Das Jubiläum

Robert Bosch Stiftung feiert Jubiläum

Die Robert Bosch Stiftung feiert 2014 ihr 50-jähriges Bestehen. Unter dem Motto "50 Jahre Richtung Zukunft" blickt sie zurück auf ihre Geschichte und ihre Leistung. Und sie blickt nach vorn auf künftige gesellschaftliche Herausforderungen. Jährlich investiert die Stiftung rund 70 Millionen Euro in die Förderung eigener und fremder Projekte aus den Gebieten der Völkerverständigung, Bildung, Gesellschaft und Kultur sowie Gesundheit und Wissenschaft. Seit ihrer Gründung hat die Stiftung so über 1,2 Milliarden Euro für gemeinnützige Projekte eingesetzt und mehr als 20.000 Projekte unterstützt. Damit gehört die Robert Bosch Stiftung heute zu den großen unternehmensverbundenen Stiftungen in Europa. An ihren beiden Standorten in Stuttgart und Berlin beschäftigt die Stiftung rund 140 Mitarbeiter.

Besonders verdient gemacht hat sich die Stiftung beispielsweise um die Annäherung zwischen Deutschen und Polen. Die Kontaktaufnahme über den Eisernen Vorhang hinweg war Anfang der 1970er Jahre eine Pioniertat. In der Folge ermöglichte die Stiftung Austauschreisen für 28.000 Schüler aus beiden Ländern, die Weiterbildung von 1.700 polnischen Germanisten in Deutschland, die Herausgabe der 50-bändigen "Polnischen Bibliothek" in deutscher Sprache und zahlreiche weitere Projekte. Heute ist diese Erfahrung Grundlage für die Arbeit der Stiftung in anderen Ländern, oft gemeinsam mit polnischen Partnern. Weitere Schwerpunkte in der internationalen Arbeit sind die deutsch-französischen und die deutsch-amerikanischen Beziehungen sowie in jüngerer Vergangenheit der Dialog mit der Türkei und China.

In den letzten dreißig Jahren hat sich die Robert Bosch Stiftung auch als Bildungsstiftung etabliert. Mit dem Deutschen Schulpreis vergibt sie den bekanntesten und anspruchsvollsten Preis für Schulen. Wichtigstes Anliegen der Stiftung im Bereich Bildung sind faire Startbedingungen und eine individuelle Förderung junger Menschen - unabhängig von Herkunft und sozialem Status.

Über weitere Meilensteine aus 50 Jahren Stiftungsarbeit können Sie sich hier auf unserer Website informieren. Zugleich bekommen Sie einen Überblick über die Veranstaltungen des Jubiläumsjahres und erhalten zusätzliche Angebote wie unser aktuelles Magazin und den virtuellen Rundgang, mit dem Sie uns im Robert Bosch Haus besuchen können. Weitere Angebote werden folgen, mit unserem Newsletter bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Begleiten Sie uns in diesem besonderen Jahr!

 

Wie alles seinen Anfang nahm

Kein Jubiläum ohne Rückblick. So auch in diesem Fall:
Was geschah vor fünfzig Jahren, als die Robert Bosch Stiftung gegründet wurde? Ein Rückblick aus gegebenem Anlass.

Das Datum des 26. Juni 1964 gilt als Gründungstag der Robert Bosch Stiftung. Doch was genau hat sich damals ereignet? Wer in den Archiven nach Unterlagen zu diesem Ereignis sucht, findet keine Hinweise auf eine glanzvolle Veranstaltung – etwa mit Ansprachen, Kammermusik und anschließendem Empfang. Die Gründung erfolgte im Rahmen eines nüchternen Rechtsgeschäfts. Von einer Robert Bosch Stiftung war zu diesem Zeitpunkt offiziell noch nicht die Rede, nur von der Vermögensverwaltung Bosch.

