Robert Bosch Juniorprofessur Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen

Dr. Björn Vollan

Wie der Klimawandel das menschliche Verhalten beeinflussen kann

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Der Klimawandel führt zu Veränderungen in der Natur: die Ausbreitung von Wüsten, die Zunahme von Orkanen und der Anstieg des Meeresspiegels sind nur einige verheerende Beispiele. Wie verändert sich das Verhalten von Menschen, wenn ihr unmittelbarer Lebensraum von Klimaveränderungen betroffen ist? Die Auswirkungen von Klimawandel auf das Verhalten der betroffenen Bevölkerung ist in vielen Bereichen unklar. Dabei ist das Thema zunehmend brisant: Experten prognostizierten, dass es im Jahr 2050 weltweit etwa 200 Millionen Umweltmigranten geben wird und sie bald die größte Gruppe von unfreiwilligen Migranten ausmachen.

Im Rahmen der Robert Bosch Juniorprofessur wird der Ressourcen- und Verhaltens-Ökonom Dr. Björn Vollan unter anderem Bevölkerungsgruppen auf den Salomonen im Südwestpazifik untersuchen, die in absehbarer Zeit ihre Heimat durch den Anstieg des Meerwasserspiegels verlieren werden. Auf den Philippinen wird er das Verhalten von Menschen erforschen, die im Jahr 2013 von den verheerenden Auswirkungen des Taifuns Yolanda betroffen sind, der auch als Haiyan bekannt ist.

Mit seiner Forschungsgruppe an der Philipps-Universität in Marburg untersucht Vollan, wie sich der Zusammenhalt von Dorfgemeinschaften durch vergangene oder zu erwartende Klimakatastophen verändert. Das Wissen über eine gemeinsame Zukunft beeinflusst das heutige Verhalten. Dadurch wird Kooperation in Situationen ermöglicht, wo Menschen sonst oft eigennützig wären. Was aber passiert, wenn die gemeinsame Zukunft wegfällt? Gibt es weniger Solidarität, Hilfsbereitschaft und Vertrauen? Oder stärkt die Bedrohung sogar die Gemeinschaft? Ihn interessieren insbesondere die Auswirkungen auf den Umgang mit gemeinsam genutzten Ressourcen.

Die Ergebnisse seiner Forschung sollen eine fundierte Beratung für Entscheidungsträger liefern. Denn wo Menschen durch Umwelteinflüsse ihre Heimat verlieren, stehen nationale Regierungen und die internationale Staatengemeinschaft vor gewaltigen Aufgaben. Vollans Arbeit in den Philippinen könnte zum Beispiel wichtige Informationen für die internationale Katastrophen- und Entwicklungshilfe liefern.

(Johannes M. Müller, März 2015)

Kurzportrait

Dr. Björn Vollan, Jahrgang 1976, studierte Ökonomie in Freiburg und promovierte an der Philipps-Universität in Marburg zu Kooperation bei gemeinschaftlich genutzten Ressourcen. Der Titel seiner Dissertation lautet "Co-operation for Common Pool Resources: An Experimental Perspective". Seine Forschung führte ihn bislang in Regionen Afrikas, Chinas, Mexikos und der Philippinen. Für die Juniorprofessur kehrt Vollan vom Forschungszentrum für Umweltökonomie und Regionalentwicklung der Universität Innsbruck nach Marburg zurück.

Verleihung der Juniorprofessur 2015

Fotos: Robert Thiele 
Prof. Dr. Klaus Töpfer, Uta-Micaela Dürig und Dr. Christof Bosch beim Empfang.