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Aktuelle Themen 2014

Für mehr Bildungsgerechtigkeit

Schülerstipendium Talent im Land öffnet sich für alle

"Lieber in Bildung investieren, als später Arbeitslosigkeit zu finanzieren", so formulierte Prof. Jutta Allmendinger die Kernbotschaft ihres Vortrags "Von Talenten und Hürden - Wie gerecht kann Bildung sein?" in der Staatsgalerie Stuttgart. Die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung war Festrednerin vor über 100 Gästen bei der Auftaktveranstaltung des neu aufgelegten Schülerstipendienprogramms Talent im Land der Robert Bosch Stiftung und der Baden-Württemberg Stiftung. Eine lebendige Podiumsdiskussion machte anschließend klar, wie emotional das Thema Bildung und Chancengleichheit besetzt ist.

Seit 2003 vergibt die Robert Bosch Stiftung für jährlich 50 Schüler in Baden-Württemberg ein Stipendium des Programms Talent im Land; seit dem Jahr 2005 gemeinsam mit der Baden-Württemberg Stiftung. Bewerben konnte sich bislang ausschließlich Schüler aus Zuwandererfamilien, die begabt und sozial engagiert sind, gleichzeitig aber beträchtliche Hürden zu überwinden haben, um den bestmöglichen Schulabschluss zu erreichen. Der Migrationshintergrund ist in Deutschland nach wie vor ein wesentlicher biografischer Faktor, der den Zugang zur Bildung erschweren kann. Hinzu kommen ökonomische und soziale Risiken, die der Entfaltung von Talenten im Wege stehen, und die treffen auf alle Schüler zu. Deswegen wurde das Programm Talent im Land erweitert, um für noch mehr Bildungsgerechtigkeit zu sorgen. Seit diesem Jahr können sich alle Schüler unabhängig von ihrer Herkunft um ein Stipendium bewerben, sofern sie dem Anforderungsprofil entsprechen.

Beim Podiumsgespräch berichteten die ehemalige türkischstämmige Stipendiatin Katja Gök, der durch einen Spiegel-Artikel bekannte Bildungsaufsteiger René Schönfelder und Martina Mayer, die Konrektorin der Gemeinschaftsschule in der Taus in Backnang, über ihre Erfahrungen mit und in der Schule, über die Hürden und die persönlichen Begegnungen, die halfen, um neue ehrgeizige Ziele zu erreichen. "Wir fördern individuell, stellen den Klassen ein Pädagogen-Tandem zur Seite und führen dreimal im Jahr mit den Schülern Entwicklungsgespräche, bei denen das Elternhaus natürlich auch eine wichtige Rolle spielt", so Mayer.

"Es gibt also bereits Modelle, die für mehr Gerechtigkeit sorgen. Warum einigt sich die Politik aber nur auf den jeweils kleinsten gemeinsamen Nenner“, so die Frage von Jutta Allmendinger an den Ministerialdirektor des Landesministeriums für Kultus, Jugend und Sport Dr. Jörg Schmidt. Trotz der Veränderungen im Bereich der Bildung "kann die Politik nur die Basisversorgung stemmen", so Schmidt. Modelle wie in Backnang, so gut sie auch seien, könnten finanziell kaum unterstützt werden. "Deshalb sind wir den Stiftungen auch sehr dankbar, dass sie hier einspringen und nachhaltige Entwicklungen anstoßen."

Das Programm "Talent im Land - Das Schülerstipendium für faire Bildungschancen" hat seit seinem Bestehen über 500 schulische und persönliche Entwicklungen gefördert und Bildungskarrieren ermöglicht. Dass es den Trägern dabei nicht allein um schulische, sondern ebenso künstlerische Begabungen geht, belegten Zdravka Bosancic mit einer Poetry-Slam Performance und die stimmgewaltige Vanesa Nikolova, begleitet von Ivo Georgiev am Klavier. Sie alle sind ehemalige Stipendiaten von Talent im Land und auf ihre Weise Vorbilder.

Bildergalerie

Prof. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, sprach zum Thema "Wie gerecht kann Bildung sein?"
Blick ins Publikum
Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung, und Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung, im Gespräch mit Moderator Martin Spiewak, Redakteur Die Zeit
Podiumsdiskussion
Martina Mayer, Gemeinschaftsschule in der Taus, Backnang
Ministerialdirektor Dr. Jörg Schmidt, Kultusministerium Baden-Württemberg
Musikalische Begleitung durch Vanesa Nikolova und Ivo Georgiev
Zdravka Bosancic bei ihrem Poetry Slam: "Vorteile der Nachteile"

Audio

Katja Gök schildert ihre Erfahrungen als Stipendiatin von Talent im Land: