Migration und Arbeitsmarkt - Modellvorhaben aus der Praxis
Migration und Teilhabe

Migration und Arbeitsmarkt - Modellvorhaben aus der Praxis

Nach wie vor steigt die Anzahl der Menschen, die in Deutschland Schutz vor Verfolgung suchen. Trotz der Integrationsbemühungen der letzten Jahre ist die deutsche Gesellschaft nur unzureichend auf die aktuellen Entwicklungen vorbereitet: Neben dem Schutz und der Begleitung von Asylsuchenden und Flüchtlingen geht es langfristig auch um die Förderung und Integration in Ausbildung und Arbeitsmarkt.

Wir fördern Projekte und Modellvorhaben, die diese Aspekte in den Blick nehmen und Spielräume nutzen. Eine institutionenübergreifende Zusammenarbeit ist dabei ebenso wichtig wie die perspektivische Übertragung in andere Kontexte und Regionen.

Auf den folgenden Seiten stellen wir ausgewählte Projekte unserer Förderung vor.

Kontakt in der Stiftung

Sara Genc
Telefon 0711 46084-159
Qualifizierung von Asylbewerbern im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Noch bis 2014 wurde Asylbewerbern nach ihrer Ankunft in Deutschland ein neunmonatiges Arbeitsverbot auferlegt. Zwar ist diese Sperre inzwischen auf drei Monate gesenkt, gleichwohl gilt auch nach Ablauf dieser ersten Frist ein nachrangiger Arbeitsmarktzugang: Deutsche, aber auch EU-Ausländer oder anerkannte Flüchtlinge sind für die meisten Stellen "bevorrechtigt". In der Praxis kommt diese Regelung einem Beschäftigungsverbot gleich. Diese Beschäftigungslosigkeit hat zur Folge, dass es dem Alltag vieler Asylbewerber an Struktur und Aufgaben fehlt. Die Entwicklung einer neuen Lebensperspektive wäre in dieser Zeit nötig, wird aber bislang kaum unterstützt.

In Anbetracht steigender Asylbewerberzahlen stellt dies vor allem ländliche Regionen vor neue Herausforderungen. Im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald entwickelte das Landratsamt deshalb einen Lösungsansatz, bei dem gemeinsam mit Asylbewerbern schon im ersten Jahr nach ihrer Ankunft Möglichkeiten der späteren Beschäftigung erarbeitet werden mit dem Ziel, den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern.

Im Rahmen des Projekts wird der Zeitraum des faktischen Arbeitsverbots sinnvoll genutzt, indem Bedarfe für die berufliche und sprachliche Qualifizierung ermittelt werden. Unter Berücksichtigung der individuellen Lebenslage wird ein persönliches Kompetenzprofil erstellt, das die Grundlage für entsprechende Gruppenangebote darstellt. Dazu gehören u. a. Sprachkurse, Kurse zur beruflichen Qualifikation und Freizeitkurse. Alle Asylbewerber, für die die vorhandenen Gruppenangebote nicht in Frage kommen, werden an ehrenamtliche Paten vermittelt, die ihre Begleitung an die individuellen Bedürfnisse der AsylbewerberInnen anpassen.

Neben der Möglichkeit, sich bestmöglich zu qualifizieren und ihr Potential zu entfalten, werden die Asylbewerber bei dem Schritt in eine selbstständige Lebensführung unterstützt. Die berufliche und sprachliche Qualifizierung fördert sowohl die gesellschaftliche Integration als auch die Entwicklung einer mittel- und langfristigen Lebensperspektive.

Kontakt

Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald
Ulrich Bosch
Telefon 0761 2187-2286
Förderprojekt für geduldete Jugendliche und Heranwachsende in Köln
Im Jahr 2011 wurde der § 25a Aufenthaltsgesetz für gut integrierte Jugendliche und Heranwachsende eingeführt. Dieser setzt für die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis unter anderem voraus, dass sie sechs Jahre erfolgreich im Bundesgebiet eine Schule besucht oder einen in Deutschland anerkannten Schul- oder Berufsabschluss erworben haben. Wesentliche Voraussetzung sind hierbei allerdings Sprachkenntnisse. Geduldete Jugendliche und junge Erwachsene haben jedoch keinen gesetzlichen Anspruch auf Integrationskurse. Viele sind zudem nicht mehr schulpflichtig, werden also durch kein Fördernetz aufgefangen.

Die Ausländerbehörde der Stadt Köln hat deshalb ein Förderprojekt für geduldete Jugendliche und Heranwachsende gestartet, das in einer Pilotphase 75 langfristig geduldeten Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren eine Perspektive für die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis gemäß § 25a Aufenthaltsgesetz verschaffen möchte. Die Umsetzung erfolgt durch eine enge Kooperation von Ausländerbehörde, Sprachkursträgern, Jobcentern, Beratungsdiensten und Betrieben.

Das Projekt unterteilt sich dabei in drei Phasen: In einem ersten Schritt prüft die Ausländerbehörde, welche Jugendlichen für das Projekt in Frage kommen und sucht das persönliche Gespräch unter Beteiligung von Erziehungsberechtigten und Beratungsdiensten. Die zweite Phase umfasst die Teilnahme an einem Jugendintegrationskurs. Zusätzlich werden die Teilnehmer durch Jugendmigrationsdienste beraten und erhalten über ein Praktikum Einblick in die Arbeitswelt. Diese Phase schließt mit dem Deutsch-Test für Zuwanderer ab. Im Anschluss an den Kurs sollen die Jugendlichen in internationale Förderklassen der Berufskollegs integriert werden, die sowohl die Möglichkeit zum Erwerb des Hauptschulabschlusses als auch zum Übergang in eine Berufsausbildung bieten.

Kontakt

Dagmar Dahmen
Telefon 0221 221-2643
Frank Wohlgemuth
Telefon 0221 221-26848