Fast Track

Portraits der Stipendiatinnen

Geisteswissenschaften, Jahrgang 2014 - 2016
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Dr. Jennifer Altehenger

Welche Rolle spielt Rechtswissen in der Volksrepublik China? Jennifer Altehenger beschäftigt sich mit den Methoden, die die KP China in den vergangenen Jahrzehnten einsetzte, um der chinesischen Bevölkerung Rechtswissen zu vermitteln. Diese Forschung erlaubt anhand der Geschichte der Rechtspropaganda Schlussfolgerungen, wie das kommunistische Regime seine Herrschaft durch Rechtserziehung zu legitimieren versucht hat. Jennifer Altehenger lehrt und forscht am King’s College London und interessiert sich neben ihrer Arbeit zur Sozial- und Kulturgeschichte des Rechts für die lokale und globale Produktionsgeschichte von Gebrauchsgegenständen und deren Rohmaterialien in der VR China sowie für die Geschichte von Wissensvermittlung und Lexikographie.
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Dr. Nicole Altvater-Mackensen

Als Psycholinguistin beschäftigt sich Nicole Altvater-Mackensen mit dem frühen Spracherwerb und der Sprachverarbeitung bei Säuglingen und Kleinkindern im ersten und zweiten Lebensjahr. Mit Hilfe von verhaltensbasierten und neurowissenschaftlichen Methoden erforscht sie, wie Babies Informationen aus unterschiedlichen Domänen integrieren, z.B. wie sie einen Laut dem entsprechenden Mundbild oder ein Wort einem Objekt zuordnen. Dabei interessiert sie sich besonders dafür, welche Faktoren zu individuellen Unterschieden in der Entwicklung führen und welchen Einfluss das auf den weiteren Spracherwerb hat.
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Jun.-Prof. Dr. Eva Blome

Literarische Texte verhandeln gesellschaftliche Problemlagen und entwerfen dabei alternative Formen des Zusammenlebens. Eva Blome, Juniorprofessorin für Gender Studies an der Universität Greifswald, erforscht die Frage, wie dies seit dem 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart immer wieder neu geschieht. Aktuell untersucht die Germanistin, auf welche Art und Weise literarische Texte um 1800 das spannungsreiche Verhältnis von Bildung und sozialer Ungleichheit reflektieren und dabei Aufschluss über folgende Fragen geben: Wer wird (aus)gebildet und wer bildet sich - freiwillig oder gezwungenermaßen - selbst? Welche Bildungskonzepte führen zu sozialem Aufstieg? Unter welchen Umständen kann Bildung aber auch zu gesellschaftlicher Desintegration führen und welche Rolle spielt dabei das Geschlecht und die soziale Herkunft?
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Dr. Juliane Brauer

Was hat Singen mit Gefühlen und mit Geschichte zu tun? Darüber forscht Juliane Brauer als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich Geschichte der Gefühle im Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. An der Schnittstelle von Geschichte und Musik arbeitet sie zum einen über das Singen als intentionale Erziehungsstrategie aber auch als gesellschaftliche Praktik von Vergemeinschaftung. Musik war und ist ein Instrumentarium politischer Macht aber auch gesellschaftlichen Aufbegehrens. Die Analyse von Lied und Gesang ermöglicht Einblick in Hoffnungen, Sehnsüchte und Ängste als Motivation historischer Akteure. Zum anderen beschäftigt sich Juliane Brauer mit Emotionen im Prozess historischen Lernens. Dazu gehört auch die Integration von Musik als Quelle in den Geschichtsunterricht.
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Dr. Jeanne Féaux de la Croix

Weltweit haben Menschen sehr ungleiche Zugangsmöglichkeiten zu sauberem Wasser, eine Situation, die durch den Klimawandel noch verschärft wird. Dr. Jeanne Féaux de la Croix erforscht als Ethnologin, wie unterschiedlich Menschen in Zentralasien mit Wasser umgehen. Der Aralsee trocknet seit Jahrzehnten aus, weil die Zulaufflüsse für den Baumwollanbau abgezweigt werden. Jeanne Féaux de la Croix geht der Frage nach, wie sich neue Staudämme an diesen Flüssen in Kirgisistan und Tadschikistan auf Menschen auswirken. Sie leitet auch ein Projekt der Volkswagen Stiftung zu der Frage, was für eine Rolle der Syr Darya Fluss für Menschen entlang seines Laufes spielte, und wie sich diese Beziehung seit der Sowjetzeit verändert hat.
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Dr. Barbara Geist

