Wissenschafts-Journalismus heute

Andreas von Bubnoff: Soundscape Ecology

Im Falle der "soundscape ecology" (Klanglandschaftsökologie) kann man im Moment die Geburt eines neuen Forschungszweiges miterleben. Im Gegensatz zur traditionellen Ökologie handelt es sich dabei nicht um das Studium von Klängen einzelner Tiere wie etwa Vögel, sondern der Gesamtheit des Klanges eines Lebensraumes - der sogenannten Soundscape oder Klanglandschaft. Inzwischen ist das Feld auf wenige Dutzend Wissenschaftler sowie Veröffentlichungen weltweit angewachsen. Damit wächst die Zahl der wissenschaftlichen Nachweise, dass Umweltveränderungen die Klanglandschaft beeinflussen. Mit seiner Klangdatenbank hat Andreas von Bubnoff eine wissenschaftsjournalistische Pionierleistung erbracht, die Potential für weitere Projekte hat. 
  • Budget: 6.500 €
  • Zeit: 12 Monate
"Die Masterclass brachte mit vor allem Awards! Mit dem Projekt habe ich folgende Preise gewonnen: Nominiert für GOLDENE KAMERA Digital Award 2017; Gewinner European Newspaper Award 2016; Gewinner Grimme Online Award 2016; Longlist Nannen Preis "Web-Reportage" 2016"

 

 

Dr. Andreas von Bubnoff ist freier Wissenschaftsjournalist und Multimediaproduzent in New York City. Seine Artikel sind erschienen in vielen Publikationen, darunter die Los Angeles Times, Chicago Tribune, The Atlantic, Nautilus, Quanta Magazine, Prevention, Science News, Nature, Cell, Frankfurter Allgemeine Zeitung oder SonntagsZeitung (Schweiz). Ausserdem arbeitete er als Gastredakteur für das Wissenschaftsmagazin Nautilus. Sein Artikel "Numbers can lie" (LA Times) zu widersprüchlichen Ergebnissen epidemiologischer Studien erschien in der Anthologie "The Best American Science and Nature Writing". Mit seiner FAZ Multimedia Reportage zur Klangökologie gewann er den Grimme Online Award 2016, den European Newspaper Award 2016, landete auf der Longlist des Nannen Preises 2016 in der Kategorie "Web-Reportage", und wurde nominiert für den GOLDENE KAMERA Digital Award 2017. 

Er ist Verfasser des Kapitels zu Recherche und Faktencheck des Buches "The Science Writers' Handbook" (Da Capo Press, 2013). Eines seiner Spezialgebiete ist global health, da er jahrelang aus aller Welt über Infektionskrankheiten wie HIV, TB und Malaria berichtet hat, etwa aus Indien, Afrika, Südamerika, China und Südostasien. 

Seine Journalismusausbildung absolvierte er als AAAS Mass Media Fellow bei der Chicago Tribune sowie am Science Communication Program der University of California, Santa Cruz. Dazu kommen Zusatzausbildungen zu Fernsehjournalismus an der Journalistenschule ifp in München, zu Videoproduktion am BRIC Arts | Media House in Brooklyn sowie zu Datenjournalismus an der Boston University. Bevor er Journalist wurde, studierte er, unterstützt von der Studienstiftung des Deutschen Volkes sowie vom DAAD, Biologie in Freiburg, Seattle (WA, USA) und Irvine (CA, USA).

 

  • Wie ist die Idee für das Projekt entstanden?

Ich habe schon öfter über Themen im Überschneidungsbereich von Kunst, Musik und Wissenschaft berichtet. Beispiele sind ein Artikel für die Webseite der Radioshow Science Friday darüber, was passiert, wenn man einen Tintenfisch als Lautsprecher verwendet oder das Porträt des Nanotechnologieforschers Jim Gimzewski, der mit einem sogenannten "atomic force" Mikroskop die Vibrationen einzelner Zellen misst, um Krebszellen zu erkennen. Er verwandelt diese Vibrationen auch in Klänge, die sogar schon im Soundtrack eines Horrorfilms verwendet wurden. Als ich dann von Wissenschaftlern erfuhr, die Klanglandschaften untersuchen, war klar: Das ist wie geschaffen für ein Multimediaprojekt

  • Was war die größte Überraschung während der Realisierung?

