Die Robert Bosch Stiftung

Deutsch-polnische Beziehungen 1
Foto: Susanne Kern 
Seit 1974 fördert die Robert Bosch Stiftung die deutsch-polnischen Beziehungen. Hier trifft Ulrich Bopp, ehemaliger Geschäftsführer der Stiftung, den ehemaligen polnischen Außenminister Wladyslaw Bartoszewski und den Übersetzer Karl Dedecius.

Die deutsch-polnische Zusammenarbeit

Im Jahr 1974 nahm die Robert Bosch Stiftung die Förderung der deutsch-polnischen Zusammenarbeit auf. Was aus heutiger Sicht naheliegend klingt, war damals eine Pioniertat. Direkter Kontakt mit den kommunistischen Staaten jenseits des Eisernen Vorhangs war für viele in der Bundesrepublik Deutschland unvorstellbar. Die Verantwortlichen in der Stiftung aber sahen in den Beziehungen zu Polen und Frankreich den Schlüssel für eine gesamteuropäische Verständigung.

In den folgenden Jahren entwickelt sich die Robert Bosch Stiftung zu einem zentralen Mittler nach Polen: Bis in die 1990er Jahre gibt es kaum ein Projekt mit Polen, das nicht von der Stiftung angestoßen oder gefördert wird. Aus der Vielzahl von Projekten und Partnerschaften entstand ein enges und bis heute tragfähiges Netzwerk persönlicher Kontakte zwischen Polen und Deutschen. Zu diesem Netzwerk gehören Stiftungen wie die Polnische Kinder- und Jugendstiftung, Nichtregierungsorganisationen wie das Zentrum für Internationale Beziehungen, aber auch bedeutende Intellektuelle und einflussreiche Persönlichkeiten wie Wladyslaw Bartoszewski, der ehemalige polnische Botschafter Janusz Reiter oder der aktuelle Botschafter der Republik Polen in Deutschland, Jerzy Marganski.
 

Zentrum der Polen-Studien in Deutschland

Als erstes Projekt in Polen unterstützte die Stiftung 1974 eine wissenschaftliche Publikation. Darin bilanzierten Forscher aus Deutschland und Polen die deutsch-polnischen Beziehungen und zeigen auf, wie sich das Verhältnis zwischen den Nachbarn normalisieren kann. Neben dem Austausch von Wissenschaftlern und insgesamt fünfzig Studienreisen von Fachleuten u.a. aus Landwirtschaft, Kultur und Hochschulen war die Einrichtung einer Gastprofessur mit dem "Schwerpunkt Polen" an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Jahr 1982 ein wichtiger Baustein der deutsch-polnischen Beziehungen. Der Lehrstuhl entwickelte sich rasch zu einem Zentrum der akademischen Polen-Studien in Deutschland.

 

  

Die Kontaktaufnahme mit den Menschen im kommunistischen Polen war für die Robert Bosch Stiftung zunächst schwierig. Deshalb zielte die Arbeit der Stiftung "nicht auf spektakuläre, öffentlich sichtbare Schritte, sondern langfristig auf Information und Bewusstsein", wie der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker in einer Festschrift im Jahr 2000 schreibt. "Auf eher stille und zugleich einzigartige Weise" konzentrierte sich die Stiftung darauf, Menschen aus Kultur, Wissenschaft und Bildung zusammenzubringen und der ideologischen Abgrenzungspolitik zwischen Ost und West entgegenzuwirken.
 

Ein privat gefördertes Jugendwerk

Bis zum Fall des Eisernen Vorhangs reisten 28.000 Schüler- und Studenten aus Deutschland und Polen ins jeweils andere Land. Rückblickend kann man geradezu von einem privat geförderten Jugendwerk über die DDR hinweg sprechen. Im Fokus standen vor allem das Kennenlernen und die Begegnung mit dem Nachbarn. So förderte die Robert Bosch Stiftung auch 150 Schulpartnerschaften, bis das Deutsch-Polnische Jugendwerk diese Rolle übernahm.

Dem kulturellen Dialog zwischen Deutschen und Polen widmet sich das Deutsche Polen-Institut in Darmstadt, das 1981 mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung gegründet wurde. Der nach seinem Gründer benannte Karl-Dedecius-Preis ehrt seit 2003 polnische Übersetzer deutschsprachiger Literatur und deutsche Übersetzer polnischer Literatur. Ein ganz besonderes Kompliment an die polnische Kultur gelang mit der Herausgabe der 50-bändigen, im Suhrkamp-Verlag erschienenen "Polnischen Bibliothek". Sie versammelt erstmals die bedeutendsten literarischen Werke Polens auf Deutsch.

Eine Grundvoraussetzung für die Verständigung zwischen Menschen sind Sprachkenntnisse. Die Robert Bosch Stiftung richtete deshalb Ende der 1970er Jahre ein Fortbildungsprogramm für Deutschlehrer und Hochschullektoren aus Polen ein, von dem rund 1700 polnische Germanisten profitiert haben. Nach der Wende erweiterte die Robert Bosch Stiftung ihre Angebote auf Lehrkräfte aus allen mittel- und osteuropäischen Staaten und gründete so das "Internationale Deutschlehrerkolleg". 
 

Vorbild für Aktivitäten in Mittel- und Osteuropa

In Polen hat die Stiftung wesentliche Formate entwickelt, die inzwischen ihre Arbeit in ganz Mittel- und Osteuropa kennzeichnen. Etablierte Programme wurden auf andere Länder ausgeweitet, häufig in Zusammenarbeit mit Polen. Dazu gehören u.a. das Theodor-Heuss-Kolleg, mit dem die Stiftung das zivilgesellschaftliche Engagement junger Menschen unterstützt, das Carl Friedrich Goerdeler-Kolleg, mit dem sie Führungskräfte von morgen für die internationale Zusammenarbeit qualifiziert und das Lektorenprogramm, mit dem sie Hochschulabsolventen aus Deutschland an osteuropäischen Hochschulen unterbringt. Besonders erfreulich ist, dass sich dieses Engagement im Lauf der Jahre verselbstständigt hat. Mit dem Verein MitOst haben ehemalige Bosch-Lektoren ein starkes Netzwerk geschaffen und ihre Mittlerrolle in der Region weiter ausgebaut. Inzwischen zählt der Verein 1.300 Mitglieder aus vierzig Ländern.

Heute konzentriert sich die Stiftung in Mittel- und Osteuropa vor allem darauf, die Entwicklung einer starken Bürgergesellschaft zu unterstützen – und mit Hilfe von Polen den Blick weiter nach Osten zu richten. Darüber hinaus sind Akteure aus Polen Bestandteil in europaweiten Programmen wie "Actors of Urban Change", in dem Akteure aus Kulturszene, Verwaltung und Wirtschaft gemeinsam ihre Stadt weiterentwickeln.

 

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40 Jahre Förderung der deutsch-polnischen Zusammenarbeit

Seit 40 Jahren engagiert sich die Robert Bosch Stiftung für die deutsch-polnische Zusammenarbeit. Was als Pionierleistung begann, führte zu einem engen, bis heute tragfähigen Netzwerk. Eine multimediale Entdeckungsreise.
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Die Projekte zum Thema "Völkerverständigung"

Der Aufbau der deutsch-polnischen Beziehungen ist ein Beispiel dafür, wie die Robert Bosch Stiftung Völkerverständigung fördert.