Sprache ist komplex und die sprachlichen Fähigkeiten von Kindern zu erkennen, ist eine große Herausforderung. Wie machen sich ErzieherInnen und Lehrkräfte ein Bild von den sprachlichen Fähigkeiten eines Kindes? Welche Methoden sind geeignet um den Sprachstand ein- und mehrsprachiger Kinder zu erfassen? Wie handeln pädagogische Fachkräfte in der Sprachförderung mit Vor- und Grundschulkindern? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Barbara Geist. Sie hat über sprachdiagnostische Kompetenz von Sprachförderkräften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main promoviert. Derzeit interessiert sie sich im Besonderen für die Sprachdiagnostik von mehrsprachigen Kindern am Übergang zwischen Kindergarten und Grundschule.
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Jun.-Prof. Dr. Adriana Hanulikova

Adriana Hanulikova ist Psycho- und Neurolinguistin und erforscht Prozesse der Sprachperzeption und Sprachproduktion bei Muttersprachlern und Nichtmuttersprachlern, bei Erwachsenen und Kindern. In ihrer Forschung untersucht sie, wie soziale Evaluation von Sprechern das Sprachverstehen beeinflusst und wie Erwachsene und Kinder mit Dialekten und fremdsprachlichen Akzenten zurechtkommen. Sie beschäftigt sich auch mit Sprachtalent in der Muttersprache und Fremdsprache, wobei sie z.B. der Frage nachgeht, warum die Aussprache einer fremden Sprache im Erwachsenenalter selten leicht fällt, welche kognitiven Fähigkeiten und welche neuronale Aktivität einen erfolgreichen von einem weniger erfolgreichen Lernenden unterscheiden, und wie sich monolinguale von bilingualen Lernenden unterscheiden.
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Jun.-Prof. Dr. Lena Henningsen

Lena Henningsen erforscht Prozesse der Kreativität: Wer schreibt wie und warum Romane? Warum werden Romane konsumiert oder gelesen? Welches kreative Potenzial besitzen Lese-Prozesse? Wie verändern Leser mitunter Texte? Das Interesse der Sinologin gilt chinesischer populärer Literatur, ihrer Entstehung, Weiterentwicklung und ihrem Weiterleben in anderen Medien. Gegenwärtig untersucht sie Unterhaltungsliteratur, die während der Kulturrevolution illegal geschrieben, zirkuliert, gelesen, ab- und umgeschrieben wurde. Die Texte sowie die Praktiken ihrer Entstehung und Verbreitung weisen zum einen auf ganz spezifische, an den historischen Kontext gebundene intellektuelle Strömungen und Praktiken hin. Zum anderen laden sie zu einer Auseinandersetzung mit gängigen Konzepten von Autor- und Leserschaft ein.
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Dr. Sidonie Kellerer

70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist Martin Heidegger für viele noch der bedeutendste Philosoph des 20. Jahrhunderts, obwohl unklar bleibt, was er in den Jahren des Dritten Reiches schrieb und lehrte. Dass die bisher publizierte Gesamtausgabe keine verlässliche Dokumentation seiner Äußerungen und Lehren während des Nationalsozialismus ist, hat Sidonie Kellerer gezeigt. Anhand des Nachlasses im Deutschen Literaturarchiv beleuchtet und bewertet sie sein Werk neu und damit auch die Frage, ob Heideggers vermeintliche Distanzierung vom NS-Regime als globale Kritik am durch die technologische Neuzeit geprägten Totalitarismus zu verstehen ist. Diese Untersuchung wurde zu einem wesentlichen Bezugspunkt der Diskussion um die kürzlich publizierten "Schwarzen Hefte" Heideggers.
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Dr. Eva Knels