Am 26. Juni 1964, einem Freitag, kamen in der damaligen Zentrale der Robert Bosch GmbH in der Stuttgarter Breitscheidstraße 4, dem heutigen Literaturhaus Stuttgart, die Erben und die Testamentsvollstrecker Robert Boschs zusammen. Anwesend war auch der neue Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Bosch, Karl Eugen Thomä. Man traf sich zu einem gemeinsamen Mittagessen, um anschließend einen "Geschäftsanteilekauf- und Übertragungsvertrag" zu vereinbaren und von einem Notar beurkunden zu lassen. Durch diesen Vertrag gingen die im Nachlass Robert Boschs liegenden Geschäftsanteile, rund 83 Prozent des Stammkapitals der Robert Bosch GmbH, an die Vermögensverwaltung Bosch über, zu der bereits das vom Firmengründer gestiftete Krankenhaus gehörte. Die Familie Bosch gab damit das Unternehmen an die Gesellschaft ab, die fünf Jahre später den Namen Robert Bosch Stiftung erhielt.

Der Vertrag vom 26. Juni 1964 hat eine Vorgeschichte, die zurückgeht auf die testamentarischen Verfügungen Robert Boschs. Als der Firmengründer 1942 starb, war sein zweiter Sohn Robert Bosch d. J. noch minderjährig. Seine beiden älteren Töchter kamen für ihn als Nachfolgerinnen im Unternehmen nicht in Betracht. Da zudem damals die zukünftigen Verhältnisse in Deutschland völlig ungewiss waren, hatte Bosch Testamentsvollstrecker eingesetzt. Sie erhielten von ihm den Auftrag, innerhalb von dreißig Jahren zu entscheiden, ob die seit 1921 bestehende Vermögensverwaltung Bosch die Robert Bosch GmbH übernehmen oder ob das Unternehmen bei den Erben bleiben sollte.

Zunächst trat Robert Bosch d. J. in die Unternehmensleitung ein, wie es sich der Vater gewünscht hatte. Später wurde aber gemeinsam entschieden, dass die Vermögensverwaltung Bosch die Geschäftsanteile der Erbengemeinschaft erwerben sollte. Die Familie Bosch willigte ein, da die Vermögensverwaltung inzwischen als gemeinnützig anerkannt war und das Erbe im Sinne Robert Boschs nutzen würde. Um die Gemeinnützigkeit zu erhalten, wurden die Stimmrechte der abgegebenen Geschäftsanteile auf eine eigens dafür gegründete Gesellschaft übertragen, die heutige Robert Bosch Industrietreuhand KG. Eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen blieb in der Hand der Familie.

Auch wenn die Vermögensverwaltung Bosch erst fünf Jahre später in Robert Bosch Stiftung umbenannt wurde, war der Vertrag vom 26. Juni 1964 der entscheidende Schritt zur Stiftungsverfassung und damit zur Aufnahme einer Stiftungstätigkeit. Deshalb wurde bereits damals häufig von "Bosch-Stiftung" gesprochen. Tatsächlich handelte es sich auch um eine Stiftung im Sinne der Hergabe von Vermögenswerten, da die Familie Bosch zugunsten der Allgemeinheit einem Kaufpreis zustimmte, der weit unter dem tatsächlichen Wert ihrer Geschäftsanteile lag. Es war der Familie auch ein Anliegen, dass ihr Erbe der Förderung sinnvoller Vorhaben diente und sie dabei gestaltend mitwirken konnte.

Die Öffentlichkeit bemerkte zunächst kaum, dass eines der größten und bekanntesten deutschen Unternehmen in das Eigentum einer Stiftung übergegangen war. Die Mitarbeiter des Unternehmens wurden am 2. Juli 1964 durch einen Sonderaushang über den Eigentümerwechsel informiert. "Bosch-Gewinn dient künftig überwiegend der Allgemeinheit", lautete die Überschrift.

