Grenzgänger

Mounia Meiborg:

Mounia Meiborg lebt als Journalistin in Berlin. Sie arbeitet vor allem als Reporterin und Theaterkritikerin für die Süddeutsche Zeitung, Die Zeit, den RBB und andere. 1984 wurde sie in Dijon geboren. Sie studierte Kulturwissenschaften mit den Fächern Theater, Musik und Literatur in Hildesheim und besuchte im Anschluss die Deutsche Journalistenschule in München. Ein Jahr lang berichtete sie aus Israel und Palästina. Eine ihrer Reportagen wurde mit dem Journalistenpreis „Rechtsextremismus im Spiegel der Medien“ ausgezeichnet. Im Mai 2014 ist im Ullstein-Verlag ihr erstes Buch erschienen.
Afrikas letzte Kolonie – die Westsahara

Die Vereinten Nationen haben die Westsahara einmal als „letzte Kolonie Afrikas“ bezeichnet. Marokko hält das Land seit 1975 besetzt.

Seit über zwanzig Jahren warten die Ureinwohner der Region, die Sahrauis, auf ein Referendum, in dem sie über ihre Unabhängigkeit abstimmen können. Überall sonst in Afrika wird gerade über Postkolonialismus diskutiert. Nur in der Westsahara dauert die Fremdherrschaft an – auch, weil die Marokkaner eine Art Kolonialismus light praktizieren, die Wirtschaft ankurbeln und geschickt Sahrauis führender Stämme für sich gewinnen.

Durch die sahrauische Gesellschaft geht ein Riss: Die einen fordern weiter die Unabhängigkeit, die anderen haben sich mit den marokkanischen Machthabern arrangiert. Das Feature beleuchtet einen vergessenen Konflikt, der Nordafrika lähmt.

SWR2 
Redaktion: Udo Zindel
Länge: 27:30
Erstausstrahlung: 13.05.2014, 8:30 Uhr

BR2
Redaktion: Jörg Paas
Länge: 25:56 
Erstausstrahlung: 02.08.2014, 18:05 Uhr
Wiederholung: 06.08.2014, 14:05 Uhr

Hörprobe

Weitere Informationen

Bildergalerie

Die Westsahara besteht vor allem aus Geröllwüste. Sie umfasst 266.000 km² und ist damit etwas kleiner als Italien. Die Westsahara ist seit 1975 von Marokko besetzt.
El Aaiún ist die Hauptstadt der Westsahara. Im Zentrum sind die Häuser gepflegt, Springbrunnen plätschern, die abends farbig angestrahlt werden.
Der Meschouar ist der größte Platz der Stadt. Bei gutem Wetter flanieren hier Familien, Händler verkaufen Zuckerwatte.
Die Wohnbezirke, die nicht unmittelbar im Zentrum liegen, sind dagegen vernachlässigt.
Viele Häuser sind nicht fertig gebaut. Die kleineren Straßen sind oft unbefestigt, Bürgersteige gibt es nicht.
Das Viertel Maatala ist bekannt für seinen politischen Widerstand. Hier leben vor allem Sahrauis, die Ureinwohner der Westsahara. Wenn in El Aaiún für die Unabhängigkeit der Westsahara demonstriert wird, dann meist hier.
Die Frente Polisario, die Unabhängigkeitsbewegung der Sahrauis, hat ihren eigenen Fernsehsender, den man in El Aaiún per Satellitenschüssel empfangen kann. Auf RASD TV laufen rund um die Uhr Revolutionsparolen.
Der Hafen von El Aaiún. Fisch ist der wichtigste Wirtschaftszweig in der Westsahara.
Die Halle, in der der Fisch verkauft wird. Einige Sahrauis fühlen sich von den Marokkanern auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert. Andere sagen, dass gerade die Marokkaner ihnen wirtschaftliche Chancen eröffnet haben.
Mounia Meiborg reiste im Frühjahr 2014 als Grenzgänger-Stipendiatin nach Marokko und in die Westsahara. Sie traf sahrauische Unabhängigkeitskämpfer und marokkanische Politiker, Fischer, Geschäftsleute, UN-Mitarbeiter und Jugendliche, die einen Märtyrertod sterben wollen.

Rückblickend resümiert Mounia Meiborg das Ergebnis der Reise, die sie immer wieder aufgrund der Sicherheitslage und aufgrund von Einreisebestimmungen verschieben musste. „Als gelungen empfinde ich, dass ich vor Ort meine Thesen über Bord geworfen habe und die Geschichte ganz anders geworden ist, als ich es geplant hatte.“