Wissenschafts-Journalismus heute

Andreas Menn: Menn oder Maschine

Es kommt eine neue Generation von mobilen Robotern in die Welt, die mit künstlicher Intelligenz ausgestattet sind. Sie werden unseren Alltag massiv verändern: Selbstfahrende Autos steuern uns durch den Verkehr; flexible Androiden erobern Fabriken und Werkstätten; Service-Roboter erledigen Bringdienste und Handarbeiten. Andreas Menn tritt vor laufender Kamera gegen die besten Roboter der Welt an und prüft den jüngsten Hype um die zukünftigen Konkurrenten des Menschen.

Guter Wissenschaftsjournalismus kann eben auch spielerisch sein und die Bedeutung technischer Entwicklungen mit einem Augenzwinkern kommentieren und z.B. einer jüngeren Zielgruppe erfahrbar machen.

  • Budget: 6.000 €
  • Zeit: 12 Monate

"Nach der Masterclass entwickeln wir inzwischen mit Unterstützung von Googles Digital News Initiative eine eigene Storytelling-Software namens Storyflow."

Andreas Menn, Jahrgang 1981, ist Redakteur für Technik und Digitales bei der WirtschaftsWoche, Deutschlands führendem Wirtschaftsmagazin. Dort schreibt er über die Märkte von Morgen und Technologien, die die Welt verändern - künstliche Intelligenz, Virtual Reality, Gehirnschnittstellen. Zuvor arbeitete Andreas Menn im Wirtschaftsressort des Tagesspiegels und als freier Journalist für das Handelsblatt, die Financial Times Deutschland und andere Zeitungen. Für seine Magazingeschichten wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Medienpreis Luft- und Raumfahrt.

 

  • Wie ist die Idee für das Projekt entstanden?

Roboter werden immer schlauer – über den Intelligenzschub der Maschinen plante ich schon länger einen Text für das gedruckte Heft. Aber was sollte die Erzählidee sein? Schnell wurde mir klar: Wenn Roboter sich in ihren Fertigkeiten dem Menschen annähern, muss ein Mensch sich ihnen stellen.

  • Was war die größte Überraschung während der Realisierung?

Der hohe Recherche-Aufwand. Er glich dem eines kleinen Filmprojekts.

  • Welche unerwarteten Hürden gab es?

Der Journalismus im Digitalen ist Technologiegetrieben. Früher brauchte ein Redakteur eine Tastatur, jetzt braucht er: Programmierer, Animations-Experten, Cinema-4D-Grafiker. Dieses Know-How muss man aufbauen, und das kostet Zeit. Und Geld. Zweite Hürde: Die passenden Protagonisten, Termine, Schauplätze und die Ideen für den Zweikampf Menn oder Maschine zu finden. Mit weit mehr als 20 Roboter-Experten habe ich gesprochen – nur drei kamen in die Geschichte.

  • Was können Sie heute besser als vor dem Projekt?

Visuell denken – Bild, Video, Animation miteinander kombinieren. Und im Team arbeiten.

  • Was hat am meisten Freude bereitet?

Bisher brannte meist nur ich selbst für meine Geschichten. Plötzlich brannte ein ganzes Team dafür.

  • Was würden Sie einem Kollegen raten, der sich ein größeres multimediales Projekt vorgenommen hat?
  1. Finde Verbündete. Storytelling funktioniert nur, wenn man Kollegen hat, die in anderen Bereichen viel besser sind als man selbst – sei es beim Videoschnitt, der Animation oder der Infografik.
  2. Zieht Euch raus aus dem Alltagsgeschäft. Das Design für eine Storytelling-Geschichte ist nicht in 30 Minuten besprochen. Dazu braucht das ganze Team einen geschlossenen Raum – und einen ganzen Tag ohne andere Verpflichtungen, Unterbrechungen oder Meetings.
  3. Kill your lines. Weniger Text ist mehr. Wer sich auf Storytelling einlässt, geht in den Spielemodus. Es geht um schauen, scrollen, klicken. Erzähle Deine Geschichte in Bildern, nicht mit Worten.
  4. Schreibe ein Drehbuch. Vor dem Dreh- oder Recherchetermin musst Du genau wissen, welche Fotos in welchem Format, welche Schnittbilder für das Video Du brauchst. Und das ist nur die Basis – Du brauchst so viel Material wie möglich, um am Layout-Tisch damit spielen zu können.
  5. Keep it simple. Was eine Geschichte für den Leser eher verwirrend macht: Zu viele Seitenpfade. Redundante Menüs und Bedienmöglichkeiten. Videos, die noch einmal erzählen, was im Text vorkommt.
  • Was haben Sie über die Zukunft des Wissenschaftsjournalismus gelernt?

Jede gute Story beginnt mit zwei Fragen: Was will ich erzählen? Und: Wie will ich es erzählen? Für Frage zwei ist die Palette jetzt viel breiter geworden: Ein Video erzählt eine Szene vielleicht besser als ein Text, eine animierte Infografik kann anschaulicher sein als ein Erklärkasten, eine Diashow mehr sagen als tausend Worte. Wissenschaftsjournalisten haben mehr Werkzeuge denn je, um ihre Geschichten packend und optisch opulent zu erzählen.