Es sollte einige Jahre dauern, bis die Stiftung eine eigene Organisationsstruktur erhielt. Der größte Teil der Einnahmen wurde zunächst für die Auszahlung der Bosch-Erben und den anstehenden Neubau des Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK) benötigt. Dennoch wurden bereits erste Projekte gefördert, insbesondere in der Völkerverständigung. Anfang der 1970er-Jahre bezog die Stiftung Büros in einem Stuttgarter Geschäftshaus, die ersten Mitarbeiter wurden eingestellt. Nach der Eröffnung des neuen RBK im Jahr 1973 begann die Ausarbeitung eines Förderkonzepts mit thematischen Schwerpunkten. Die Stiftung setzte nun das Programm um, das Robert Bosch in seinen Richtlinien für die Vermögensverwaltung Bosch formuliert hatte: "Es soll gefördert werden: Gesundheit, Erziehung, Bildung, Förderung Begabter, Völkerversöhnung und dergleichen."

 

 

Wir wollen mehr denn je die großen Themen aufgreifen

Frieden, Bildungsgerechtigkeit, Nachhaltigkeit – in den vergangenen Monaten hat sich die Robert Bosch Stiftung verstärkt auf neue Aufgaben ausgerichtet.

Ein Rück- und Ausblick mit Dr. Ingrid Hamm und Prof. Dr. Joachim Rogall, Geschäftsführer der Robert Bosch Stiftung.

 

  • Herr Rogall, der 50. Geburtstag ist im Leben eines Menschen meist der Anlass, das erste Mal Bilanz zu ziehen. Wie sieht diese Bilanz für die Stiftung aus?

Joachim Rogall: Einen wichtigen Erfolg sehe ich in der Völkerverständigung. Wir fördern seit vierzig Jahren die deutsch-polnischen und seit dreißig Jahren die deutschamerikanischen Beziehungen, um nur zwei Beispiele zu nennen. In dieser Zeit ist ein solides menschliches Fundament zwischen diesen Ländern entstanden. Darauf können wir in der alltäglichen Arbeit ebenso zurückgreifen wie in Krisenzeiten, wenn die politische Großwetterlage schwierig ist. Darüber hinaus sind wir stolz auf die Hochleistungsmedizin im Robert-Bosch-Krankenhaus. Das Krankenhaus hat sich in der Geriatrie wie auch in der Herzchirurgie bundesweit einen Namen gemacht. Auch das Institut für Geschichte der Medizin, das weltweit größte Zentrum für Homöopathiegeschichte, und das Institut für Klinische Pharmakologie, das sich zum Beispiel mit Forschung in der Krebstherapie beschäftigt, sind führend auf ihrem Gebiet.
 

  • Völkerverständigung und Wissenschaft sind nur zwei Themen der Stiftung. Frau Hamm, welche anderen wichtigen Themen hat die Stiftung gesetzt?

Ingrid Hamm: Die Stiftung hat Themen oft frühzeitig aufgegriffen und immer mit langem Atem verfolgt. Beides zeichnet uns aus. Zum Beispiel haben wir das Thema Pflege seit fünfunddreißig Jahren intensiv bearbeitet und gesundheitspolitisch befördert, auf eine Akademisierung der Pflege hingewirkt und viele neue Wege in der Pflegepraxis aufgezeigt. Seit ihrer Gründung hat sich die Stiftung als Bildungsstiftung in Deutschland etabliert.

Bildung ist ein Thema, das direkt auf Robert Bosch zurückgeht und auch für seine Kinder und Enkel ein Leitthema ist. Mit dem Deutschen Schulpreis vergeben wir heute gemeinsam mit der Heidehof Stiftung den bekanntesten und anspruchsvollsten Preis für Schulen.

Kurz nach dem Fall der Mauer hat die Stiftung mit der Förderung von bürgerschaftlichem Engagement in den neuen Bundesländern begonnen. Bis heute fördert die Stiftung Menschen, die sich organisieren und gesellschaftliche Probleme selbst lösen. Im Bereich der Kultur haben wir mit dem Chamisso-Preis in dreißig Jahren einen hoch anerkannten Literaturpreis in Deutschland geschaffen, der wesentlich dazu beigetragen hat, deutsche Autoren, deren Werk von Migrationserfahrung geprägt ist, zu würdigen und ihren besonderen Beitrag zur deutschen Gegenwartsliteratur sichtbar zu machen.
 

