Pressemeldungen 2015
Pressemitteilung

Make ideas travel – Bildungsexperten aus der ganzen Welt diskutieren über den Transfer von Bildungskonzepten

Berlin, 8. Mai 2015 – Gute Ideen und innovative Konzepte für die Bildung sind auf der ganzen Welt vorhanden - aber wie kann es gelingen, dass sie sich verbreiten? "Die besten Bildungssysteme sind die, die am meisten von anderen lernen", sagte Andreas Schleicher, OECD-Direktor für Bildung und PISA-Koordinator, bei der internationalen Bildungstagung der Robert Bosch Stiftung am 8. Mai in Berlin. Als ein Beispiel für ein weltoffenes und schnell lernendes Land nannte er Singapur. "Dort sucht man gezielt nach Erfolgsfaktoren in anderen Ländern und überträgt sie auf das eigene Bildungssystem." In einer Welt, die sich so schnell verändert, sei es notwendig, auch in der Bildung international voneinander zu lernen und zusammenzuarbeiten. "Das ist eindeutig möglich - auch über Kulturgrenzen hinweg - und der Erfolg ist messbar."

Einen wichtigen Faktor, damit gute Ideen sich verbreiten, sieht Schleicher in einer verbesserten Zusammenarbeit unter den Lehrern. "In den meisten Ländern arbeiten die Lehrer immer noch viel zu isoliert, sie haben zu wenig Zeit, ihren Unterricht gemeinsam mit anderen Lehrern vorzubereiten, und sie bekommen zu wenig Feedback." Drei von vier Lehrern auf der Welt empfinden ihre Umgebung als innovationsfeindlich. "Wir müssen eine Kultur schaffen, in der Zusammenarbeit und neue Ideen in Schulen positiv bewertet werden."

Die Robert Bosch Stiftung hat 70 Bildungsexperten, Politiker und Praktiker aus Australien, Asien, Amerika und Europa nach Berlin eingeladen, um über den Transfer innovativer Bildungskonzepte zu diskutieren. "Bildung als globale Herausforderung braucht viele gute Ideen und die Zusammenarbeit aller Akteure", erklärte die Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung, Dr. Ingrid Hamm. "Wir glauben fest daran, dass Verantwortliche voneinander lernen können. Gemeinsam mit den Stakeholdern aus aller Welt wollen wir eine produktive Plattform entwickeln, um den Transfer bestmöglich zu unterstützen."

Eine Besonderheit der Tagung ist, dass sie vier Perspektiven zusammenbringt: Politik, Praxis, Stiftungssektor und Wissenschaft. Unter den hochrangigen Teilnehmern sind Vertreter von Stiftungen und Nicht-Regierungsorganisationen, Bildungsforscher und Politiker ebenso wie Lehrer und Schüler. Auf der Tagung entwickeln alle Teilnehmer gemeinsam Ideen, wie innovative Ansätze aus unterschiedlichen Bildungsräumen für andere Länder und Systeme fruchtbar gemacht werden können.

Roberto J. Rodriguez, Berater von US-Präsident Barack Obama in Bildungsfragen, nannte drei große Herausforderungen, die sich überall auf der Welt stellen: "Wie schaffen wir gleichberechtigten Zugang zu Bildung für alle, wie passen wir unsere Unterrichtsmethoden an den technologischen Wandel an, welche Fähigkeiten brauchen die Schüler im 21. Jahrhundert?" Als eine der effektivsten Maßnahmen, um Bildung weltweit zu verbessern, nannte er verstärkte Investitionen in die frühkindliche Bildung.

Xavier Prats Monné, Generaldirektor Bildung und Kultur der Europäischen Union, sieht einen Hemmfaktor für die Verbreitung guter Ideen in der Bürokratie. "Bürokratie hat eine Tendenz zu zentralisierten Entscheidungen und Gleichförmigkeit." Die bürokratischen Apparate müssten sich stärker für neue Ideen öffnen und enger mit den Akteuren vor Ort zusammenarbeiten.

Unter den Teilnehmern der Konferenz sind unter anderem:
  • Hans Anand Pant, Leiter des Instituts zur Qualitätsentwicklung (IQB) an der Humboldt-Universität zu Berlin und Geschäftsführer der Deutschen Schulakademie
  • Noor Masood, Geschäftsführerin Teach for Pakistan
  • Kai-ming Cheng, Lehrstuhlinhaber für Bildung an der Universität Hong Kong
  • Stephen Dinham, Lehrstuhlinhaber für Lehrerbildung und Direktor für Bildung und Lehre an der Universität Melbourne
  • Sylvia Löhrmann, stellvertretende Ministerpräsidentin und Kultusministerin Nordrhein-Westfalen
  • Stephan Dorgerloh, Kultusminister Sachsen-Anhalt

Kontakt

Michael Herm
Telefon 0711 46084-290