Gemusterte Textilien waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts allgegenwärtig in Mode und Innenausstattung. In ihrem aktuellen Projekt untersucht Eva Knels die Zusammenarbeit von Avantgardekünstlern und Textilherstellern in Wien und Paris und geht der Frage nach, inwiefern gemusterte Stoffe zur Verbreitung und Popularisierung von avantgardistischem Formenvokabular beigetragen haben und welche Rolle, Wirkung und Bedeutung(en) diese innerhalb der visuellen Kultur hatten. Eva Knels verbindet kunsthistorische Fragestellungen mit Perspektiven der Konsumgeschichte und der Kulturanthropologie. Gesellschaftliche Relevanz und Reichweite von Kunst, die Bedingungen ihrer Produktion und Rezeption stehen im Mittelpunkt ihrer Forschungsinteressen.
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Dr. Mingya Liu

Was ein linguistischer Ausdruck oder deren Äußerung bedeutet, sind für Linguisten wie Mingya Liu zwei unterschiedliche Fragen. In der ersten handelt es sich um die Bedeutungseinheit der Sprache im Sinne eines abstrakten Zeichensystems (aka Semantik). In der zweiten geht es um die Sprache in Anwendung (aka Pragmatik). Die Pragmatik ist zwar an die Semantik gebunden, geht aber (manchmal sehr weit) darüber hinaus, denn mit einem und demselben Satz kann Unterschiedliches gemeint sein, je nach Sprecher, Hörer, Zeit und Ort der Äußerung. Frau Liu erforscht linguistische Phänomene an der Schnittstelle von Semantik und Pragmatik in unterschiedlichen Sprachen, um mögliche Antworten auf die Fragen zu finden, wie man die Semantik und die Pragmatik zusammenbringt und wie man sie voneinander abgrenzt.
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Dr. Beatrice Michaelis

Die Forschungsinteressen der Altgermanistin Beatrice Michaelis liegen im Bereich der Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Bevorzugt verbindet sie bei ihren Arbeiten den Blick auf mittelalterliche Texte mit Ansätzen gegenwärtiger kulturwissenschaftlicher Forschung. In ihrem aktuellen Projekt geht es um die Fragen, ob und wie "Rasse" als eine analytische Kategorie bestimmt und für die Untersuchung mittelalterlicher Darstellungen des religiös Anderen genutzt werden kann. Dr. Michaelis ist zugleich im Wissenschaftsmanagement tätig mit Stationen an dem International Graduate Centre for the Study of Culture an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und aktuell an der Jungen Akademiean der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Berlin.
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Jun.-Prof. Dr. Maren Röger

Im Deutschen Kaiserreich gab es deutlich weniger bi-nationale Eheschließungen als heute. Dennoch waren sie immer ein Thema und beschäftigten Gesellschaft und Politik bis heute, wo bei jeder siebten Ehe, die in Deutschland geschlossen wird, die Partner einen unterschiedlichen Pass haben. Maren Röger, Juniorprofessorin an der Universität Augsburg, interessiert, wie binationale Ehen in Politik, Gesellschaft und Medien in Deutschland seit 1870 diskutiert und dargestellt wurden. Am Bekanntesten und am besten erforscht ist das Verbot deutsch-jüdischer Mischehen im Nationalsozialismus. Andere Aspekte des Themas sind kaum erarbeitet. In diese Lücke setzt Maren Röger mit ihrer Forschung an, die die rechtlichen, politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Dimensionen bi-nationaler Ehen auslotet. Verwaltungspraxen interessieren ebenso wie kulturelle Zuschreibungen und das alltägliche Leben.
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Dr. Joanna Rostek

In einer globalisierten Welt, die immer mehr von komplizierten ökonomischen Zusammenhängen geprägt ist, spielen die Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen von WirtschaftswissenschaftlerInnen eine große Rolle. Die Anglistin Joanna Rostek beschäftigt sich mit der Geburtsstunde der modernen Wirtschaftswissenschaften, nämlich der Zeit um 1800. Ihr interdisziplinäres Projekt beleuchtet einen Umstand, der auch dem Fast Track Programm zu Grunde liegt, nämlich die Marginalisierung von Frauen in der Wissenschaft. Übergeordnetes Ziel ist es, die bisher oft übersehene weibliche Teilhabe an der Entstehung, Systematisierung und Verbreitung ökonomischen Wissens sichtbar zu machen. Den Untersuchungsgegenstandbilden dabei sowohl literarische, als auch didaktische und populärwissenschaftliche Texte aus der Feder von Frauen, die um 1800 in Großbritannien publiziert wurden.
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Dr. Anna Sieben