  • Die Stiftung gibt jedes Jahr knapp siebzig Millionen Euro für gemeinnützige Arbeit aus. Das ist sehr viel Geld, aber angesichts der Themen, die Sie gerade genannt haben, auch wieder wenig. Wie kann man mit diesen Mitteln Wirksamkeit erzielen?

Joachim Rogall: Natürlich können wir nicht flächendeckend die Probleme der Welt oder auch nur Deutschlands lösen. Stiftungen können immer nur anstiften. Wir können Themen aufgreifen, Partner finden und modellhaft zeigen, wie man etwas machen kann. Damit geben wir die richtigen Impulse. Die Höhe unserer Investition ist oft weniger entscheidend als vielmehr die Frage, wie man damit Mehrwert schafft. Zum Beispiel, indem man in Multiplikatoren investiert und Mitstreiter findet, die nach der Initialzündung der Stiftung auf ihre Weise und mit eigenen Ressourcen weitermachen. Oft kann man als Stiftung andere dazu bewegen, in ein Projekt einzusteigen, weil unsere Förderung schon eine Art Qualitätsnachweis ist. Entscheidend ist, dass wir beginnen und so "Vertrauenskapital" geben.

Ingrid Hamm: Wichtig ist, dass wir den richtigen Hebel finden. Zum Beispiel wissen wir, dass Erzieher der Schlüssel für eine bessere Bildung der Kleinen sind. Deswegen haben wir uns darauf konzentriert, die Qualifikation der Erzieher deutlich zu verbessern, und haben die ersten Studiengänge für Erzieher in Deutschland initiiert. Heute gibt es rund fünfzig solcher Studienangebote. Das Modell hat Schule gemacht.

 

  
  • Gibt es Erfolgsmomente in Ihrer Stiftungsbiographie, die Sie nie vergessen werden?

Ingrid Hamm: Als der ehemalige Bundespräsident Köhler über unser erstes, mit Chefredakteuren besetztes deutsch-chinesisches Medienforum sagte: "Ihr redet ja wirklich miteinander", da dachte ich: Das haben wir richtig gemacht. Momente, in denen einem das Herz aufgeht, erlebe ich jedes Jahr, wenn unsere Schülerstipendiaten am Ende der Summer School präsentieren: 17-jährige Zuwandererkinder, die sich locker auf dem Niveau von Zweit-oder Drittsemestern bewegen. Als wir in Swasiland das dortige UWC besuchten, die Schüler und Laurence Nodder, den Gründungsdirektor unseres UWC Robert Bosch College in Freiburg, getroffen haben, da hatte ich stärker als irgendwann zuvor das Gefühl, dass wir mit der Gründung des United World College in Deutschland das Richtige tun: eine Schule für globale Bildung, internationale Verständigung, soziale Verantwortung und Leadership zu bauen. Die Schüler am Waterford Kamhlaba College besitzen das alles und zeigen es im Unterricht genauso wie bei der Aidsaufklärung an Schulen oder der Pflege behinderter Aidswaisen.

Joachim Rogall: Für mich ist unser Theodor-Heuss-Kolleg eine großartige Erfolgsgeschichte. Es ist ein Franchise-Modell der Graswurzel-Demokratie und ermuntert junge Menschen dazu, in ihrem Umfeld Verantwortung zu übernehmen. Als Erstes wurde es von einer russischen Gebietsverwaltung "geklont", die das Modell jetzt mit eigenen Mitteln finanziert, so dass wir nur noch die Trainer schicken. Inzwischen gibt es Ableger in der Ukraine, in Südosteuropa, im Kaukasus und in Nordafrika. Das ist ein Beispiel dafür, wie man mit einer relativ einfachen, aber offensichtlich guten Idee, Schule machen und dazu beitragen kann, dass junge Leute nicht warten, bis der Staat etwas tut, sondern selbst Verantwortung übernehmen.
 

