Das Lektorenprogramm in Osteuropa und Asien

Frag deine Oma - Migration im Ferganatal - Eine Oral History

Dschalalabat/ Osch/ Fergana/ Khudschand (März 2016)

Nationale Speisen, nationale Kleidung, nationale Geschichte: Die zentralasiatischen Republiken legen großen Wert auf ihre jeweiligen Traditionen. Im Ferganatal leben jedoch, verteilt auf die drei Staaten Usbekistan, Kirgistan, Tadschikistan, Menschen unterschiedlicher Nationalität und Grenzen. Migration hat besonders in den letzten Jahrzehnten Biographien und Familiengeschichten im geographischen Raum des Ferganatals geprägt. Sei es aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen - fast jede Familie kann eine Geschichte des Wohnortwechsels in den letzten zwei Generationen erzählen. Teils findet man bessere Arbeitsbedingungen im Ausland, teils leben Kinder oder Enkel in einem anderen Land als dem ursprünglichen Geburtsland. Das prägt auch die Jugendlichen heute. Das Projekt schickte daher Schüler, Schülerinnen und Studierende aus der Region auf eine Spurensuche: Wo kamen Großeltern und Eltern zur Welt? Wo leben sie jetzt? Was hat Lebensräume geprägt? Was verbindet Familien?

Startschuss des Projekts war eine Konferenz im Juli 2016 in Almaty, Kasachstan. 20 SchülerInnen und Studierende kamen zusammen, stellten ihre Geschichten vor und erhielten ein Schreibtraining zum Portraitieren und zur Darstellung der Geschichte des Ferganatals. In den folgenden Wochen wurde der Projekttitel umgesetzt: "Frag deine Oma!". Nicht nur Omas, auch andere Verwandte der älteren Generationen wurden interviewt und in kurzen Texten porträtiert. Auf einer eigenen Projektseite wurden so Woche für Woche Geschichten und Geschehnisse veröffentlicht, die ein Kaleidoskop zentralasiatischer Beziehungen jenseits nationaler Grenzen bilden.

Während des Projekts entdeckten die Projektteilnehmer das ein oder andere Familiengeheimnis: Ein heldenhafter Urgroßvater, eine interreligiöse Liebe, eine Flucht aufgrund Aufständen und Kriegen - die Familiengeschichten aus dem Ferganatal stehen stellvertretend für die ganze Bandbreite zentralasiatischen Lebens der letzten 100 Jahre.

Das Projekt wurde unterstützt durch die Friedrich Ebert Stiftung Almaty, das Goethe Institut Almaty, den DAAD in Bischkek sowie die Deutsch-Kasachische Universität Almaty (DUK).


Projektteam:

  • Alexander Barth, Lektor in Dschalalabat/ Kirgistan
  • Florian Coppenrath, Lektor in Osch/ Kirgistan
  • Simone Helmschrott, Lektorin in Fergana/ Usbekistan
  • Adrian Ptak, Freiwilliger "kulturweit" in Khudschand/ Tadschikistan
  • Martin Schäfer, Lektor in Almaty/ Kasachstan

Projektseite