Robert Bosch Kulturmanager in der arabischen Welt

Nildelta

Das ägyptische Nildelta ist seit 2012 Teil des Robert Bosch Kulturmanagerprogramms.

Das Nildelta, das sich auf einer Fläche von ca. 25.000 km² nördlich von Kairo erstreckt, ist die fruchtbarste Region Nordafrikas und zählt etwa 40 Millionen Einwohner. Bei den Städten des Nildeltas handelt es sich um mittelgroße Städte mit 200.000 bis 450.000 Einwohnern, die – bedingt durch die Nähe zu den großen Metropolen Kairo und Alexandria – bisher kulturell wenig erschlossen sind.

Die Robert Bosch Kulturmanagerin wird zunächst an zwei Standorten im Nildelta tätig sein: Mansoura, einer Stadt im Nordosten des Deltas, sowie Damanhour im Nordwesten. Hier führt sie gemeinsam mit lokalen Partnern (Bibliotheken, Buchhandlungen, Nicht-Regierungs-Organisationen) Kulturveranstaltungen durch, die die Menschen vor Ort für die deutsche Kultur begeistern und ein aktuelles Deutschlandbild vermitteln sollen.
Anna-Mareike Voss, geboren 1987 in Leipzig, studierte Europawissenschaften an der Universität Bremen sowie Politikwissenschaften an der Cairo University und der Freien Universität Berlin.

Nachdem sie im Bachelor zunächst einen Fokus auf die russische Sprache und osteuropäische Gesellschaften gelegt hatte, begann sie mit dem Studium der arabischen Sprache ein Interesse am arabischen Raum zu entwickeln. Studienschwerpunkte waren dabei Flucht und Migration, aber auch arabische politische Philosophie und Geschichte.

Während eines Forschungspraktikums bei der Heinrich-Böll-Stiftung in Beirut erarbeitete sie ihre Abschlussarbeit zur armenischen Diaspora im Libanon in narrativen Interviews und vertiefte ihre Arabischkenntnisse.

Erfahrung im Kulturmanagement sammelte sie als Managerin des syrisch-deutschen Theaterkollektivs sodom, welches die Erlebnisse und Enttäuschungen junger Syrerinnen inmitten von Revolution und Bürgerkrieg verarbeitet.

Anna-Mareike Voss wird als Robert Bosch Kulturmanagerin für das Nildelta zuständig sein.
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„We Will Return Soon“ – Oral History am Suezkanal

Für eine Workshopwoche trafen sich junge Ägypterinnen und Ägypter aus der Suezkanalregion und anderen Teilen des Landes in Ismailia, um sich mit der Zwangsmigration während des Krieges von 1967 auseinanderzusetzen. Vormittags beschäftigten sie sich mit Oral History und Gendertheorien als Perspektive auf die Geschehnisse von 1967, nachmittags wurden Exkursionen unternommen – zu einem Semsemiya-Konzert, in ein Zeitungsarchiv, auf eine Mangofarm, zu den älteren Frauen eines historischen Viertels und zum damaligen Bürgermeister von Ismailia. Die Eindrücke und Interviews der Woche wurden am letzten Abend in kurzen Geschichten nacherzählt und brachten Pläne für neue Projekte zur Lokalgeschichte hervor.

Copyright Foto: Anna-Mareike Voss
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Delta Exchange

Zum Auftakt der Serie „Delta Exchange“ trafen sich elf Mitglieder unterschiedlicher Kulturinitiativen des Nildeltas im Goethe-Institut Kairo, um ihre Arbeit, Erfahrungen und Herausforderungen in der Kulturarbeit in Ägyptens Peripherie zu diskutieren. Die Architektur-, Kino-, Geschichts- und Technologiebegeisterten hörten teils zum ersten Mal von der Arbeit anderer Kulturschaffender in ihrer Heimatstadt und fanden viele gemeinsame Themen wie z.B. Fundraising, Teamdynamiken und rechtliche Fragen.. Mithilfe externer Experten werden während der nächsten Treffen im Nildelta ein gemeinsamer Lernprozess und mögliche Kooperationen angestoßen.

