Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus

Geförderte Projekte

Im Rahmen der zweiten Ausschreibung wurden bundesweit sieben Projekte ausgewählt, deren Umsetzung im Sommer 2015 gestartet ist. Die folgenden Kurzbeschreibungen geben Ihnen Einblicke in die Konzepte und Maßnahmen der geförderten Akutkrankenhäuser zur Verbesserung der Versorgung von Patienten mit der Begleitdiagnose Demenz.
Agaplesion Bethesda Krankenhaus Stuttgart
Das AGAPLESION BETHESDA KRANKENHAUS STUTTGART ist ein Krankenhaus der Regelversorgung mit 150 Betten im Herzen Stuttgarts. Seit 2006 wurde konzeptionell begonnen, das Haus für die Herausforderungen des demografischen Wandels zu profilieren und damit auch in Richtung Altersmedizin auszurichten. Eine umfassende Verbesserung der medizinisch-menschlichen Behandlung von älteren, somatisch erkrankten Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus wird im Rahmen des nunmehr begonnenen Projekts "DemSens - Demenzsensibles Krankenhaus" angestrebt. Ziele sind u.a. segregative Versorgung von Menschen mit Delir oder herausforderndem Verhalten sowie Erfassung und Verbesserung des Ernährungszustands bzw. der Dysphagie bei Patienten mit Demenz. Interdisziplinarität und Verbesserung/Erhalt von Lebensqualität – auch während einer notwendigen Krankenhausbehandlung – sind wichtige Prinzipien des Projekts.
Alexianer St. Hedwig Kliniken Berlin
Die St. Hedwig Kliniken Berlin GmbH, die unter dem Dach der Alexianer GmbH zwei voneinander unabhängige Standorte vereint, nämlich das Krankenhaus Hedwigshöhe mit einer Grund- und Regelversorgung somatischer und psychiatrischer Erkrankungen mit insgesamt 385 Betten im Stadtbezirk Berlin-Treptow und das St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin-Mitte mit insgesamt 377 Betten.

Ziel des Projekts ist es die komplexen Abläufe in einer bereits bestehenden interdisziplinären Notaufnahme (INA) eines Akutkrankenhauses so zu organisieren, dass sie auf die spezifischen Bedürfnisse von Demenzerkrankten angemessen eingehen. Dazu sind die Haltung und fachliche Qualifikation der Mitarbeiter (u.a. INA Team, Stationsteam, anfahrende Rettungsdienste, Polizei), die Konzepte, Prozesse und die räumliche Gestaltung der INA sowie Fortbildung und Aufklärung innerhalb des Bezirksnetzwerks notwendig. Die Erkenntnisse werden kontinuierlich evaluiert und standardisiert in einem ersten Manual-Entwurf zusammengestellt. Die Machbarkeit wird durch einen Transfer des Konzepts in ein zweites Krankenhaus innerhalb des Förderzeitraums untersucht. Das überarbeitete Manual soll im Open Access verfügbar sein.
Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge Berlin
Das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge, ein Haus der Regelversorgung mit rund 620 Planbetten, widmet sich bereits seit dem Jahr 2007 verstärkt den Bedürfnissen von älteren Patienten mit kognitiven Einschränkungen.

