß er diesen Triumph nicht noch länger auskosten konnte. Wir haben mit seinem Tod einen großen Freund und wichtigen Ratgeber verloren und werden seiner immer mit Respekt und tiefer Dankbarkeit gedenken.

Für das Kuratorium
Dr. Kurt W. Liedtke
Dr. Christof Bosch


Für die Geschäftsführung
Dr. Ingrid Hamm
Prof. Joachim Rogall