Grenzgänger

Alexander Pehlemann:

Geboren im Summer of 69, Berlin-Lichtenberg. Kurz darauf verbannt in die drögen Heiden, die heute Vorpommern heißen. Tauschte später die angehende Karriere als Ringer im griechisch-römischen Stil beim Armeesportklub "Vorwärts" Frankfurt/Oder gegen popkulturelle Verwirrung zu DDR-Konditionen. Prototyp: Lonesome Provinz-Punk. DDR wurde weggewendet, die Verwirrung blieb, nur anders, und wurde später mit Verwertung kombiniert. Kunstgeschichtsstudium in Greifswald mit anschließendem "Hängenbleiben" als "Kulturnetzwerker". Seit 1993 von diesem medialen Außenstandort aus unregelmäßig Herausgeber des Zonic, Magazin bzw. nunmehr Almanach für "Kulturelle Randstandsblicke & Involvierungsmomente", dabei mit Vorliebe den Blick in die osteuropäischen Subkulturzonen pflegend. War ansonsten von 1993 bis 2006 und ist seit 2010 wieder Selekta des Al-Haca Sound System (Veröffentlichungen auf Different Drummer und Klein Records) und bastelte zudem als Mitglied der Underwater Agents an extravaganten Hörstücken. Gelegentliche Schreibereien für Spex, Intro, Riddim, P+, Grimm oder regionale/lokale Magazine (Zypresse, Likedeeler, Kreuzer) gehören genauso zur Verwertungs-Vita wie einige einstündige Radio-Features für den Staatsfunk und die Zonic Radio Show auf diversen Kanälen (von Radio 98eins bis Radio Blau). 2006 Herausgeber des Zonic-Spezials "Spannung. Leistung. Widerstand. Magnetbanduntergrund DDR 1979–1990" (Zonic/Verbrecher Verlag/ZickZack) und 2009 Compiler der CD "Polska Rootz. Beats, Dubs, Mixes & Future Folk From Poland" (Eastblok Music). Seit 2009 in Leipzig-Connewitz stationiert, wo er die Wohnstätte im Ursprungsgebäude der Galerie EIGEN+ART ab und an als Kultúrny Dom B31 der interessierten Öffentlichkeit öffnet.
Go Ost!

"'Go Ost!' ist kein (zum Scheitern verurteilter) Versuch eines objektivierenden Komplett-Überblicks mit Sachbuchcharakter, sondern meine radikal persönliche Annäherung an die Subkulturen des geografischen wie historisch-politischen Ostens. Entworfen von einem getriebenen Reisenden, der mit Leidenschaft und Neugierde durch Zeiten, Räume und Klänge raste und dabei sowohl Erinnerungssedimente und zwischendurch entworfenen Reflektionen überprüfte, als auch neue Expeditionen unternahm. Eines Reisenden, der zum Reise(ver)führer wird, sich dabei seiner Fremdheit bewusst ist und zugleich in der Fremde nach Spuren potentieller Gemeinsamkeit im (post-)subkulturellen Sektor des post-kommunistischen Blocks sucht. Ein ehemaliger DDR-Provinz-Punk auf dem Weg durch die ehemaligen Provinzen des sowjetischen Empires (und das in vielfältiger Hinsicht Sondergebiet Ex-Jugoslawien).

Unterwegs mit einer teils durch familiäre Verwurzelungen gefütterten Sehnsucht, aber auch in einer Art Fluchtverhalten nach der Wiedervereinigung, als Ausweichen in noch nicht durch westliche Pop-Kanons mit Archiv-Tiefe erfasste, also noch für eigene Entdeckungen freie Territorien. Territorien der Eigenentdeckung also auch, Zonen des Nah-Fremden. Alles ist dabei eher materialreicher Entwurf oder Empfehlung und weniger fixierendes, aus irgendeiner (Selbst-)Sicherheit entstehendes Urteil. Der Aufenthalt ist stets nur temporär, der Status der eines Gasts, bei noch so gelungener persönlicher Anbindung. Zu Gast also bei der Polski Punky Reggae Party, auf dem tschechischen Prog Punk-Sonderweg, auf House-Parties in Estland, bei jüdischen Konzeptkunstpunks oder rockrasenden Astro-Schamanen in Ungarn, beim Zusammentreffen von Eastbam und Westbam in (Sowjet-)Lettland, bei neo-orthodoxen (Post) Post Punks mit Bischofswürden in Mazedonien und am industriellen Ursprungsort der Neuen Slowenischen Kunst, auf Planetariums-Raves in Leningrad und in einer Goa-Komunalka in St. Petersburg oder bei katholischen Alt-Punks in Polen – um nur einige Stationen aufzuzählen.

Das Buch kommt zudem mit einer extra zusammengestellten 'Go Ost!'-CD, die in einer wiederum sehr persönlichen Auswahl einige der beschriebenen Sounds direkt erfahrbar macht, darunter teils bis dato unveröffentlichte Stücke aus den Jahren 1982 bis 2013, die in Kooperation mit den Labels ZickZack und Eastblok Music veröffentlicht werden."

Broschur mit CD
224 Seiten 
Ventil Verlag, Mainz, 2014
ISBN: 978-3-95575-019-0

Weitere Informationen

Bildergalerie

"Die Recherchen für 'Go Ost! Klang – Zeit – Raum. Reisen in die Subkulturzonen Osteuropas' führten mich innerhalb eines Zeitraums von mehr als einem Jahr einerseits in einige bereits mehrfach bereiste Länder zurück, nach Russland, Ungarn, Polen, Tschechien und in die Slowakei, andererseits erstmals nach Serbien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina und Rumänien. Die gesammelten Erlebnisse, die gemachten Erfahrungen sind kaum in Kürze zusammenzufassen. Was auf jeden Fall gilt: überall findet sich eine vitale Subkultur, welcher Ausprägung auch immer, finden sich querdenkenden Unruhestifter des Kulturellen".