Wissenschafts-Journalismus heute

Kai Kupferschmidt: Gene und Gebärden

Was wäre wenn du und ein Großteil deiner Freunde und Bekannten morgen mit einem Schlag taubstumm würden? Wie würdet ihr euch unterhalten? Eure eigene Gebärdensprache entwickeln? In Dorfgemeinschaften wie Al-Sayyid in der Negevwüste ist genau das passiert. Eine Beduinen-Familie aus Ägypten hat das Dorf gegründet. Von den fünf Söhnen trugen zwei eine Mutation im Erbgut, die – wenn sie doppelt vorliegt – zu angeborener Taubheit führt. Heute sind etwa 150 der 3500 Dorfbewohner taub.

Um miteinander kommunizieren zu können, haben die Dorfbewohner eine eigene Gebärdensprache entwickelt, die auch die Kinder lernen, die hören und sprechen können. Für die Linguistin Wendy Sandler von der Universität Haifa bietet das Dorf eine ungewöhnliche Chance: Sie kann die Geburt einer Sprache beobachten.  Kai Kupferschmidt hat das Dorf Al-Sayyid und einen anderen Ort, in dem sich eine Dorfgebärdensprache entwickelt hat, besucht und zeichnet die Entwicklung dieser Sprachen nach.
Kai Kupferschmidt ist freier Wissenschaftsjournalist in Berlin und arbeitet als Autor für Science und die Süddeutsche Zeitung. Er hat Molekulare Biomedizin an der Universität Bonn studiert und dann die Berliner Journalisten-Schule besucht. Zu seinen Schwerpunkten gehören Infektionskrankheiten, Biotechnologie und Evolution.
Er ist ein Fan der Langform und hat beim Tagesspiegel die samstags erscheinende „Wissenschaft am Wochenende“ entwickelt, die sich auf einer ganzen Seite einem Thema aus der Wissenschaft widmet. Nun treibt ihn die Freude am ausführlichen Erzählen ins Internet.