Die Robert Bosch Stiftung

Bericht 2014

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Jahr 2014 stand für die Robert Bosch Stiftung ganz im Zeichen ihres 50-jährigen Jubiläums.

„50 Jahre Richtung Zukunft“ – unter diesem Motto blickte die Stiftung auf die Errungenschaften, die sie seit ihrer Gründung 1964 erreicht hat. Und sie schaute nach vorn: Was muss in den Themenfeldern der Stiftung passieren, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, und wie zukunftsfähig ist der eigene Sektor, die Zivilgesellschaft im Allgemeinen und die Stiftungswelt im Besonderen?

Stiftungen können aufgrund ihrer finanziellen und politischen Unabhängigkeit ein Motor innerhalb der Zivilgesellschaft sein. Als neutrale Plattform und Impulsgeber können sie den Dialog zwischen Interessengruppen ermöglichen oder die Erprobung von innovativen Lösungen anstoßen. Das ist ein Ergebnis der Studie zur Zukunft des Stiftens, die die Robert Bosch Stiftung anlässlich ihres Jubiläums in Auftrag gegeben hatte. Die Studie zeigt aber auch, dass Stiftungen ihr Potential in der Praxis häufig nicht ausschöpfen. Stiftungen müssen sich in Zukunft noch strategischer aufstellen, um ihre Rolle in der Gesellschaft wirksam und transparent erfüllen zu können, so die Schlussfolgerung der Verfasser.

Ausführlich diskutiert wurde die Studie auf der Konferenz „Zeit der Bürger“. Auf Einladung der Stiftung trafen sich im Oktober herausragende Vertreter der Zivilgesellschaft, Stifter und Experten aus der ganzen Welt für zwei Tage in Berlin. Bundespräsident Gauck hielt zur Eröffnung eine wegweisende Rede zu der zentralen Bedeutung von bürgerschaftlichem Engagement für eine Gesellschaft. Die Stiftungen rief er auf, Inkubatoren für das Neue und Innovationsmotoren für den Wandel in Staat, Zivilgesellschaft und Wirtschaft zu sein. Die beiden Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi und Muhammad Yunus berichteten im Anschluss von ihren Kämpfen gegen Kinderarbeit und Armut. Gegen massiven Widerstand und teilweise unter Einsatz ihres Lebens haben sie Menschen geholfen, ungerechte Strukturen aufgebrochen und Bewegungen in Gang gesetzt, die inzwischen weltweit Unterstützung finden.

Den Höhepunkt des Jubiläumsjahres bildete die Einweihung des UWC Robert Bosch College in Freiburg, der gemeinsamen Schulgründung der Robert Bosch Stiftung und der Deutschen Stiftung UWC, maßgeblich unterstützt durch eine großzügige Spende der Robert Bosch GmbH. Die Schule steht mit ihrem einmaligen Konzept für die perfekte Verbindung von Völkerverständigung und guter Bildung – zentrale Ideale, die die Stiftung in ihrer Arbeit seit Jahrzehnten verfolgt. Drei Jahre nach dem ersten Spatenstich am 150. Geburtstag von Robert Bosch wurde das Robert Bosch College am 23. September 2014 feierlich eröffnet.

104 Schüler aus über 70 Ländern – fast alle ausgestattet mit einem Stipendium – leben und lernen seither gemeinsam in der frisch renovierten Klosteranlage. Neben dem Unterricht für das IB, einen international anerkannten Schulabschluss, praktizieren sie über zwei Jahre lang interkulturelle Verständigung, friedliche Konfliktlösung und Verantwortung in der Gemeinschaft – das beste Rüstzeug für eine Zukunft in der globalisierten Welt. Im August 2015 werden weitere 100 Schüler des 2. Jahrgangs in Freiburg erwartet; damit ist die Schulgemeinschaft komplett.

An Lösungen für die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts arbeiten auch viele der Richard von Weizsäcker Fellows, die für einige Monate oder auch für ein ganzes Jahr an der neuen Robert Bosch Academy in der Berliner Repräsentanz der Stiftung tätig sind. Die Academy, die im Sommer 2014 feierlich eröffnet wurde, bietet renommierten Entscheidungsträgern und Experten aus aller Welt einen Freiraum, ihre Projekte voranzutreiben, sich zu vernetzen und am politischen und gesellschaftlichen Leben in Berlin und Deutschland teilzunehmen. Ein umfassendes Veranstaltungsprogramm ermöglicht den Austausch mit Entscheidungsträgern, Experten und der Öffentlichkeit. Dieses Konzept macht die Academy zu einem einmaligen Ort des Dialogs und der lösungsorientierten Zusammenarbeit.

