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Aktuelle Themen 2015

Wir trauern um unseren Kurator
Bundespräsident Dr. Richard Freiherr von Weizsäcker

Richard von Weizsäcker gehörte von 1973 bis 1997 dem Kuratorium der Robert Bosch Stiftung an, ab 1990 in ruhender Funktion. Er hat die Robert Bosch Stiftung geprägt wie kein anderer ihrer Kuratoren. Einen besseren hätte sie nicht finden können.

Von Weizsäcker vereinte auf einmalige Weise Weltbürgertum und Patriotismus und hatte sowohl die großen Menschheitsfragen als auch die lokalen Nöte und Anforderungen im Blick. Er verkörperte wie Robert Bosch die besten deutschen Traditionen und war ein begnadeter Menschenanreger und Menschenverbinder. Ein wortgewaltiger, aber leiser deutscher Jahrhundertmensch, der als parteiübergreifend anerkannte moralische Instanz ruhig und abwägend sein Land bewegt und verändert hat.

Die Robert Bosch Stiftung verdankt ihm entscheidende Weichenstellungen ihrer fünfzigjährigen Geschichte, vor allem in der Völkerverständigung. Seiner Initiative ist die Einrichtung des Polen-Schwerpunkts im Jahre 1974 zu verdanken, der die Robert Bosch Stiftung zu einem Pionier der Förderung der deutsch-polnischen Beziehungen werden ließ. Ähnlich weitsichtig war seine Anregung, ab 1984 auch verstärkt in die Vertiefung der deutsch-amerikanischen Beziehungen zu investieren. Mitte der 2000er Jahre war Richard von Weizsäcker Mitglied der Internationalen Balkan-Kommission der Stiftung, die Perspektiven für Südosteuropa entwickelte. Auch in der Förderung der Bildung, der Kultur und der Wohlfahrtspflege gab er der Stiftung mit seinem weiten Horizont und seiner unermüdlichen Sorge um die Zukunft unserer Gesellschaft wichtige Anregungen. Bis zuletzt blieb er seiner Robert Bosch Stiftung eng verbunden, verfolgte ihre Entwicklung und Aktivitäten, gab Anregungen und Rat und war bei wichtigen Veranstaltungen präsent, zuletzt beim 40-jährigen Jubiläum der Förderung der deutsch-polnischen Beziehungen im April 2014.

Diese Nähe war für die Robert Bosch Stiftung eine besondere Ehre und Verpflichtung. Ein von der Stiftung begründeter Richard v. Weizsäcker-Lehrstuhl an der Johns Hopkins Universität und ihr wichtigstes Stipendienprogramm, die Richard von Weizsäcker Fellows an der Robert Bosch Academy in Berlin, geben dieser besonderen Verbindung Ausdruck.

Wir haben einen großen Förderer und Freund verloren und werden seiner stets mit tiefer Dankbarkeit gedenken.

Für das Kuratorium
Dr. Kurt W. Liedtke
Dr. Christof Bosch


Für die Geschäftsführung
Dr. Ingrid Hamm
Prof. Joachim Rogall
Richard von Weizsäcker zu begegnen, war eine Freude. Als Familie erlebten wir diese in früheren Jahren oft, denn er übernachtete anlässlich der Kuratoriums-Sitzungen der Robert Bosch Stiftung meist in meinem Elternhaus.

Später traf ich ihn auch in der Stiftung und in anderen Zusammenhängen immer wieder. Und stets ging etwas eigentümlich Gewinnendes von ihm aus. Keinerlei Herablassung oder Anbiederung war zu spüren, sondern die frische Luft eines klaren und zugleich warmherzigen Geistes. Er konnte kritisieren, ohne herabzuwürdigen, und loben, ohne gefällig oder bequem zu sein. Für die Stiftung war er nicht nur ein wunderbarer Gesprächspartner, sondern ein Ansporn, nicht in Selbstgefälligkeit zu verfallen, ihr Handeln zu hinterfragen und sich neuen Aufgaben zu stellen. Und dabei war zugleich immer spürbar, dass er die Arbeit der Stiftung hoch schätzte und sich ihr tief verbunden fühlte. Ich meine, man darf diese Beziehung eine Liebe nennen.

Christof Bosch