Grenzgänger

Annette Hauschild:

Annette Hauschild, geb.1969, ist Mitglied der Fotoagentur Ostkreuz, arbeitet seit 1996 als Fotografin und realisiert Auftragsarbeiten und Ausstellungsprojekte, die u.a. in C/O-Berlin, im Deutschen Hygiene-Museum Dresden und im Haus der Kulturen der Welt Berlin zu sehen waren. Sie beschäftigt sich seit 2010 intensiv mit der Situation der Roma in Europa und plant eine eigene Publikation. Dafür erhielt sie das Grenzgänger-Stipendium sowie das Stipendium der VG-Bildkunst und bereiste bisher Italien, das Kosovo, Ungarn und die Slowakei.
Hit the Road Jack

„Mein inhaltlicher Fokus liegt auf den Orten, an denen sich Roma aufhalten, die ihnen zugewiesen werden bzw. von denen sie vertrieben werden. Das Thema Ort-, Heimat- und Staatenlosigkeit hat eine elementare Bedeutung in der Geschichte der Roma, das auch ihre heutige Situation prägt.

Den Orten stelle ich Portraits gegenüber. Bei diesen konzentriere ich mich vor allem auf die Generation der ca. zwanzigjährigen, weil sie einer 'verlorenen Generation' angehören. Viele haben Fluchterfahrung, haben erlebt wie ihre Eltern durch den Zusammenbruch des Sozialismus in die Arbeitslosigkeit abrutschten und sind durch die Wirtschaftskrise am stärksten von Perspektivlosigkeit betroffen. Auf dem Arbeitsmarkt haben sie praktisch keine Chance und haben oft jede Hoffnung auf Besserung aufgegeben.“

Bildergalerie

„Ich habe im Zeitraum 2011/2012 mehrere Reisen unternommen: nach Italien, in das Kosovo, in die Slowakei und nach Ungarn. Ich war jeweils 8 bis 10 Tage in einem Land und bereiste mehrere Orte, die stellvertretend für die schwierige Lage der Roma stehen können.

Für die Kontaktpersonen, Übersetzer und Helfer vor Ort war es manchmal schwierig zu verstehen, was mich interessierte und was ich fotografieren wollte. Gewohnt waren sie den schnellen journalistischen Blick, ich aber wollte mehrere Stunden an einem Ort verbringen und diesen mehrmals besuchen.

Bevor ich Situationen in Privaträumen fotografierte, habe ich lange Gespräche mit den Menschen geführt, was sicherlich dabei geholfen hat, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.

Zugute kam mir auch, so makaber es klingen mag, die Arbeitslosigkeit der meisten. So war ich manchmal einfach eine willkommene Abwechslung und nicht selten endlich jemand von außen, dem die Sorgen und Nöte anvertraut werden konnten.

Viele der Roma haben keinen Kontakt zu Nicht-Roma und hatten noch nie einen 'Gadjo' im Haus. Die vielen schweren Schicksale und vor allem die überall wiederkehrende, scheinbar ausweglos schlechte Lage machten es mir nicht leicht, immer wieder aufzubrechen“.