Denkwerk

Liebe, Trauer, Lust und Frust – Denkwerk zur Darstellung von Emotionen im Spiegel der deutschen Literatur des Mittelalters und der Neuzeit

Koordinator: Prof. Ludger Lieb, Germanistisches Seminar, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Ansprechpartnerin: Ricarda Wagner, Germanistisches Seminar, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Das Denkwerk Liebe, Trauer, Lust und Frust will Affekte, Emotionen und Stimmungen in der deutschen Literatur des Mittelalters und der Neuzeit diachron untersuchen und dabei Konzepte der Darstellbarkeit von Emotionen überprüfen. Was ist eine Emotion? Welche wissenschaftlichen Theorien existieren dazu, von Aristoteles über Darwin bis zur modernen Psychologie und Philosophie? Was unterscheidet eine Emotion von einem Affekt und von einer Stimmung?

Mit einer Arbeitsdefinition von "Emotion" überlegen die SchülerInnen dann, wie Emotionen sprachlich ausgedrückt und literarisch dargestellt werden können. Besonders die historische Dimension von Sprache als Werkzeug zur Kommunikation über Emotionen rückt das Projekt dabei in den Fokus. War mhd. haz immer gleich nhd. "Hass"? Welche Metaphern finden sich zur Beschreibung von Wut in Texten des Mittelalters, welche dagegen in denen der Aufklärung? Welche Funktion übernehmen sie für die einzelnen Figuren? Welche Bedeutung haben sie im Wechselspiel mit der Gemeinschaft?

Weiterhin werden Mimik, Gestik und andere Körperzeichen als Kategorien für die Textanalyse erschlossen. Wie werden Affekte, Emotionen und Stimmungen auf die Ebene der äußeren Erscheinung übersetzt? Welche körperlichen Erscheinungen begleiten z. B. die mittelalterliche Melancholie, welche die romantische?

Zudem sind literarische Texte auch Speicher von Schemata, die das Handeln, Denken und Fühlen der Menschen in Vergangenheit und Gegenwart prägen.

Begleitende Abendvorträge am Germanistischen Seminar ergänzen das Spektrum um aktuelle Ansätze und Theorien aus der historischen und literaturwissenschaftlichen Forschung und bieten einen Einblick in universitäre Lehrformen.

Ziel des Seminarkurses ist das selbständigen Entwickeln und Ausarbeiten einer eigenen Forschungsfrage in einer Facharbeit sowie die performative Aufbereitung der Ergebnisse für den Mittelaltertag an der Universität Heidelberg am 5. Juli 2014, zu dem wir schon jetzt herzlich einladen.