Copyright Foto: Anna-Mareike Voss
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Circ'Us

In Zusammenarbeit mit dem Institut français in Ägypten, und den Partnerorganisationen Mahatat for Contemporary Art (Ägypten), Vuesch e.V (Deutschland) und Nomadways (Frankreich) wurde die Residenz und die Tournee Circ'Us im Nildelta durchgeführt. Fünf deutsche, fünf französische, fünf ägyptische Künstler sowie fünf ägyptische Amateure haben im Rahmen ihrer zehntägigen Residenz in Port Said eine Performance mit Livemusik entwickelt, die sie im Anschluss in neun verschiedenen Städten im Nildelta mit einer Schlussaufführung in der Hauptstadt Kairo aufgeführt haben. Während der Residenz und der Tournee haben die Zirkuskünstler verschiedene Workshops für Kinder und junge Erwachsene angeboten. Musik, Akrobatik, Jonglieren - alles war dabei um näheres über die Zirkuswelt zu erfahren. Das Publikum war zahlreich, es kamen insgesamt über 5.500 Zuschauer, hauptsächlich Familien und Kinder. Das Highlight war der Auftritt im Dorf von Abu Mangug, wo über 2.000 Leute, sogar aus den Nachbardörfern, kamen, um sich die Aufführung anzuschauen.

Copyright Foto: Mostafa Abdel Aty
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Selfportrait – Selfpromotion

Die ägyptische Fotografin Nadia Mounier und die deutsche Fotografin Marie Lagabbe haben zusammen einen fünftägigen Workshop in Mansoura für 15 junge Interessierte geleitet. Die praktischen Aspekte des Fotografierens standen im Fokus des Workshops: eine eigene Lochkamera zu basteln, die verstaubten Kameras der Eltern wieder ans Licht zu bringen und auszuprobieren, und sich die Geschichte des Selbstportraits anzuhören, um die grundlegenden Regeln des Fotografierens zu erlernen. Außerdem war es eine einzigartige Gelegenheit für beide Künstlerinnen sich über Fotografie aus der jeweils anderen Region auszutauschen.

Copyright Foto: Hélène Aury
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Goethe Filmwoche in Ismaeliya

Im Rahmen der Goethe Filmwoche, die im Juni 2016 am Goethe-Institut Kairo stattfand, wurde in Ismaeliya eine Auswahl von vier Filmen gezeigt. Die Filme „Bornholmerstrasse“, „Ein Geschenk der Götter“, „Im Labyrinth des Schweigens“ sowie der ägyptische Kurzfilm „Dry hot summers“ wurden am 3. und 4. August 2016 im Co-Working-Space Mok3ab gezeigt. An den zwei Tagen haben über 200 Personen die Vorführungen besucht.

Copyright Foto: Goethe-Institut Kairo
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Urban Sound Dialogue: Spaces speak – Let’s listen!

In Zusammenarbeit mit der Fakultät für Architektur der Universität in Mansoura wurde vom 19.-24. Februar 2016 ein fünftägiger Workshop für Architekturstudenten organisiert. Ziel war es, dokumentarische Audiowalks mit verschiedenen Hörstationen zu kreieren. Die Flyer zu den jeweiligen Audiowalks wurden von Studenten entworfen. Das Echo war sehr gut und die Wahrnehmung der Studenten gegenüber der Stadt hat sich verändert. Die Studenten haben neue Ecken in der Stadt kennengelernt und Interesse entwickelt, die Geschichte ihrer Stadt an Dritte weiterzugeben.

Copyright Foto: Hélène Aury
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Breakdance Unlimited

Von Popping über Free Style und atemberaubende Powermoves: So präsentierten sich 12 junge Tänzer aus ganz Ägypten am 14. Februar 2016 mit einer Abschlussperformance des Workshops „Breakdance Unlimited“ und begeisterten das Publikum. Diese Veranstaltung war die erste ihrer Art im oberägyptischen El Minya und das Ergebnis eines dreitägigen Intensivworkshops, der unter Anleitung des mehrfachen Vize-Weltmeister und Berliner Meisters in Breakdance Mohammed Chaabi aka Moe stattfand. Vorausgegangen war der Show eine Vorführung des Dokumentarfilms „Neukölln Unlimited“, der sich mit der Lebensrealität der Migrantengeschwister Akkouch und der Bedeutung von Breakdance bei der Flucht vor den Alltagssorgen auseinandersetzt. Neben dem Tanzen nutzten alle Beteiligten die Zeit intensiv, um sich nicht nur künstlerisch, sondern auch interkulturell auszutauschen.

