Die Robert Bosch Stiftung

Bürgerschaftliches Engagement 1
Foto: Björn Hänssler 
Seit ihrer Gründung unterstützt die Robert Bosch Stiftung Bürgerschaftliches Engagement. Nach dem Fall der Mauer profitierten davon rund 12.000 Ehrenamtler in den neuen Bundesländern.

Bürgerschaftliches Engagement

In vielen Bereichen unserer Gesellschaft übernehmen Bürger immer mehr Verantwortung, insbesondere dort, wo staatliche Institutionen an ihre Grenzen stoßen. Sie gestalten ihre Umgebung, helfen ihren Mitmenschen und opfern dafür Zeit. Dieses bürgerschaftliche Engagement zu stärken, ist seit ihrer Gründung ein wesentliches Anliegen der Robert Bosch Stiftung. Sie hilft, gute Ideen zu verbreiten, Netzwerke zu knüpfen und Startschwierigkeiten zu überwinden. So förderte sie unmittelbar nach dem Fall der Mauer das bürgerschaftliche Engagement in den neuen Bundesländern. Mit Hilfe der Stiftung entstanden die ersten Keimzellen einer neuen, lebendigen Zivilgesellschaft, die die Entwicklung in vielen Regionen bis heute maßgeblich prägen. Auch in den alten Bundesländern fördert die Stiftung Menschen, die sich in Vereinen und Initiativen engagieren und die Lösung sozialer Aufgaben in die Hand nehmen. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Professionalisierung und Organisationsentwicklung für Vereine und Initiativen.

Dafür hat die Stiftung bis heute rund dreißig Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Mit ihrer Förderung trägt sie dazu bei, dass möglichst viele Menschen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und so die Basis unserer Demokratie stärken.
 

Keimzellen der Zivilgesellschaft

Soziale Projekte wie der Förderkreis "Alte Kirchen Berlin-Brandenburg" und das "Bürgerkomitee Parchim" stärkten den Zusammenhalt in den Gemeinden der neuen Bundesländer und sind heute aktiver denn je. Bis Ende 1999 stellte die Robert Bosch Stiftung mehr als elf Millionen Euro für über eintausend Projekte zur Verfügung. Insgesamt profitierten rund 12.000 Ehrenamtliche von ihrer Förderung.

Als Ende der 1990er Jahre über ein mögliches Ende des Zivildienstes diskutiert wurde, trug die Stiftung mit der Initiative "Jugend erneuert Gemeinschaft" maßgeblich dazu bei, die Idee eines Jugendfreiwilligendienstes in Deutschland und Europa zu verbreiten. Mit ihrem Engagement aktivierte sie tausende junge Menschen, die sich freiwillig für die Gesellschaft einbrachten. Parallel dazu baute sie die erste Zertifizierungsagentur auf, die auch aktuell für die Qualitätsicherung in Freiwilligendiensten sorgt.

Mit ihrer Arbeit will die Stiftung außerdem dazu beitragen, dass engagierte Vorbilder aus der Zivilgesellschaft für ein großes Publikum sichtbar werden. Mit dem Journalistenpreis Bürgerschaftliches Engagement zeichnete sie deshalb über 15 Jahre hinweg mehr als siebzig herausragende Medienbeiträge aus, die beispielhaft darstellen, wie und warum Menschen freiwillig Verantwortung übernehmen. Ähnliche Aufmerksamkeit schuf die Stiftung mit der Kampagne "Die Verantwortlichen". Anlässlich des 150. Geburtstages von Robert Bosch stellte sie 150 beeindruckende Menschen ins Rampenlicht, die sich aus Überzeugung für andere einbringen. Inzwischen hat sich aus der Kampagne ein lebendiges Netzwerk entwickelt, das weiter wächst. Die Stiftung unterstützt die "Verantwortlichen" aktiv bei der Organisationsentwicklung, um deren Initiativen noch effizienter zu machen.
 

Engagement braucht Leadership

Auch vielen anderen Organisationen steht die Robert Bosch Stiftung bei Aufbau und Entwicklung zur Seite. So bringt sie mit dem Programm "Engagement braucht Leadership" zeitgemäße Strukturen in Vereine und entstaubt das Bild von Vorstandsarbeit. In der Pilotphase nahmen über 500 Verantwortungsträger aus Vereinen an den Fortbildungen, Beratungen und Konferenzen des Programms teil. Auch bundesweit ist das Interesse gestiegen. Das Land Hessen hat inzwischen ein eigenes Modell aufgelegt, das sich am Programm der Stiftung orientiert, weitere Bundesländer planen ähnliche Maßnahmen. Die Stiftung selbst trägt die gewonnenen Erkenntnisse jetzt in die Breite und arbeitet aktuell mit großen Netzwerken auf Landesebene zusammen.
 

  

Unterstützung engagierter Muslime

Einen weiteren wichtigen Beitrag leistet die Stiftung gemeinsam mit dem Goethe-Institut bei der Integration muslimischer Gemeinden in die kommunale Arbeit. Rund einhundert engagierte Muslime haben bereits an ersten Workshops in Hamburg, Essen, Mannheim, Hamm und Ingolstadt teilgenommen. Dort erfahren sie, wie sie mit anderen Vereinen kooperieren können, was Elternarbeit an Schulen bedeutet oder welche Möglichkeiten es gibt, finanzielle Förderung für eigene soziale Projekte zu beantragen. Mit dem Programm "Yallah! Junge Muslime engagieren sich" unterstützt die Stiftung zudem jungen Muslime, die sich mit eigenen Projektideen für die Gesellschaft engagieren möchten.
 

Neulandgewinner beleben ländlichen Raum

In Ostdeutschland ermöglicht die Stiftung derzeit die Umsetzung von zwanzig Projektideen aus der Zivilgesellschaft. Hintergrund sind der Strukturwandel und die demographische Entwicklung, die in vielen Städten und Dörfern unübersehbare Spuren hinterlassen haben. Mit dem Programm "Neulandgewinner - Zukunft erfinden vor Ort" setzt die Stiftung seit 2012 darauf, dass die besten Ideen zur Gestaltung dieses Wandels vor Ort zu finden sind. Und der Erfolg gibt ihr recht. So bringt ein zum Kulturcafé umgebautes Bürgerhaus aus dem 15. Jahrhundert neuen Schwung ins brandenburgische Perleberg. Auf der Ostseeinsel Usedom haben Bürger selbst die ersten Schritte zur Energiewende unternommen und im Märkisch-Oderland trägt das Mitfahrsystem MObiL mit über vierhundert Mitgliedern zur besseren Mobilität im ländlichen Raum bei. In diesem Jahr startet die zweite Runde, in der die Stiftung erneut bis zu zwanzig Projekte mit insgesamt einer Million Euro unterstützt.

 

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Die Projekte zum Thema "Gesellschaft"

Die Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements ist ein Beispiel dafür, wie die Robert Bosch Stiftung die Gesellschaft unterstützt.