Robert Bosch Juniorprofessur Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen

Dr. Hjalmar Kühl

Menschenaffen und ihre Lebensräume besser schützen

Menschenaffen leben in den tropischen Regionen Afrikas und Südostasiens. Diese Regionen sind reich an natürlichen Ressourcen. Der stetig wachsende lokale und globale Ressourcenhunger der Menschen stellt eine große Gefahr für den Fortbestand der Lebensräume von Menschenaffen dar. Wälder werden gerodet und Savannen in Weide- oder Ackerland umgewandelt. Der Bau von Straßen in den Waldregionen verschärft die Situation, da Wilderer, Holzfäller, Minengesellschaften und industrielle Landwirtschaftsbetriebe einen leichteren Zugang zu den Gebieten der Menschenaffen haben.

Durch die Vergabe von Konzessionen zum Ressourcenabbau und die Einrichtung von sogenannten Resource Management Areas (RMAs) soll die unkontrollierte Zerstörung dieser Naturräume aufgehalten werden. Bislang existiert allerdings kein Ansatz, mit dem sich die Effektivität solcher Schutzmaßnahmen empirisch (evidenzbasiert) nachweisen und beurteilen lässt.

Im Rahmen der Robert Bosch Juniorprofessur 2014 möchte Dr. Hjalmar Kühl neue Ansätze finden, um die negativen Folgen der übermäßigen Nutzung natürlicher Ressourcen in Lebensräumen von Menschenaffen zu reduzieren. Hierfür wird er RMAs sowie Holz-, Minen- und Plantagenkonzessionen untersuchen und für diese komplexen sozio-ökologischen Gebilde ein Evaluierungssystem entwickeln. Daraus sollen mittelfristig Managementmaßnahmen hervorgehen, die zu einer erhöhten ökologischen Stabilität dieser Naturräume führen.

Dr. Kühl möchte evidenzbasierten Umweltschutz mit complexity science, der Wissenschaft komplexer Systeme, kombinieren. Bisher gibt es international nur eine Handvoll Forscherteams, die diese junge, aber sehr vielversprechende Richtung innerhalb der Nachhaltigkeitswissenschaft verfolgen. Damit die Verbindung dieser Disziplinen gelingt, wird Dr. Kühl ein interdisziplinäres Team aus Ökologen, Ökonomen und anderen Sozialwissenschaftlern zusammenstellen.

Für sein Forschungsprojekt wird Dr. Kühl eng mit Umweltschutzprojekten kooperieren, die von staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen auf lokaler und nationaler Ebene durchgeführt werden. Dazu gehören Initiativen wie die Great Ape Survival Partnership (GRASP) des Umweltprogramms der Vereinten Nationen oder Programme des World Wide Fund For Nature (WWF).

Kurzportrait

Dr. Hjalmar Kühl studierte in Freiburg und Konstanz Biologie. Er promovierte am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie und der Universität Leipzig über zeitliche und räumliche Dynamiken in Gorilla- und Schimpansenpopulationen. Für diese Arbeit hielt er sich längere Zeit in verschiedenen Ländern Zentralafrikas auf. Mit seiner Forschungsgruppe entwickelte Dr. Kühl verschiedene Datenbanken, die international für den Schutz von Menschenaffen genutzt werden.

Im Rahmen der Robert Bosch Juniorprofessur wird Dr. Kühl eine neue Forschungsgruppe am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig aufbauen.

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