Das innovative Ziel des nunmehr begonnenen Projektes - "Akutkrankenhaus als 'window of opportunity' für nachhaltige Demenzbehandlung" - ist, dass nicht nur die Risiken und Belastungen für Patienten mit Demenz durch die Etablierung von umfassenden Behandlungs- und Betreuungskonzepten im Akutkrankenhaus reduziert werden, sondern der Aufenthalt kann als eine Chance genutzt werden, die Kranken auch wegen der Demenz zu behandeln um eine nachhaltige Verbesserung der sozialen Teilhabe in der Häuslichkeit zu erreichen. Zugleich soll die Zusammenarbeit des Hauses mit den lokalen Versorgungsakteuren weiter ausgebaut werden, um eine an den individuellen Bedarfen ausgerichtete, lückenlose und kontinuierliche Versorgung von Demenzkranken vor, während und nach dem Krankenhausaufenthalt zu sichern. Dafür sind u.a. folgende Maßnahmen vorgesehen: Implementierung der Selbsterhaltungstherapie basierten Behandlungs- und Betreuungskonzepten, Schulungen für am Behandlungs- und Versorgungsprozess beteiligte Berufsgruppen, Angehörige, freiwillige Helfer sowie für Haus- und Fachärzte aus dem Stadtbezirk, Etablierung von Liaisondiensten, Integration von Angehörigen und soweit möglich der Patienten selbst in die Behandlung sowie Aufbau von neuen strukturellen Einheiten, die auf die speziellen Bedürfnisse von Patienten mit Demenz und anderen älteren Kranken mit relevanten kognitiven Beeinträchtigungen eingestellt sein werden.
Johanniter Krankenhaus Bonn
Das Johanniter-Krankenhaus ist ein Haus der Regelversorgung mit rd. 360 Betten in Bonn. Im Fokus des Projekts steht die Etablierung psychosozialer Interventionen wie kognitive Stimulation, autobiographische Arbeit und Musiktherapie bei neuropsychiatrischen Symptome bei Patienten mit Demenz. Diese Symptome wie Angst, Depression, Agitation und Aggressivität sind für die Betroffenen und ihre Angehörigen extrem belastend sowie für die Mitarbeiter im Krankenhaus besonders betreuungsintensiv. Neben diesen Maßnahmen sind für die verbesserte Identifikation von und den verbesserten Umgang mit Patienten mit Demenz verpflichtende Fortbildungen für alle Mitarbeitergruppen und die Ausbildung spezifischer Demenz-Case-Manager sowie die Einführung eines Kognitions-Screening-Tools für die Notfallaufnahme und alle Normalstationen geplant. Zudem soll ein Strukturkonzept für eine interdisziplinäre Demenzstation erarbeitet werden.
Katholisches Marienkrankenhaus Hamburg
Das Katholische Marienkrankenhaus mit 9 bettenführenden Abteilungen ist ein modernes Gesundheitszentrum in Hamburg, das inzwischen jährlich 90.000 Patienten betreut. Auf konservativen Stationen und in der Zentralen Notaufnahme der Klinik wurden schon demenzfreundliche Konzepte umgesetzt. Im Rahmen des Projekts "Vernetzte präventive Ansätze zur Vermeidung von Notfallsituationen bei Krankenhausaufnahme und Krankenhausbehandlung" werden nun anhand einer Modellstation diese Konzepte an die Situation in interdisziplinären alterstraumatologischen Bereichen angepasst und entsprechend umgesetzt. Daneben werden Abläufe in Funktionsbereichen demenzfreundlich optimiert. Einflüsse der Maßnahmen auf Stürze und Weglauftendenz werden standardisiert erfasst. Des Weiteren wird an einer Modellpraxis eine geriatrische heimärztliche Versorgung etabliert, um Notfalleinweisungen zu minimieren. Im Rahmen der Förderung soll auch ein zweitägiger Kurs für Mitarbeiter von Rettungsdiensten zum Thema "Patienten mit kognitiver Einschränkung im Rettungsdienst" modellhaft veranstaltet werden, um die Versorgung demenzkranker Menschen an der Schnittstelle von ambulant und stationär zu optimieren.
Klinikum Stuttgart
Das Klinikum Stuttgart bietet mit seinen drei Häusern als Krankenhaus der Maximalversorgung eine umfassende medizinische Versorgung. Das Klinikum weist bereits Angebote mit altersspezifischer Schwerpunktsetzung auf. Zu nennen sind hier unter anderem die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie für Ältere (KPPÄ) mit ihren drei zugehörigen stationären Bereichen, der Tagesklinik, der Memory Clinic und den GerBera-Diensten, das Geriatrische Zentrum Stuttgart (GZS) sowie das Geriatrische Konsil (GK) und das Gerontopsychiatrische Konsil (GPK). Das neu gebildete Interdisziplinäre Medizinische Zentrum (IMZ) und die Entwicklung des Multidisziplinären Altersmedizinzentrums am Klinikum Stuttgart (MAKS) sind weitere Schritte hin zu einer altersspezifischen Ausrichtung.