Dass es an fast allen Küsten der Welt unter Wasser knistert! Als ich vor ein paar Wochen in der Karibik Tauchen war, habe ich zum ersten Mal genauer hingehört, und tatsächlich: Man kann es sogar ohne Mikrophon hören.

  • Welche unerwarteten Hürden gab es?

Zu Beginn der Recherchen bekam ich sofort Antwortmails von Wissenschaftlern, die sich gerne dazu bereit erklärten, mir Material zur Verfügung zu stellen. Aber mit der Zeit stellte es sich als recht schwierig heraus, dieses Material auch zu bekommen. Zum einen, da viele Wissenschaftler und Künstler fast dauernd unterwegs sind, zum anderen hatten manche Bedenken, dass die Leser des Projektes die Klangdateien herunterladen oder kopieren könnten. Es erforderte daher ein großes Maß an Geduld, die Klangdateien zusammenzutragen und genügend Details (wie etwa den genauen Aufnahmeort) in Erfahrung zu bringen. Man muss sich das vorstellen: Ursprünglich habe ich etwa 40 Wissenschaftler und Künstler kontaktiert.
Auch was die Erstellung der Videos anging, war manches schwieriger als ich gedacht hatte. Denn an Orten wie etwa Nationalparks etwa muss man Wochen vorher eine Drehgenehmigung beantragen, für die man außerdem einen Haftpflichtversicherungsnachweis braucht (allein der kann hunderte von Dollars kosten). Dies hatte zur Folge, dass aus meinem Plan, in Kalifornien bei einem der führenden Soundscapeökologen zu filmen, leider nichts wurde. Ich hatte dann aber das Glück, dass mich ein anderer führender Forscher dazu einlud, ihn bei Klangaufnahmen in der Nähe seines Landhauses zu filmen.

  • Was können Sie heute besser als vor dem Projekt?

Vor allem: Projektmanagement! Wenn man hunderte von Einzelelemente in Zusammenarbeit mit dutzenden von Wissenschaftlern und Künstlern sammelt, wird die Organisation des Materials umso wichtiger. Ich hätte das Ganze ohne riesige Exceldateien, die den Status der Recherchen zusammenfassen, wohl nie realisieren können. Außerdem: Da ich eigentlich alles außer der Webseitenprogrammierung selbst machen musste, musste ich mir auch alles selbst beibringen, wie etwa Produktion und Schneiden von Videoaufnahmen sowie die Sichtbarmachung von Naturklängen in der Form sogenannter Klangspektren, die die Frequenz des Klanges auf der senkrechten Achse darstellen.

  • Was hat am meisten Freude bereitet?

Sicherlich das Sichtbarmachen von Klängen in der Form von Klangspektren. Es ist unglaublich, wie viel man so über Klänge lernen kann. Auch die Produktion der Videos hat sehr viel Spaß gemacht.

  • Was würden Sie einem Kollegen raten, der sich ein größeres multimediales Projekt vorgenommen hat?

Weniger ist mehr! Ich würde wohl gleich zu Beginn meine Erwartungen an das Projekt herunterschrauben, denn es ist alles doch sehr viel mehr Arbeit als man denkt.

  • Was haben Sie über die Zukunft des Wissenschaftsjournalismus gelernt?

Die technischen Möglichkeiten sind unglaublich, und viele Dinge, die noch vor wenigen Jahren teuer waren, lassen sich heute auch mit einfachen Mitteln realisieren. Beispiel: Einen Teil des Videos habe ich mit meinem iPhone auf einer Steadycam aufgenommen, die ich für $150 gekauft habe. Dennoch: Der Zeitaufwand ist ohne ein Team doch sehr groß, vor allem, wenn man Freelancer ist.