Psychologische Theorien haben längst den Elfenbeinturm der Wissenschaft verlassen und prägen das alltägliche Selbst- und Fremdverständnis von Menschen. Wie Eltern psychologisches Wissen nutzen und in die Beziehungsgestaltung mit ihren Kindern einbauen, untersucht Anna Sieben in ihrem aktuellen Forschungsprojekt. Als Psychologin und Soziologin interessiert sie sich für Schnittstellen zwischen alltäglichem und wissenschaftlichem Wissen und fragt nach den Erfahrungen, insbesondere auch den Emotionen, die hier entstehen. In entgegengesetzter Blickrichtung hat sie sich in ihrer Dissertation mit Geschlecht und Sexualität in klassischen psychologischen Theorien des letzten Jahrhunderts auseinandergesetzt und den Einfluss alltäglicher Annahmen auf psychologische Theorien herausgearbeitet.
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Prof. Dr. Clarissa Vierke

Was weiß die Dichtung? Das ist eine Frage, die sich durch die Forschung von Clarissa Vierke zieht. Sie hat einzige Professur in Deutschland für Literaturen in afrikanischen Sprachen inne. In ihrem Hauptforschungsgebiet, dem swahilisprachigen Ostafrika, wo Dichtung allgegenwärtig ist, hat sie zu verschiedensten Genres, wie historischen Epen und Hiphoptexten geforscht, die wichtige Orte der intellektuellen Auseinandersetzung sind. Jenseits der Frage, inwieweit Dichtung gängige gesellschaftliche Diskurse inszeniert, interessiert sich Clarissa Vierke vielmehr dafür, welche besonderen Arten der Wissenserzeugung und -weitergabe die Dichtung durch ihre eigene Gestalt, etwa ihrepoetischen Bilder, ihre rhythmisierte Sprache und ihre besondere Erzählweise, mit sich bringt.
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Dr. Eva von Contzen

Worüber und wie haben Menschen im Mittelalter Geschichten verfasst? Was waren die Merkmale einer "guten" oder "spannenden" Erzählung? Und wie haben sich erzählende Texte über die Jahrhunderte verändert? Eva von Contzen erforscht die mittelalterliche Literatur Englands und Schottlands und deren spezifische Erzählformen und -funktionen. Ein zentrales Anliegen ihrer Arbeit ist es, die Besonderheiten vormoderner Texte mit Theorien moderner Literaturwissenschaft in Einklang zu bringen. Gegenwärtig beschäftigt sich die Anglistin mit Aufzählungen in literarischen Texten von der Antike bis zur Postmoderne und geht der Frage nach, warum lange Listen von Namen oder Personen zwar die Leser frustrieren, dennoch ein sehr konstantes und faszinierendes Element in erzählenden Texten darstellen.
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Dr. Christiane Wienand

Christiane Wienand ist Zeithistorikerin und beschäftigt sich mit den Nachwirkungen des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust in Europa. Im Zentrum ihrer Untersuchungen steht die Frage, welche Rolle die "junge Generation" in verschiedenen europäischen Ländern und in Israel für eine transnationale Verständigung und Versöhnung nach 1945 spielte. Dafür analysiert sie sowohl Diskurse über die Jugend als auch praktische Versöhnungsaktivitäten von Jugendlichen im Spannungsfeld zwischen Aufarbeitung der Vergangenheit einerseits und dem Engagement für eine bessere Zukunft andererseits. Mit ihrer Forschung möchte Christiane Wienand dazu beitragen, unser Verständnis der weitgehenden Stabilität der europäischen Friedensordnung seit Ende des Zweiten Weltkriegs zu vertiefen.