Das Projekt "HuBerDa - Handeln im Hier und Jetzt! Bereit zum Demenz- und Alterssensiblen Krankenhaus" zielt darauf ab, den Akuterkrankungspfad bei kognitiv eingeschränkten und hochaltrigen Patienten durch die ideale Vernetzung vorhandener Expertise und die Ergänzung eines Bündels evidenzbasierter Einzelinterventionen aus "Good-Practice-Projekten" zu optimieren. Auf ein verbessertes Aufnahmeverfahren und das Kognitionsscreening folgen psychoneurogeriatrische Diagnostikstandards mit Angehörigeneinbezug und pharmakologischer Beratung, demenzsensible Erweiterung bestehender Patientenpfade, Schulungsmodule für alle Mitarbeiter und spezifische Interventionserprobung (OP-Begleitung, Tagesaktivierungs- und Delirkonzept, Raumanpassung). Dabei sollen Delirien und Stürze seltener, Liegezeiten kürzer und Reha-Maßnahmen häufiger werden, um nachhaltige Lebensqualitätsverbesserung für an Demenz erkrankte Menschen sowie Behandlungszufriedenheit bei Angehörigen und Klinikpersonal zu erzielen.
Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein Sieg
Mit der Förderung im Rahmen des Programms "Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus" rückt am Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein Sieg in Bonn die Reduktion fordernder Verhaltensweisen durch verbesserte Schmerzerkennung und -therapie bei Menschen mit Demenz in den Fokus. Diese Verhaltensweisen stellen eine besondere Herausforderung im Stationsalltag einer Akutklinik dar, führen sie doch zu erheblichen Störungen im normalen Tagesablauf. Nicht erkannter Schmerz gilt dabei als einer der häufigsten Ursachen für das gezeigte Verhalten, da beispielsweise Patienten mit fortgeschrittener Demenz meist nicht mehr in der Lage sind, ihre Schmerzen verbal zu äußern und zu erklären.

Es ist vorgesehen, ein Fortbildungsprogramm für Professionelle und Laien mit einem standardisierten Vorgehen bei Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln und alle patientennahen Mitarbeiter hinsichtlich der Schmerzerkennung bei Patienten mit Demenz zu schulen. Des Weiteren ist die Implementierung eines Schmerzassessments im Klinikalltag geplant. Damit soll einerseits eine bessere Schmerzversorgung von Patienten mit Demenz erreicht und andererseits eine deutliche Reduktion fordernder Verhaltensweisen bei Patienten mit Demenz erzielt werden.
Im Rahmen der ersten Ausschreibung wurden fünf Projekte ausgewählt, deren Umsetzung im Herbst 2013 gestartet ist. Die folgenden Kurzbeschreibungen geben Ihnen Einblicke in die Konzepte und Maßnahmen der geförderten Akutkrankenhäuser zur Verbesserung der Versorgung von Patienten mit der Begleitdiagnose Demenz.
Albertinen-Krankenhaus Hamburg
Das Albertinen-Krankenhaus, ein Krankenhaus mit 632 Planbetten, hat seit 2011 auf ausgewählten Stationen bereits räumliche, infrastrukturelle und medizinisch-pflegerische Konzepte zur Verbesserung der Versorgung von Patienten mit Demenz erprobt und umgesetzt. Im Projekt „Starke Angehörige – starke Patienten“ wird die Rolle von Angehörigen in den Fokus genommen.
Ziel des Projekts ist es, die Potenziale von Angehörigen für den Behandlungs- und Pflegeprozess zu erschließen und sie aktiv in die Entscheidungsfindung einzubeziehen. Die Interaktion zwischen Behandlungsteam, Patient und Angehörigen wird befördert, unnötige Belastungen für den Patienten vermieden und das Behandlungsergebnis insgesamt verbessert. Gleichzeitig erfahren die Angehörigen selbst Unterstützung und die Mitarbeiter in ihrem Arbeitsalltag eine Entlastung.

Aufbauend auf einer Ist-Analyse zu den Bedürfnissen, Erwartungen und Anforderungen von Angehörigen, Ärzten, Pflegekräften und Sozialarbeitern werden Mitarbeiter-Schulungen durchgeführt. Informations-, Beratungs- und Austauschangebote für Angehörige werden implementiert und auch ehrenamtliche Demenzbegleiter stehen für Gespräche zur Verfügung. Zudem werden ein Kurzfilm und ein Flyer erstellt, um die Prozesse eines Krankenhausaufenthaltes transparenter zu machen.
Diakonissenkrankenhaus Dresden
Das Diakonissenkrankenhaus Dresden mit 230 stationären Betten verfügt bisher über keine geriatrische oder gerontopsychiatrische Fachabteilung. Um die steigenden Anzahl von Patienten mit der Begleitdiagnose Demenz dennoch optimal versorgen zu können, wird ein umfassendes demenzsensibles Konzept für das Haus entwickelt. Ziel des Projektes ist es, die medizinische und pflegerische Versorgung von Menschen mit Demenz während, aber auch nach ihrem Krankenhausaufenthalt zu verbessern. Zu den Maßnahmen zählen u.a. die Einführung eines Screenings zur frühzeitigen Identifikation von Patienten mit kognitiven Einschränkungen, die Anpassung der Versorgungsabläufe für diese Patienten, die Qualifizierung des Krankenhauspersonals sowie der Ausbau der Beratungsangebote für Angehörige. Zudem wird eine angepasste Raumgestaltung in Patienten- und Behandlungsräumen und öffentlichen Bereichen erprobt, um kognitiv eingeschränkten Patienten die situative, räumliche und zeitliche Orientierung während des Klinikaufenthaltes zu erleichtern.
Evangelisches Krankenhaus Alsterdorf
Das Evangelische Krankenhaus Alsterdorf verfügt mit der Station DAVID für akut-internistisch erkrankte Patienten mit einer Demenz bereits seit 2011 über eine Spezialstation, deren Konzept wissenschaftlich evaluiert und mit Preisen ausgezeichnet wurde. Mit der Förderung im Rahmen des Programms "Menschen mit Demenz im Krankenhaus" wird nun die gesamte Klinik demenzsensibel weiterentwickelt. Im Mittelpunkt des Projektes steht dabei die Frage, wie die Autonomie und das Selbstbestimmungsrecht von Patienten mit Demenz im Klinikalltag gewahrt bleiben können. Häufig gibt es darüber Unsicherheit zwischen Arzt, Pflegekraft, Patient und Angehörigen. Hierzu wird ein Leitfaden mit Handlungsempfehlungen entwickelt.