Das Projekt „Breakdance Unlimited“ war ein Gemeinschaftsprojekt der drei Robert Bosch Kulturmanager in Ägypten (Hélène Aury, Jenny Ebner und Dominik Reich), das vom 10 -14. Februar 2016 in El Minya stattfand.

Copyright Foto: Hélène Aury
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Schreibwerkstatt – von der Idee zum Pitching

In Mansoura fand noch nie ein Dokumentarfilmworkshop statt und so entstand die Idee, vom 3.-4. Dezember 2015 einen solchen Workshop mit Francesca Araiza zum Thema Gender zu organisieren. Dieser hatte den Titel „Von der Idee zum Pitching“ und stand für junge Frauen und Männer offen. 12 Teilnehmer setzten sich mit den Themen Frühehen, FGM und Geschlechtertrennung in der ägyptischen Gesellschaft auseinander.

Copyright Foto: Hélène Aury
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Jugend debattiert

In Zusammenarbeit mit dem PASCH-Team habe ich die Veranstaltung „Jugend debattiert“ am 26. November 2015 in Damanhour organisiert. Dabei handelte es sich um einen Debattenwettbewerb für ganz Ägypten. Die Vorrunden fanden jeweils in allen Provinzen statt und der finale Wettbewerb in Kairo. 2015 gewann ein Schüler aus Damanhour den Wettbewerb.

Copyright Foto: Goethe-Institut Kairo/Sabry Khaled
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Niescier Sublim in Damanhour

Es gibt drei Opernhäuser in Ägypten - in Kairo, Alexandria und Damanhour. König Fouad wünschte sich ein Opernhaus auf dem Weg von Kairo nach Alexandria, was dazu führte, dass ein drittes Opernhaus in Damanhour errichtet wurde. Ich hatte die Ehre, in diesem Opernhaus am 19. November 2015 das erste Jazzkonzert zu organisieren. Die deutsche Jazzband Niescier Sublim wurde vom Goethe-Institut Alexandria eingeladen. Nach einem musikalischen Dialog in der Stadtbibliothek mit Schülern aus der Stadt besuchte die Hälfte der Schüler auch das Konzert. Obwohl es sich um eine nichtägyptische Band handelte, war das Konzert mit 120 Besuchern sehr gut besucht.

Copyright Foto: Hélène Aury
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Goethe Film Week

Im Rahmen der Goethe Film Week, die im September 2015 am Goethe-Institut Kairo stattgefunden hat, wurde im Nildelta (Luxor, Assiut und Mansoura) eine Auswahl von vier Filmen gezeigt. So wurden die Unterhaltungsfilme „Zwischen Welten“ und „Jack“ sowie die Dokumentarfilme „Alphabet“ und „Phoenix“ am 14. und 15. Oktober 2015 im Kulturzentrum Books and Beans in Mansoura gezeigt. An zwei Tagen haben über 110 Personen die Vorführungen besucht.

Copyright Foto: Hélène Aury
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Kurzfilmwerkstatt

Zwischen Mai und September 2015 hat der ägyptische Filmregisseur Ahmad Ghoneymi sein Wissen mit fünf jungen Erwachsenen aus Mansoura geteilt. Vom Skript bis zum Dreh der Kurzfilme wurden alle Schritte des Filmemachens beleuchtet. Das Ergebnis waren zwei Kurzfilme, die auf verschiedenen Festivals in Ägypten eingereicht und präsentiert worden sind. „Sticky note“, realisiert von Lamees Elbamby, behandelt mit viel Humor einen Flirt zwischen zwei Jugendlichen in Mansoura. „Heya“, realisiert von Eman Abd Elaziz, behandelt das Thema Gewalt in der Ehe in Ägypten.

Copyright Foto: Hélène Aury