  • Die Stiftung geht zurück auf das Vermächtnis von Robert Bosch. Er hat nicht nur aufgegeben, sein philanthropisches Wirken fortzusetzen, sondern auch, es ständig neu zu interpretieren. Wie findet man neue Themen und neue Ansätze, diese zu bearbeiten?

Ingrid Hamm: Die Themen drängen sich eigentlich auf, man muss sie nur frühzeitig entdecken und einem Relevanzcheck unterziehen. Dann prüfen wir, ob wir die Kompetenzen besitzen oder herstellen können, die Sache einer Lösung zuzuführen. Wenn alles stimmt, fangen wir an. Wir haben auf Entwicklungen wie den Arabischen Frühling oder auf die Wende 1989/90 reagiert, unmittelbar, um mit unseren Möglichkeiten die richtigen Signale zu setzen. Aktuell haben wir einen Schwerpunkt "Flucht und Asyl" eingerichtet, der sich mit den großen Zuwanderungs- und Flüchtlingswellen nach Europa und insbesondere Deutschland beschäftigt.

Joachim Rogall: Es ist immer ein Spagat zwischen Kontinuität und dem Reagieren auf neue Situationen. Das zeigt sich in den internationalen Beziehungen, wo wir viele Schwerpunkte seit Jahrzehnten fördern, uns aber seit einigen Jahren auch mit Asien und nun mit Afrika beschäftigen. Hinzu kommt etwas Zweites. Wir sind eine operative und eine fördernde Stiftung. Dadurch erhalten wir jeden Tag viele Anfragen, die zeigen, wo sich Themen entwickeln. Natürlich haben wir Fachleute im Haus, die die Trends in ihren Bereichen kennen. Wir profitieren aber auch davon, dass wir sehr eng mit der Gesellschaft und ihren Problemen verbunden sind. So haben wir immer den Finger am Puls der Zeit. Auch unsere neue Berliner Repräsentanz, trägt zur stärkeren Vernetzung bei. Sie ist ein Dialogzentrum in der Hauptstadt. Auf den rund dreihundert Veranstaltungen pro Jahr kommen dort mehrere Tausend Gäste aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen zusammen und tauschen sich aus.
 

  • 50 Jahre sind nicht nur ein Anlass, zurückzuschauen, sondern auch nach vorne zu blicken. So lautet auch das Jubiläumsmotto, »50 Jahre Richtung Zukunft«. Welche Themen wird die Stiftung in den nächsten Jahren setzen?

Ingrid Hamm: Wir wollen uns auf zentrale, große gesellschaftliche und soziale Aufgabenstellungen konzentrieren. Überall auf der Welt verschärfen und vermehren sich Konflikte. Deswegen haben wir ein Programmteam beauftragt, sich ausschließlich um Konfliktprävention und Frieden zu kümmern. In der Bildung ist die Gerechtigkeitsfrage noch immer ungelöst: Wie schaffen wir dauerhaft faire Chancen für Kinder aus bildungsfernen und sozial schwachen Familien? Wir brauchen ihr Potential dringend in unserer schrumpfenden Gesellschaft. Zur Lösung dieser und vieler weiterer Bildungsaufgaben müssen wir zudem dringend den deutschen Bildungsföderalismus optimieren und für den internationalen Dialog öffnen. Eine große Herausforderung sehen wir auch in der politischen Bildung und suchen den Kontakt zu Problemgruppen in den Fußballstadien ebenso wie über die sozialen Medien

 

  
  • Welche Rolle kommt der Zivilgesellschaft zu?