Darüber hinaus werden Ärzte und Pflegekräfte im gesamten Krankenhaus im Umgang mit Patienten mit Demenz geschult, die Öffentlichkeit unter anderem mit kurzen Filmen über die besonderen Bedürfnisse von Patienten mit Demenz im Krankenhaus informiert und Projektergebnisse auf einer Tagung vorgestellt.
Evangelisches Krankenhaus Bielefeld
Das Evangelische Krankenhaus Bielefeld, ein Haus mit rund 1.500 Betten, widmet sich seit 2010 verstärkt den Bedürfnissen älterer Menschen im Krankenhaus. Ein Projekt zur Erkennung und Vermeidung des Delirs wurde bereits erfolgreich implementiert und führte zu einer allgemein verbesserten Wahrnehmung der Bedürfnisse dieser Patientengruppe. Das Projekt "Erkennen und Handeln" baut auf diesen Erfahrungen auf und stellt nun spezifisch die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz in den Fokus. Ziel ist es, Patienten mit kognitiven Einschränkungen zügig und sicher zu identifizieren und anschließend optimal zu versorgen. Die Maßnahmen des Projektes, z. B. ein Kurzscreening kognitiver Störung bei der Aufnahme der Patienten und eine demenzfreundliche Raumgestaltung, werden auf einer ausgewählten Interventionsstation erprobt, optimiert und anschließend krankenhausweit implementiert. Nach einer Ist-Analyse zu Wissensstand, Kompetenz- und Belastungsempfinden der Mitarbeiter wird darauf aufbauend ein Schulungskonzept für Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten und Servicepersonal entworfen.

In das Projekt sind auch die Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld sowie das Institut für Bevölkerungs- und Gesundheitsforschung der Universität Bielefeld eingebunden. Die umfassende wissenschaftliche Begleitung wird Bedarf und Nutzen der einzelnen Projektbausteine für die Patienten und das Krankenhaus aufzeigen.
Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart
Das Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) in Stuttgart verfügt in der Rehabilitation und der ambulanten Versorgung von Demenzkranken bereits über langjährige Erfahrung. Aufbauend auf dieser Expertise wurde 2012 begonnen, eine Konzeption für eine demenzsensible Versorgung auf den Akutstationen zu entwickeln. Im Sommer 2013 wurde eine zehn Betten umfassende Spezialeinheit zur internistischen Behandlung von geriatrischen Patienten mit kognitiven Einschränkungen eröffnet. Auf der Station für "Kognitive Geriatrie" kann spezifisch auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit kognitiven Einschränkungen eingegangen werden. Neben der medizinischen Versorgung wird ein umfangreiches therapeutisches Programm angeboten.

Ziel des geförderten Projektes ist es, für den gesamten Akutbereich des RBK einen Behandlungspfad für Patienten mit der Begleitdiagnose Demenz zu entwickeln. Mit dessen Hilfe werden kognitiv eingeschränkte Patienten frühzeitig erkannt, mit minimalen Verlegungen von der Aufnahme bis zur Entlassung geleitet und auf ihre Bedarfe ausgerichtet optimal versorgt. Neben den Maßnahmen auf der Station „Kognitive Geriatrie“ werden die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz in den verschiedenen Abteilungen des Akutbereiches analysiert und darauf aufbauend Maßnahmen implementiert: die Einführung von Screeningverfahren, die Erprobung von Gerontotechnologien, die Anpassung der Organisationsstrukturen und ein Qualifizierungsprogramm für die Mitarbeiter.