Ein wichtiger Meilenstein im Bildungsbereich war die Gründung der Deutschen Schulakademie am Ende des Jahres 2014. Die Akademie baut auf den Erfahrungen der exzellenten Schulen auf, die seit 2006 von der Robert Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden. Nach dem Prinzip „aus der Praxis – für die Praxis“ macht die Deutsche Schulakademie das Wissen der ausgezeichneten Schulen verfügbar. Sie wendet sich an alle Schulen in Deutschland sowie an Ministerien, Lehrerfortbildungsinstitute, Kommunen und private Schulträger. Als unabhängige Institution für Schulentwicklung und Lehrerfortbildung wird sie entscheidend dazu beitragen, dass wir unser Ziel erreichen: mehr gute Schulen in Deutschland.

Die genannten Aktivitäten, aber auch das Bürgerfest auf dem Stiftungsgelände Anfang Juli 2014 haben der Robert Bosch Stiftung in ihrem Jubiläumsjahr viel Aufmerksamkeit verschafft und ihr Profil in der Öffentlichkeit geschärft.

Neben einem Rückblick auf das Jubiläum bietet der vorliegende Tätigkeitsbericht auch einen umfassenden Einblick in die Programmarbeit. Der Fokus liegt dabei auf der Darstellung der neuen Projekte und den Strategien, die die Stiftung mit ihnen verfolgt.

Wir danken allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und unseren Partnern, die uns bei den Jubiläumsprojekten, aber auch bei der Programmarbeit auch im Jahr 2014 mit großem Engagement unterstützt haben. Ohne sie wäre die Arbeit der Stiftung nicht denkbar.

Dr. Ingrid Hamm                                Prof. Dr. Joachim Rogall
Bildergalerie zum Bericht 2014

Sehen Sie sich die schönsten Eindrücke von unseren Projekten und Veranstaltungen des Jahres 2014 an. Die Bilder zeigen Höhepunkte wie die Verleihung des Deutschen Schulpreises, die Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen der Robert Bosch Stiftung, das Bürgerfest auf dem Stiftungsgelände in Stuttgart und die Eröffnung des UWC Robert Bosch College in Freiburg.
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Bilder des Jahres

Stiftung in Zahlen

Der nach handelsrechtlichen Bilanzierungsvorschriften erstellte Jahresabschluss zum 31.12.2014 wurde von der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Stuttgart, geprüft und mit dem uneingeschränkten Prüfungsvermerk versehen. Danach vermittelt der Jahresabschluss unter Beachtung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Robert Bosch Stiftung.

Der Beteiligung der Robert Bosch Stiftung GmbH am Stammkapital der Robert Bosch GmbH in Höhe von 5.055 Millionen Euro entsprechen im Berichtsjahr unverändert 92 Prozent. Aus dieser Beteiligung floss der Stiftung wie im Vorjahr eine Dividende von 78,6 Millionen Euro zu. Insgesamt standen 99,7 Millionen Euro zur Verfügung.

Im Berichtsjahr 2014 hatten die unselbständigen Stiftungen in Höhe von 1,7 Millionen Euro Zuflüsse durch Zinserträge und übrige Erträge.

Die Bewilligungen des Kuratoriums und der Geschäftsführung der Stiftung für Fremd- und Eigenprojekte beliefen sich auf 61,5 Millionen Euro. Hierin sind auch die für die Forschung am Robert-Bosch-Krankenhaus, dem Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie und dem Institut für Geschichte der Medizin bereitgestellten Mittel in Höhe von 9,8 Millionen Euro enthalten.

Für Sondermaßnahmen und Investitionen am Robert-Bosch-Krankenhaus, die durch die Pauschalförderung des Landes nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz nicht gedeckt sind, wurden 5,4 Millionen Euro aufgebracht. Die unselbständigen Stiftungen förderten Projekte in Höhe von 1,3 Millionen Euro.

20,8 Millionen Euro wurden im Berichtsjahr für Mitarbeiter, Verwaltung und Kommunikation aufgewendet.