Ingrid Hamm: Wir wollen die Bürgergesellschaft fördern. Das Engagement der Bürger ist entscheidend für die Entwicklung der vielen noch jungen Demokratien auf der Welt. Aber auch in unseren entwickelten Demokratien kommt der Zivilgesellschaft eine große Rolle zu. Man kann nicht alles dem Staat überlassen, sondern muss darauf bauen, dass viele Verantwortung übernehmen. Stiftungen können und sollten dabei innovativ und einfallsreich unterstützen. Mit dieser Zielsetzung haben wir eine internationale Studie in Auftrag gegeben und laden im Oktober Vertreter der großen Stiftungen und NGOs aus aller Welt nach Berlin zum gemeinsamen Brainstorming unter der Leitidee "Die Zeit der Bürger".

Joachim Rogall: In der Wissenschaft ist uns ökologische Nachhaltigkeit sehr wichtig. Wir engagieren uns zum ersten Mal in Afrika und wollen die Potentiale dieses Kontinents frühzeitig fördern. In der internationalen Arbeit ist an die Stelle der Kriegsfolgenbeseitigung durch Versöhnung die Förderung von Medienfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und Bürgerbeteiligung getreten. Das machen wir in den Teilen der Welt, wo sich Länder in Transformation befinden, aber durchaus auch in der Europäischen Union.
 

  • Wie muss sich die Stiftung aufstellen, damit sie sich mit diesen großen Menschheitsfragen beschäftigen kann?

Ingrid Hamm: Wir wollen, dass sich die Stiftung als ein "Wir" versteht und konsequent im Dialog arbeitet. Wenn ein Mitarbeiter in einer Weltregion Bildungsprojekte auflegt, soll er sich selbstverständlich mit dem Bildungsbereich rückkoppeln, aber auch den Austausch mit den Kollegen suchen, die in anderen Regionen an ähnlichen Fragen arbeiten. Damit hier Synergien und Effizienz entstehen, haben wir Themengruppen eingerichtet. Um die oben genannten Themen wirkungsvoll zu adressieren, fokussieren die Bereiche ihre Programmpalette; eine Taskforce entwickelt zeitgleich ein Evaluationskonzept. Wir wollen so wirkungsvoll wie möglich arbeiten und unsere Wirksamkeit dokumentieren und messen. In einem weiteren Schritt werden wir lernen, wie wir noch besser kommunizieren, ein entscheidender und gelegentlich vernachlässigter Wirkungshebel in der Programmarbeit. Das alles unternehmen wir in enger Abstimmung mit dem Führungskreis der Bereichsleiter und -direktoren. Hier ist das "Wir" schon angekommen.

Joachim Rogall: Zum einen sind wir dabei, unsere Mitarbeiter optimal zu fördern und weiterzubilden. Wir wollen sie in die Lage versetzen, diese komplexen Themen zu bearbeiten. Zum anderen stellen wir fest, dass auch eine große Stiftung in der Regel nicht in der Lage ist, alles alleine anzugehen. Deshalb suchen wir intelligente Partnerschaften, sowohl mit anderen Stiftungen als auch mit öffentlichen und privaten Partnern. Das kann bedeuten, dass wir mit einer japanischen oder amerikanischen Stiftung zusammenarbeiten oder mit einem Ministerium oder einer Stadt in Deutschland, in Europa oder in der Welt.
 

  • Wir stehen am Anfang des 50. Jubiläumsjahres. Das ist auch eine Chance, die Stiftung Menschen nahezubringen, die sich bisher überhaupt nicht mit ihr beschäftigt haben. Wie sagen Sie jemandem ganz knapp, was das Besondere an der Robert Bosch Stiftung ist?

Ingrid Hamm: Die Robert Bosch Stiftung tickt ein bisschen wie das mit ihr verbundene Unternehmen: Wir leben im Geist von Robert Bosch. Wir sind sehr sachorientiert, gehen in die Tiefe und bleiben hartnäckig an Themen dran. Wir glauben – nach der berühmten Feuerbach-These – dass man Dinge wirklich verändern, nicht nur interpretieren muss. Und wir wollen in der Praxis etwas erreichen. Deshalb wollen wir, dass die Projekte Wirkung entfalten, und nehmen uns als Stiftung zurück. Insofern sind wir eine bescheidene Stiftung.