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Aktuelle Themen 2014

"Wir brauchen eine Willkommenskultur"

Der baden-württembergische Kultusminister Andreas Stoch diskutierte in der Robert Bosch Stiftung aktuelle Fragen zur Jugendarbeitslosigkeit in Europa mit Vertretern aus Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft. Er fordert mehr Offenheit in der Gesellschaft für Facharbeiter aus anderen EU-Staaten.

"Einer ganzen Generation von jungen Menschen wird bereits am Start der Motor abgewürgt", sagte Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung, zu Beginn der Diskussion über die Ergebnisse der Studie "Jugendarbeitslosigkeit in Europa". Im Fokus stehen dabei südeuropäische Länder, in denen die jungen Menschen besonders unter Beschäftigungsproblemen leiden: Spanien, Italien und Portugal. Die Studie zeigt, wie sich die Arbeitslosigkeit junger Menschen in Europa in den letzten Jahren entwickelt hat, nennt die wichtigsten strukturellen Hürden beim Berufseinstieg und entwickelt daraus allgemeine Handlungsempfehlungen.

"Zwar ist Jugendarbeitslosigkeit kein neues Phänomen", betonte Professor Holger Bonin vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, der die zentralen Befunde der Studie vorstellte. "Wir haben sie aber lange nicht gezielt in den Blick genommen." Dabei macht die Studie deutlich, dass erfolgreiche Strategien zur Jugendbeschäftigung nur gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen: Politik, Wirtschaft, Bildungseinrichtungen vor Ort und schließlich die Jugendlichen selbst.

"Die Jugendarbeitslosigkeit ist eines der fundamentalsten Themen für Europa in unserer Zeit", sagte Andreas Stoch, Minister für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg. Eine zentrale Forderung der Studie ist die stärkere Mobilität in Europa. Wolfram Leibe von der Bundesagentur für Arbeit veranschaulichte die Defizite in diesem Bereich: "In Spanien hält sich das Gerücht, dass Deutschland nur Fachkräfte sucht und keine Menschen." Die Arbeitsmärkte seien noch nicht ausreichend auf Facharbeiter aus anderen EU-Staaten eingestellt. "Wir brauchen eine Willkommenskultur und als Gesellschaft mehr Offenheit", so Stoch. Der gesellschaftlichen Offenheit stehe allerdings der Missbrauch von Arbeitsmobilität zur Senkung von Sozialstandards als Gefahr gegenüber. Deshalb sei es besonders wichtig, prekäre Beschäftigungen zu verringern.

Über ein positives Beispiel berichtete Ingo Thomas von der Robert Bosch GmbH: Das Unternehmen hat in diesem Jahr 100 zusätzliche Ausbildungsplätze für betroffene Jugendliche geschaffen. Die Hälfte davon in Deutschland. Die Jugendlichen werden durch Praktika und Sprachkurse unterstützt, um sie von Beginn an zu integrieren und untereinander zu vernetzen. Eine enge Begleitung, das bestätigten die Podiumsgäste, ist unerlässlich, um hohe Abbrecherquoten zu vermeiden. Als Schritt in die richtige Richtung lobte Cristina Rizzotti, Vorsitzende der Partito Democratico in Deutschland, die neu eingerichteten Welcome Center. Eines davon wurde vergangene Woche in Stuttgart eröffnet. Die Center sollen neue Bürger vor Ort bei ihrem Einstieg in die deutsche Berufswelt und Gesellschaft unterstützen.