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Zuhause in allen Sprachen - Imre Kertész ist tot

In der mittlerweile 32-jährigen Geschichte des Adelbert-von-Chamisso-Preises wurden drei herausragende Persönlichkeiten mit einer Ehrengabe ausgezeichnet. Eine davon war der 1929 in Budapest geborene Imre Kertész, den man für seine großartigen literarischen Werke, insbesondere für sein Opus Magnum "Roman eines Schicksallosen", aber auch für seine Übersetzungen und Verdienste um die interkulturelle Vermittlung von Literatur im Jahr 2001 würdigte - ein gutes Jahr also, bevor ihm 2002 der Nobelpreis für Literatur zugesprochen wurde.

Mit Übersetzungen, Boulevardstücken und anderen Textarbeiten finanzierte Kertész, den man nach der Besetzung Ungarns durch deutsche Truppen im Sommer 1944 in die Lager Auschwitz, Buchenwald und Tröglitz/Rehmsdorf deportiert hatte, die Arbeit an seinem epochemachenden Manuskript Sorstalanság. In Ungarn, wo das Werk 1975 erstmals veröffentlicht wurde, dauerte es Jahrzehnte, bis man seine Bedeutung erkannte. Die große internationale Anerkennung erfuhr Kertész erst mit den Übersetzungen seiner Texte ins Deutsche. Dass der Roman eines Schicksallosen zu den wichtigsten europäischen Dichtungen des 20. Jahrhundert gezählt werden muss, machten vor allem die 1990unter dem Titel Mensch ohne Schicksal und 1996 erschienenen deutschen Versionen dieses erschütternden Werks über im Grunde unsagbare Erfahrungen im Konzentrationslager deutlich.

Von 2002 bis 2012 lebte der weltweit angesehene Literat überwiegend in Berlin. Seine schwere Krankheit, die er nicht versteckte, veranlasste ihn vor vier Jahren, sich nach Budapest zurückzuziehen. Imre Kertész starb am 31. März 2016. Nicht nur die literarische Welt verneigt sich vor ihm und seiner Lebensleistung.

Imre Kertész

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Foto: 2012 Jean-Claude Deutsch - Paris Match