Gespräch im Park

Der Mensch als Störfaktor?! - Wie die digitale Vernetzung Arbeitswelt und Gesellschaft verändert

Die digitale Vernetzung bedeutet nicht weniger als eine Zeitenwende. Die Robert Bosch GmbH und die Robert Bosch Stiftung haben deshalb die Veranstaltungsreihe "Gespräch im Park" in diesem Jahr unter das Oberthema Digitalisierung gestellt. Nach einer ersten Diskussion über Big Data standen am 20. Juli die Auswirkungen der digitalen Vernetzung für Unternehmen und Gesellschaft auf der Tagesordnung.

Erstmals hielten zwei hochrangige Experten die Impulsreferate.

Dr. Christoph Kucklick, Chefredakteur des Reportagemagazins GEO und Autor des Sachbuches "Die granulare Gesellschaft. Wie das Digitale unsere Wirklichkeit auflöst" beschrieb zugespitzt drei revolutionäre Folgen der Digitalisierung. Intelligenz-Revolution nennt Kucklick den Einsatz von intelligenten Maschinen in fast allen Lebensbereichen. Diese Entwicklung führe zu einer massiven Umverteilung von Wissen, Know-how und wirtschaftlichen Chancen. Mit Differenz-Revolution bezeichnet Kucklick die Möglichkeit, mit Hilfe der digitalen Technik bisher verborgene Unterschiede zwischen Menschen zu messen und zu verwerten. Ob als Konsument, Patient oder Wahlbürger - der einzelne Mensch rückt in den Fokus, der Durchschnitt ist tot. Die Kontroll-Revolution schließlich wirft die Frage nach der Hoheit über die Daten auf. Staaten aber auch große Unternehmen würden Daten sammeln und auswerten, ohne dass sie einer wirksamen Kontrolle unterliegen.

In Bezug auf die Arbeitswelt warnt Kucklick davor, die Maschinen als Bedrohung zu sehen: "Die Aufteilung von Arbeit zwischen Mensch und Maschine ist kein Nullsummenspiel. Es geht nicht um ein Gegeneinander, sondern um intelligente Kooperation." Beim Schach etwa hätten Menschen schon lange keine Chance mehr gegen die Computer. Noch besser als die Computer seien aber Teams aus Menschen und Maschinen, weil sie Erfahrung und Kreativität mit hoher Rechenleistung zusammenbringen. Vor diesem Hintergrund müssten die Menschen ein ganz neues Selbstverständnis entwickeln: nicht mehr als die Cleversten im Universum, sondern als kreative und empathische Wesen.

Bernd Dworschak, Senior Researcher am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart, entwickelte zwei Szenarien für die künftige Arbeitsorganisation. Im Automatisierungsszenario übernehmen intelligente Maschinen die Kontroll- und Steuerungsaufgaben. Mitarbeiter leisten gelenkt von den Maschinen ausführende Aufgaben, treffen aber keine Entscheidungen mehr. In diesem Szenario werden selbst Fachkräfte in der Produktion überflüssig. Gebraucht werden vor allem Hochqualifizierte, die die Maschinen installieren, modifizieren und warten.

Weniger drastisch wären die Folgen der Digitalisierung, wenn das Spezialisierungsszenario eintritt. Hier unterstützt die Technik die Mitarbeiter, die Entscheidungen liegen aber weiter bei den Menschen.

In jedem Fall werden sich laut Dworschak die Anforderungen an die Mitarbeiter verschieben. Benötigt werden vor allem Verständnis für Systeme und die Zusammenwirkung zwischen IT und der realen Welt. Da einmal erworbenes Wissen immer schneller veraltet, fordert Dworschak eine Bereitschaft zum lebenslangen Lernen: "Wir brauchen eine lernförderliche Umgebung, Jobs bei denen man planen, organisieren und kommunizieren muss."

Beide Referenten betonten, dass auch das Ausbildungssystem auf die Herausforderungen der digitalen Welt reagieren muss. Die Schule solle vor allem Grundlagen und Fähigkeiten vermitteln und weniger Fakten über die konkrete Lebenswelt, die sich immer schneller verändert. Um mit dem Wandel umgehen zu können, müssten wir alle gleichzeitig bereit sein, alte Handlungsmuster bewusst zu verlernen - auch wenn das oft schwer fällt.

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Fotos: Robert Thiele 
Beim Gespräch im Park kommen Persönlichkeiten aus den Bereichen Wirtschaft, Politik, Medien, Wissenschaft und Gesellschaft zusammen.