Pressemeldungen 2015
Pressemitteilung

Wo Israelis und Araber in Frieden studieren

  • Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu Gast beim Haifa Dinner in der Robert Bosch Stiftung

Stuttgart, 27. Oktober 2015 - Israel wird seit Wochen von einer neuen Welle der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern erschüttert. Die aktuellen Anschläge und Auseinandersetzungen belegen eindringlich, wie wichtig das Engagement für interkulturelle Verständigung in Nahost derzeit ist. Ein Ort, an dem das Zusammenleben der Bevölkerungsgruppen beispielhaft gelingt, ist die Universität Haifa. Seit 45 Jahren setzt sich die drittgrößte Hochschule des Landes für den jüdisch-arabischen Dialog ein. Täglich treffen tausende arabische Studenten auf ihre jüdischen Kommilitonen, um gemeinsam auf dem Campus zu lernen. In dieser Größenordnung gibt es weltweit keinen vergleichbaren Ort.

In Deutschland wird die Universität von einem Fördererkreis unterstützt, der zu diesem Zweck regelmäßig Informations- und Spendenabende organisiert. Am Dienstag veranstalteten erstmals die Robert Bosch Stiftung und die ZEIT Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius einen solchen Abend zu Gunsten des Fördererkreises der Universität Haifa. Ehrengast des Haifa-Dinners war Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

In den Räumen der Bosch Stiftung sprach er über das Verhältnis von Staat, Gesellschaft und Religion - auch im Einwanderungsland Deutschland ein Integrationsthema von wachsender Brisanz. "Die hierzulande kooperative Trennung zwischen Staat und Religion, eine die Glaubensfreiheit für alle Bekenntnisse gleichermaßen fördernde und fordernde Haltung, ist ein bedeutender Gewinn für unsere Gesellschaft", so Kretschmann. "Dies zeigt sich auch aktuell in der großen Herausforderung der Flüchtlingsaufnahme. Die damit verbundenen Probleme und Belastungen sind enorm - jedoch erleben wir auch einen hohen Grad an Empathie und Solidarität in der Bevölkerung. Eine wichtige Stütze sind dabei auch die Kirchen und die Ehrenamtlichen in Kirchengemeinden und kirchlichen Gruppen, die in der Mitte unserer Gesellschaft stehen und wirken."

Die Universität Haifa gilt mit ihren rund 18.000 Studenten als die liberalste wissenschaftliche Einrichtung in Israel. Ein Fünftel der Studenten und viele Professoren sind arabische Israelis, so wie Professorin Mouna Maroun. Die weltweit anerkannte Neurobiologin ist eine der ersten arabischen Frauen, die eine akademische Führungsposition in Israel besetzen. Geholfen hat ihr dabei das "Arab Women Graduate Program", mit dem die Universität Haifa und ihr deutscher Fördererkreis vielversprechende arabische Studentinnen unterstützen. Den jungen Frauen ermöglicht die weiterführende wissenschaftliche Ausbildung eine berufliche Karriere -, die sonst nur schwer möglich ist. Grund dafür sind neben der sozialen Benachteiligung der arabischen Minderheitsbevölkerung die traditionell geprägten Rollenbilder, die tief in den arabischen Gemeinden und Familien in Israel verankert sind.

"Das ,Arab Woman Graduate Programm‘ leistet einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung im Nahen Osten, zur Chancengleichheit von Frauen und zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses", so Kretschmann. "Gerade in der derzeit wieder sehr angespannten Situation in Israel mit Terroranschlägen und gewalttätigen Auseinandersetzungen sind solche Projekte wichtige Anker für eine friedliche und gleichberechtigte Koexistenz unterschiedlicher Religionen, Ethnien und Geschlechter."

Im Rahmen des Haifa Dinners berichtete Maroun gemeinsam mit Professorin Michal Yerushalmy, der Vizepräsidentin der Universität, über ihre Arbeit und die Besonderheit des Campus der Universität Haifa.

Kontakt

Michael Herm
Telefon 0711 46084-290