Grenzgänger Europa und seine Nachbarn

Miron Zownir und Kateryna Mishchenko

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Foto: Albin Biblom
Miron Zownir (*1953 als Sohn eines Ukrainers und einer Deutschen in Karlsruhe) ging mit 20 Jahren nach Berlin, wo er als Autodidakt das Fotografieren erlernte und die aufkommende Punkbewegung dokumentierte. 1980 emigrierte er in die USA und lebte 15 Jahre in New York, Los Angeles und Pittsburgh, wo er in expressionistischen Schwarz-Weiß-Porträts die Außenseiter der Gesellschaften porträtierte. Internationale Gruppenausstellungen und Publikationen verorten den Fotografen, Filmemacher und Autoren in stilistischer Nähe zu Avantgarde-Größen wie Nan Goldin und Cindy Sherman. 1998 erschien der Fotoband „Radical Eye“, 2010 „The Valley of the Shadow“ (beide im Gestalten Verlag).

Kateryna Mishchenko lebt als Autorin, Herausgeberin und Übersetzerin aus dem Deutschen in Kiew. Sie ist Mitbegründerin des ukrainischen Verlages „Medusa“. Sie unterrichtete Literaturgeschichte an der Nationalen linguistischen Universität Kiew, arbeitete als Übersetzerin im menschenrechtlichen und sozialen Bereich. Ihre Essays wurden in ukrainischen und internationalen Zeitschriften publiziert. Sie veröffentlichte u.a. auf Deutsch die Essays „Der Schwarze Kreis“ in dem Sammelband „Euromaidan. Was in der Ukraine auf dem Spiel steht“ und „Stille Aktion“ im Band „Testfall Ukraine“, die 2014 im Suhrkamp Verlag erschienen.
Ukrainische Nacht

Bis die Autoreifen auf dem Maidan brannten, war die Ukraine ein weißer Fleck auf der Landkarte am Rande Europas. Der Maidan – Symbol und Ort des monatelangen Protests der Bürger – kennzeichnet einen neuen Zeitabschnitt in der ukrainischen Geschichte. Miron Zownir und Kateryna Mishchenko reisten 2012/13 gemeinsam durch die Ukraine, um den Alltag von seinen Rändern her kennenzulernen. Zownir fotografierte Drogenabhängige aus Poltawa, Obdachlose am Hauptbahnhof in Kiew, Straßenkinder in Odessa und Czernowitz sowie Bewohner verschiedener Roma-Lager. Mishchenkos einfühlsame Texte und Zownirs Nahaufnahmen sind ein Dokument der tiefen sozialen Verwerfungen in der ukrainischen Gesellschaft, in denen die Vorzeichen der Revolution bereits spürbar sind.

Verlag Spector Books 2015

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Fotos: Miron Zownir
2012/13 reisten Miron Zownir und Kateryna Mishchenko durch die Ukraine, um die sozialen Ränder und Schattenseiten des Alltags im Land zu dokumentieren. Zownir fotografierte u.a. obdachlose Jugendliche in Odessa, die letzte ukrainische Veteranenparade in Sewastopol auf der Krim am 9. Mai 2013, ein Kinderheim in Czernowitz, die von Industrie verwüsten Landschaften des Donbas' und ganz zum Schluss, im März 2014, den Maidan in Kyiv.

Zownirs Fotos und Mishchenkos erhellende Essays verbinden sich zu einem poetischen Dokument tiefer gesellschaftlicher Verwerfungen, die bereits die Vorgeschichte jener Veränderungen festhalten, die die Ukraine und Europa kurze Zeit später erschüttern sollten.